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Dörfchen zu gelangen, wo der erwähnte Geistliche seine Pfarre hatte.

Die ersten Sonnenstrahlen blitzten auf, als sich die Flüchtlinge dem Ziele nahten. Das Morgenglöckchen läutete ihnen friedlich entgegen, sie fühlten sich int Zauber der Natur Gott näher und die Klänge aus dem kleinen, heiligen Tempel stärkten noch inniger bei ihnen die Empfindungen der Liebe und der Hoffnung.

Jetzt fuhren sie in das Dörfchen ein; Landleute, welche der anbrechende Tag zur Arbeit rief, begegneten ihnen und zeigten die Wohnung des Geistlichen, der noch schlief. Der Prinz und Philippine harrten an der Thüre; diese zitterte vor Angst und Frost. Endlich nach halbstündigem Warten öffnete sich die Thüre und die alte Haushälterin war erstaunt über den un­gewohnten frühen Besuch. Sie führte das schöne Paar nach einem kleinen, mit Büchern und Schriften angefüllten Zimmer und versprach ven Geistlichen von dem Besuch zu benachrichtigen, sowie er aufgestauden sepn würde.

Nach kurzer Frist trat der Pfarrer, ein würdiger Greis, in das Gemach. Er grüßte mit großer Ehr­erbietung , als er den Prinzen erkannte, welcher errölhete, indessen Philippine verschämt die Augen nie­derschlug. Bald aber hatte sich der erstere gefaßt und fühlend, daß es besser se», ohne des Mädchens Gegen­wart den Geistlichen mit seinen Angelegenbeiten bekannt zu machen, faßte er diesen bei der Hand und zog ihn hinaus in das kleine Hausgädlchen, wo et ihm ein offenes Geständnis! seiner Liebe machte und um Ein- seanung bat. Der wackere Mann konnte unmöglich des Prinzen ganzes Verfahren billigen, obgleich er selbst zugestehen mußte, daß ihm, in seinen Verhält­nissen, um an's Ziel zu kommen, nicht wohl ein anderer Weg offen gestanden war. Den Unterschied des Standes fand dagegen d e r für unerheblich, welcher predigen sollte, daß vor Gott alle Menschen gleich seyen.

Nach einigem Widerstreben willigte endlich der Geistliche ein, die Trauung zu vollziehen.Mag man mich auch deshalb tadeln," sprach er sanft und mild, so werde ich doch in meinem Gewissen Beruhigung finden, wo ich fühle, daß ich nur ein Gott wohlgefäl­liges Werk befördere."

Die Glocke der kleinen Kirche rief zur heiligen Messe. Die Flüchtlinge schlvsseii sich dem Geistlichen an, der sofort das Gotteshaus betrat und nach been­digter heiliger Handlung die feierliche Einsegnung des Paares, deren Stand und Namen er laut verkündete, vornahm. Mit betonender Stimme sprach er die Worte:

Und es sollen die Menschen nicht trennen, was der Himmel zusammengefügt.

Der Bund war geschlossen. Vor dem Ewigen war das feierliche Gelübde ausgesprochen, was sie längst in ihrem Herzen sich gethan hatten. Jetzt verschwanden die Schreckensbilder und sie schwelgten in dem Genüsse einer vorwurfsfreien Wirklichkeit.

Der Drang der Zeit.

Immer und endlos, ach! drängen sich Bilder auf Bilder, Drängen Erscheinungen sich in dem Strome der Zeit; Himmelan brausen die Dämpfe der Loeomotive, Und im Triumphe schwärmt jauchzend der schöpf'rische Geist! Ruhelos, Sterblicher! strebst Du nach neuen Gestalten, Ach! und doch ferne stets bleibst Du dem glücklichen Ziel. Frevelnd durchbrichst Du die Schranken, die Gott Dir m gezogen, Steigest auf Höhen. die tief Dich zu stürzen, Dir droh'n. Dir ist des Friedens Glück all' aus deut Busen geschieben, Denn für das eit'le Ich lebst Du in eniger vast; Ewiges Haschen, und ewiges Ringen uno Jagen Raubet den L>chlunimer Dir, raubt Dir die innere Ruh'. Giftiger Stachel ter Habsucht! dein schwarzes Gefolge Machet erkalten die Brust, neigt zur Sünde das Herz; Wehe! wenn einmal ihr lockendes Gift Du gesogen, Lehrest Du nimmer aus ihrem Gewinde zurück! Rastlos getrieben von magischen Riesengewalten, Wähnst Du die Sterne, Mensch! selbst von tem Himmel zu zieh'n!

Strebest nur Güter für's irdische Wohl zu gewinnen, Ach! und für's Jenseits bleibt kalt Dir und fuhllvs die Brust. Jegliche Regung für biedere That.n ersticket Der in Dir herrschende, nimmer befriedigte Drang; Ja, für den reitenden fühlst Du kein herzlich Erbarmen, Hast für fein bangendes Flehen fein mitleidig Ohr. Nicht der in Kümmerniß leidende flehende Bruder, Nicht der getrübte, in Thränen gebadete Blick Facht in der steinernen Brust Dir ent Flämmchen der Liebe, Fachet ein Mitleid, Dir, sündiger Sterblicher! an. £> ufe nur Schape, ja, häufe nur Güter der Erde, Schließe den Busen Du menschlichem Elende zu;

Irdischer Glanz, ach! vergehet, eh' Lu es nur ahnest. Und auf den Trümmern ruht starr der betrogene Blick! Müde des Jagens nun, kehrst Du zurück in die Stille, Nahm'st doch nur Bilder des Trugs, nahm'st doch Schatten nur ein.

Blicke zurück auf die hinter Dir liegenden Tage Fo-d're die Guter! doch webe! sie waren inir Schein. Träumend nun steb'st Du am Grabe mit blutendem Herzen, Hast nicht im Busen das bessere Heil Dir gewahrt, lind in dem Innern da ruft Dir ohn' Ende die Stimme: Wie Du hier lebest, so lebet der Richter in Dir!"

Theodor Loos.

R ä t h s e l.

Ich hab ein Ding im Sinn, Wohl lieben es die Mädchen traut, Es liegt um ihre zarte Haut, Doch stecken Nägel drin.

Auflösung der dreisilbigen Charade in 82: S ch wanthale r.

Druck und Verlag der G. D. Brühl' scheu Buch- und Steindruckerei.