642

Geschäftsmann thttt, um seinem Geschäfte mehr Ausdehnung ;tt geben, bas kann den kleinen um so weniger erniedrigen, wenn er zu demselben Mit­tel seine Zuflucht nimmt. Im Gegentheile ehrt ihn, wenn er sich aus allen Kräften bestrebt, um voran zu kommen. Niemand wird demjenigen seine Achtung versagen, der, fleißig und solide, in seinem Geschäfte etwas recht Tüchtiges leistet, und, wenn auch arm, alle erlaubten Mittel und Wege benutzt, es zu heben und tu Flor zu bringen. Darum schämt Euch nicht, Ihr armen Handwerker, Eure Armuth offen zu gestehen, denn sie schändet nicht; wohl aber steht Ihr in Gefahr, in Mißachtung zu gerathen, wenn Ihr, aus falscher Scham, die Euch gebotenen Mittel zu Eurem Emporkommen nicht be­nutzt, und ruhig die Hände in den Sckoß legend, in dem Wahne befangen bleibet, Euch sey nicht zu helfen.

Auch an Euch, Ihr reichen und bemittelten Handwerker, will ich einige Worte richten: Glaubet ja nicht, daß Eurem Interesse zuwider sev, wenn durch Gründung einer Jndustriehalle dem Gesammt- Publikum Gelegenheit gegeben wird, sich besser und leichter als vorher mit seinem Bedürfe zu versehen, insofern Ihr Euch nur gehörig dabei betheiligt.

Wenn man früher zum Einkäufe von dem einen zu dem andern Eurer Läden wandern mußte, um dasjenige ein ein zusammen zu kaufen, was man bedurfte, kann man in der Jndustriehalle seinen ganzen Bedarf besäumten finden, ohne viele Mühe und Zeitaufwand fich mit allem Nolhweudigen ver­sehen, und was noch ein besonderer Boriheil für Euch ist, man wird oft noch mehr kaufen, als man nötbig hat; denn die Ansicht so vieler ausge­stellten Gegenstände des Gewerbflcißes muß noth- wendig Manchen zum Ankäufe reizen, und Jeder von Euch wird auf diese Art mehr verkaufen, als früher in seinem Laden von ihm geschah, ohne- thig zu haben, sich besonders darum zu bekümmern, und seine Zeit dabei zu verwenden. Wenn Ihr aber auch noch berücksichtigt, wie mancher Käufer ans der Umgegend sich einfitidcn wird, der früher gar nicht daran gedacht haben würde, seinen Be­darf aitf hiesigem Platze eiuzukanfen, so muß es einleuchten, welch großen Boriheil Euch eine Jn- dustriehalle gewähren wird.

Wie muß aber eine solche eingerichtet seyn, und auf welche Weise das Geschäft betrieben werden, um sowohl Käufer als.Verkäufer zu befriedigen?

Das Verkaufslokal muß geräumig und Helle, und wo möglich in einer frequenten Straße gelegen feyn. Es müssen darin sämmtliche Erzeugnisse des Gewerbfleißes, die sich für den Verkauf eignen, wenn sie solide und gut gearbeitet sind, ausgenommen, und so, nach ihren verschiedenen Gattungen geord­

net, ausgestellt werden, daß nicht nur das Ganze, sondern auch jedes einzelne Stück wohlkhuend auf den Beschauer wirkt. Auf gute Arbeit muß vor­züglich gehalten werden; denn nichts hebt ein Ge­schäft mehr, als wenn es sich den Ruf erworben hat, stets gute Waare zu liefern. Zu diesem Ende muß ein Schau amt errichtet werden, daS jeden Artikel, der zur Aufnahme angemeldet wird, hin­sichtlich seiner Güte und Brauchbarkeit prüft, und nur das Tauglichbeftindene darf darin aufgenom­men werden. Ferner muß zu festen Preisen ver­kauft werden; diese aber hat, um zu verhüten, daß fein Artikel unpreiswürdig sey, nicht der Verkäufer, sondern die Commission zu bestimmen, die dazu er­wählt ist, die gangbaren Verkaufspreise der Gegen­stände festzusetzen, und endlich ist dafür Sorge zu tragen, daß n u r ein gewandter, im kaufmännischen Fache bewanderter, für das Geschäft sich üiterefft» render Mann mit der Geschäftsführung beauftragt werde. Dieser, wenn er thätig seyn will, kann ungemein zur Hebung der Anstalt beitragen. Durch freundliche und zuvorkommende Begegnung, indem er auf dieses oder jenes Stück aufmerksam macht, und auf geeignete, keineswegs aber zudringliche Weise, zum Kaufen ermuntert, macht er sich beliebt in den Augen der das Lokal Besuchenden, die da­durch, besonders wenn sie auch noch durch ihren Einkauf befriedigt wurden, mittelst ihrer Empfeh­lungen zu erneuerten Besuchen Anderer beitragen.

Wird nun eine solche Jndustriehalle von den betreffenden Meistern, namentlich von den Schrei­nern, Sattlern, Tapezierern, Papparbeitern, Speng­lern, Kupferschmieden, Schuhmachern, Schneidern ic. gehörig benutzt, so daß von allen Artikeln ihrer Erzeugnisse stets hinreichender Vorralh vorhanden ist, so kann es nicht fehlen, besonders wenn, wie oben bemerkt, auf Güte und Preiöwürdigkeit der Waare gehalten wird, daß eine solche Anstalt ge­deihen und fortwährend einen erwünschten Absatz haben wird. Für diejenigen Artikel über, die wäh­rend eines Jahres nicht verkauft würden, könnte entweder eine öffentliche Versteigerung oder eine Verloosung stattfinden, so daß kein Gegenstand länger als ein Jahr unverwerthet bleiben dürfte. Die entstehenden Kosten für Lokal-Miethe te. würden leicht dadurch gedeckt werden, daß vom Erlös 2, 3 oder 4 pCt. abgegeben werden müßten.

Es ist gerade nicht nolhwendig, daß eine derartige Industrie-Ausstellung von Seiten des Gewerbvereins ausgeht. Geschieht dieses, desto besser, wo nicht, so kann solche auch aus einer Bereinigung verschie­dener Handwerke hervotgehen. Ich kenne mehrere Städte, wo z. B. die Schreiner fich zur Haltung eines gemeinschaftlichen Möbelmagazins vereinigt haben, die, ungeachtet der zu bezahlenden Miethe