Ausgabe 
14.7.1847
 
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i.Diable!" erwiederte Ludwig sehr leise, indem er die Thür wieder zudrückte und schnell zurückkam. Du erinnerst mich zu rechter Zeil an dies fatale Lieb-Sabenth-uer. Ach, mein guter Jeoffrop, da und wahrend Deiner Abwesenheit curiose Dinge vorgefallen die ich Dir nicht einmal alle schreiben mochte, weil das Papier nicht immer stumm ist. Denke Dir,^ das Mädchen ist vor ein paar Wochen eines starken Knab- leins genesen, ich sage Dir, eines Knäblcins, Trotz und Entschlossenheit spricht sich schon jetzt in fernen kleinen Zügen aus. O ich zittere, wenn ich daran

denke, daß dieser Knabe dereinst gegen mich aufstehen könne, wie ich . . ." er brach hier bestürzt ab, fuhr aber gleich wieder fort:unv wie leickt ist dicS mög­lich, ich bin ja kaum 38 Jahre alt. In 20, ja viel­leicht schon 18 Jahren kann er vor mich hintreten und sein Reckt fordern. Blutige Bürgerkriege werden dann vas schone Frankreich zerfletschen und bin ich nicht König, muß ich nicht wachem über das Wohl meines Laiwes? Ach, Jeoffrop, mein Herz blutet, aber der Staat fordert es, der Knabe darf nicht leben. Ich kann ihn nicht Tristan anempfehlen, denn der gibt sich nicht gern mit Kleinigkeiten ab. Ueberdies vertraue ich in solcher Angelegenheit auch nur Dir allein. Schaff' den Knaben still bei Seite, ganz still und scp meiner Dankbarkeit versichert."

Jeoffrop schauderte, wenig hätte gefehlt, so Härte ihn der Sturm seiner inneren Gefühle verralhen, allein er bezähmte sich. In jener Stunde hatte er gelobt, die unglückliche Jeanette zu retten er konnte eS nur vollbringen, wenn er den Heuchler spielte.Scpd meiner versichert!,, nahm er deshalb gelassen das Wort, in der nächsten Stunde schon soll Euer Sprößling nicht mehr alhmen. Wie aber, wenn die Mutter das Kind nicht hergibt, wenn sie sich gleich der Löwin

wehrt, was dann . . . ?"

Ach, Jeoffrop, Du bist ein entsetzlich langweiliger Schwätzer," sagte gähnend der König von Frankreich, halte mich doch nicht bei solchen Kleinigkeiten auf. Wenn ich mein eigen Blut nicht schone, ventre bleu, fb kümmert mich das Mädchen doch noch viel weniger. Thue was Du willst, nur mache, daß mir keins mehr von den Beiden vor die Augen kommt." Damit ging er zur Thüre hinaus.

Jeoffrop stand lange wie angewurzelt vor Entictzen, ehe er Worte finden konnte; erst nach und nach ver­mochte er seine Gefühle in Lauten auszudrücken! Scheusal, Auswurf der Menschheit!" rief er mit dem Ausdruck des höchsten Schauders.Den Sohn, den eignen Sohn, Dein eignes Blut willst Du morden! O gräßlich, gräßlich ! Kanu cs der Himmel dulden, stürzen nicht seine Säulen ein und begraben das Un­geheuer! Und Jeanette!" eine Thräne trat in sein AugeUnglückliches Mädchen, Du hörtest nicht auf meine Warnung? Doch noch ist nicht Alles ver­loren, denn ich bin ja Dein Henker. Bei dem ewigen Gott, der seine Sonne mild aus uns alle scheinen läßt, ich will Dich retten und müßte mein letzter Bluts­tropfen darob verspritzt werden! Ha! Ludwig, ich durch­schaue Dick', m i r gabst Du den Auftrag, weil Du den Tristan noch fürderhin zu gebrauchen gedenkst. Glaubst Du. Jeoffrop ahne nicht, daß er Dein scheußliches Ge- heimuiß mit seinem Blute siegeln müsse . . Da schmetterten unten die Fanfaren der angekommeneu Herren und Ritter und hastig eilte unser Freund durch eine Hinterthüre aus dem Schloß.

Die kleine Stadt Gcmappe bot in diesem Augen»

ist etwas Anderes, da werde ich mich nie sträuben, aber einen König, behüte der Himmel! Jndeß der drohende Sturm mußte von Eurem Haupte abgewendet werden. Ventre gris, dachte ich, man kann ja dem alten Herrn etwas Derartiges in die .Ohren blasen und wie der Wind war ich eines Morgens bei ihm und verkündete ihm: Se. königliche Hoheit der Dauphin gehe damit um, ihn mit Gift aus dem Wege zu schaffen. Run hättet Ihr den alten Graubart sehen sollen, wie er als Besessener im Schloß herumlief und sein Lew allen Wänden klagte! Bon Stund an nahm er weder Speste noch Trank zu sich, denn er fürchtete, in jeder Suppe den Tod zu trinken. Das kam mir nun eben recht; wenn er sich ausgehungert hätte, konnte ich meine Hände in Unschuld waschen. Ich sorgte deshalb; daß kein Arzt zu ihm gelangen konnte; wer aber kann sich vor diesen gelehrten Spürnasen wahren! Sie hatten es bald ausgewittert und kamen in hellen Haufen herbei­gelaufen. Der König lag in Fieberrasereien und wäre einmal beinahe zum Fenster hinausgesprungen. Er hätte meinetwegen springen können, aber da waren so ein paqr schurkische Amtsleute aus Tours und Bouzrers da, die rissen ihn zurück und die Diener stopften ihm mit Gewalt große Stücke eines gekochten Huhnes in den Mund. Da ich denn sah, daß ein Jeder ,tch be­eilte sein Möglichstes zu thun, so erquickte ich Eueren königlichen Vater mit einer tüchtigen fetten Fleischbrühe. Wer aber kann für göttliche Bestimmung? Der Magen Eures Vaters mochte wohl ungebührlich werden über die Menge Speisen, die ihm auf einmal eingefullt wurden kurz, am anderen Morgen war Karl vll.

Ah die Schurken von Amtsleute!" rief Ludwig, der" da'g Letzte schon überhört hatte; ich werde ne dem Tristan empfehlen. Nun, ich bin doch König und mein Bruder Karl hat das Nachsehen, l'ar la Paque-Dieu, ich werde eine glorreiche Regierung fuh­ren und meine Feinve sollen unterliegen. Morgen, Jeoffrop, werde ich in Paris einziehen." Damit wandte er sich nach der Thür, um die GluckswMsche der Ncichsgesandten zu empfangen. .

Allergnädigstcr Herr!" rief Jeoffrop, anscheinend gleichgültig nach, obgleich sein Inneres bebte:wie steht es mit der kleinen Jeanette in der L-traße du