Ausgabe 
14.7.1847
 
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Unterhaltendes und Gememnutztges.

(Eingesendet) Schon mehrmals ist in diesen Blättern einiger Mängel gedacht worden, wehte hm- sichtlich des Brodbedarfs in hiesiger Stadt neuerdings besonders fühlbar geworden sind; darum erlaubt sich auch der Einsender dieses, seine Vorschläge zur hülfe derselben mitzuthcilen, zumal dieselben vielfach geäußerten Wünschen entsprechen. Da die hie­sigen Bäcker so zu sagen im Besitze eines Back-Mo­nopols sich befinden, so ist leider das Publikum nur zu sehr in ihre Hände gegeben, und es sind hierüber schon viele Beschwerden laut gewyrden. Denn abge­sehen von so manchen andern Uebelständen, welchen das Publikum unterworfen ist, kann man selbst für das baare Geld nicht einmal immer seinen Brodbe- darf bekommen, und cs ist schon eingctreten, daß ganze Familien Tage lang ohne Brod sepn mußten, weil ihre gewöhnlichen Bäcker nicht Brod gc^ug ge­backen hatten, die andern aber, welche Vorrath besaßen, unter keiner Bedingung Anderen , als ihren eigentlichen Kunden davon abgaben, die sich ebenfalls ost genug in den Willen ihrer Bäcker fügen muffen. Da das Brod ein unentbehrliches Bedürsniß ist, so müßten wohl die Bäcker, d-e gewissermaßen hierauf das Monopol besitzen, auch gehalten scyn, einem Jeden, sey er Kunde oder nicht, Brod abzugeben; es ist gewiß empörend, das Gelb in der Hand von den gefüllten Brodschränkcn zurückgeschickt zu werden, mit der Antwort: es ist kein Brod da! Die Mei­nung des Einsenders geht also dahin, um diesen sehr drückenden Mißverhältnissen abzuhelsen, möchten der Stadtrath und die Verwaltungsbehörden für An­legung einer hinlänglichen Anzahl von Gemeinde-Backöfen in hiesiger Stadt Sorge tragen, wie solches auf dem Lande schon lange üblich ist. Die Einrichtung derselben müßte für die einzelnen Stadttheile so ongeordnet werden, wie die Erfahrungen auf dem Lande es als am Zweckmäßigsten bewährt haben. Wir glauben, hier­durch würde sich der Gemeinkerath den Dank des größten Theils der hiesigen Einwohnerschaft erwerben und einem Uebelstand abhelfen, welcher jede Familie, haupffächlich aber die ärmere Klasse und den Mittel­stand hart berührt.

Der Bastard von Gemappe.

Historische Erzählung von g. Menk.

(Fortsetzung.)

Da Plötzlich erscholl die Kunde im Lande, Karl VII. sey hinübergegangen zu den Vätern; noch war es nur ein dunkles Gerücht, aber bald ward die traurige Sage zur Gewißheit. Auf schweißbedeckkem Roß ras:e Jeoffroy durch das Thor von Gemappe und stürzte zu den Füßen seines neuen Königs nieder z/ihm die

ersten Glückwünsche darbringend. In Ludwigs Innerem frohlockte es, allein die Rathsherren der Stadt und viele Adelige waren im Saal versammelt, als Jeoffroy die Trauerbotschaft brachte, deshalb verhüllte der Dauphin heuchlerisch sein Antlitz und weinte einige Judaszähren. Alsbald aber entließ er die Anwesenden und sie nahmen den Zwang den er sich anthun mußte, mit sich fort. König, König, ich bin König!" murmelte Ludwig lange vor sich hin.Der Herzog von Bretagne Dam-, Martine, Armagnacich kann mich an Allen rächen! Jeoffroy, o Jeoffroy, wie lohne ich Dir! Willst Du Minister oder Erzbischof, Pair von Frankreich oder Herzog von Bretagne werden? Doch vor Allem erzähle mir, hast Du meinem Vater wirklich die Äugen zu­gedrückt? Wenn er nur scheintvdt wäre! Ach, das ist ja gar oft der Fall gewesen, daß Viele wieder in'S Leben zurückgekehrt sind. Nein sage nein, das ist ja gar nicht möglich! Wie und an was ist er gestorben? So erzähle doch, verruchter Gaudieb!"

Die Sache war bald abgemacht," nahm Jeoffroy in seinem gewöhnlichen geringzchätzlgen Ton das Wort. Ich war fast ein halbes Jahr am Hof, und brachte mich dadurch, wie ich Ew. königlichen Hoheit berichtet habe, gar sehr in Gunst, daß ich schlechte Sachen von Euch erzählte, wovon kein Wort wahr war. Der König zog mich bald in seine nächste Umgebung und vertraute mir Vieles, was ich Euch auch immer wieder pünktlich gemeldet habe. So ging die Sache ganz vortrefflich, als es auf einmal hieß, König Ladislaus von Ungarn habe nach seinem Hinscheiden seine Rechte auf das Herzogthum Luremburg an die Prinzessin Magdalena von Frankreich abgetreten. Wie Ihr recht wohl wißt, war der gute Herzog von Burgund nicht gesonnen, das schöne Land, in dessen Besitz er sich gesetzt, herauszugeben, und Ihr mögt bei dieser Widersetzlichkeit wohl auch das Eurige mitgewirkt haben kurz, der alte König Karl gericth in heftigen Grimm und vermaß sich hoch und theuer, Euern Schutzherrn, den Herzog von Bur­gund, mit Feuer und Schwert befehden zu wollen. Tete-Dieu, der alte Griesgram brachte auch ein gar gewaltiges Heer zusammen unv es hätte vielleicht übel um die gestrengen Herren von Burgund ausgesehen, aber mein Witz half aus und ich machte alle Staats­klugheit zu Schanden. Nun wäre es mir zwar ein Leichtes gewesen, dein allergnädigstcn König beim Morgen-, Mittag- und Abendimbiß eins von den italienischen Pülverchen, deren Ihr immer vorrälhig habt, einzurühren, aber aufrichtig gestanden, mein Hals juckte mir ganz und gar nicht und überdies Hand an das Haupt des Gesalbten zu legen nein, ich bin ein guter katholischer Christ Lumpenpack, allen­falls auch einen Graf oder Herzog auf solche anstän­dige Weise in die andere Welt zu befördern, ja das