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der Subscnptionslisten geschlossen ist, erfolgt die Einladung zu einer Generalversammlungworin insbesondere die Wahl des Vorstandes und des Ausschusses des Vereins stattfindcn wird.
Darmstadt, 10. Juli 1847
Das provisorische Comite des beabsichtigten "Na- tionalvereins für deutsche Auswanderung und Ansiedelung, insbesondere für das wrost- herzogthum Hessen.
Die jetzigen gesellschaftlichen Zustände.
Zukunft der Handwerker.
(Schluß.)
Es erheb.» sich zwar Stimmen, welche glauben machen wollen, dieses Sinken des Gewerbestandes sey Folge der in mehreren Ländern erfolgten Aufhebung des Zunftzwanges und werde mit der Wiedererrichtung des letzten schwinden. Ta scyd Ihr aber auf dem Holzwege, damit ist durchaus Nichts gesagt und es ist Zehn gegen Eins zu wetten, daß, je eher die alte Zunftweise wieder eingeführt wird, Ihr desto eher verloren scyd. Die Negierungen haben den Zunftzwang nicht aufgehoben, weil sic w o l l- ten, sondern weil sie mußten England, Frankreich und die Niederlande haben uns durch ihr Beispiel gezwungen, und wollen wir Deutsche nicht ganz verarmen, so müssen wir ihnen auch in dieser Beziehung nachahmen, aber bald. Wollt Ihr Zunftzwang, so müßt Ihr ihn in der ganzen Welt haben.
Privilegien aber sind der Krebsschaden des Handels und der Gewerbe. Wer's am Besten macht, der wird den meisten Zulauf und Gewinn haben. Hier werden vielleicht Viele wieder einen Einwand versuchen wollen, hilft aber Alles nichts, es ist reine lautere Wahrheit und wollte Gott, eö wäre in Deutschland die Zeit schon da, wo jeder produciren, jeder arbeiten darf, was er will, was er kann, was er versteht und wozu er die Mittel besitzt; heute dieß, morgen das und übermorgen wieder etwas Anderes. Die Zeit eilt, sie ist nicht aufzuhallen, die völlige Gewerbsfreiheit ist vor dcr^Thür, sie hat sich schon von selbst cingeschlichen. Wer's vermag, der halte die Zeit der Gewerbsfreiheit und des industriellen Fortschrittes auf. Unsere Großväter hatten den Zunftzwang, ist es ihnen möglich gewesen die Tuch- würker, die Stricker, Gürtler, Riemer, Geschmeidemacher, Waffenschmiede:c. vom Untergange zu retten?
Ja, es wird eine Zeit kommen, sie ist schon vor der Thür, in welcher von Handwerken nur noch die des Bäckers, Fleischers, Schneiders und Schuhmachers und einige wenige andere noch bestehen. Alle übrigen Gewerbe haben sich mehr oder weniger in Fabriken und Handlungen aufgelöst Ja, selbst dem Bäcker, Schneider und Schuhmacher droht die mächtige Concurrenz der Fabriken; den Müllern wird
das Wasser abgekauft, um die Mehlmühlen in Tabaks-, Fayence-, Porcellain-, Spinn-, Echleif- und Sägemühlen zu verwandeln, während einzelne Mehlmühlen jetzt durch Dampf getrieben werden. Ja, der Dampf, der Dumps, glaubt es mir, er hat aus der einen Seite Theil am Ruin der Handwerker ' und doch ist er das große feurige Genie unseres Jahrhunderts, dem Jahrhundert der Industrie und der Erfindungen.
Hier ruft mir vielleicht eine Stimme entgegen: Du verkündest uns den Verfall aller oder doch sehr vieler, der meisten Handwerke, das Ende aller Ge- werbsthätigkeit; was soll aus uns werden? Ich antworte : auch der Fortschritt der Industrie fordert Zeit, die eilende Zeit braucht und verzehrt sich selbst. Ich habe gezeigt, waö gekommen ist, was noch kommt; allein die jetzt lebenden Meister, die mit Klugheit und Betriebsamkeit ihr Geschäft treiben, werden nur langsam die Abnahme ihres Geschäftes erfahren, sie können sich jetzt vorsehen, einen Seitenweg einschlagcn; sie können sich noch helfen, wenn sie nur den gehörigen Scharfblick haben, um zu erkennen, was zu ihrem Nutzen dient.
So hätte ich denn ein Bild gezeichnet, welches die Zukunft des Gewerbswesens dar stellt und th welchem Viele gar grelle Farben erblicken werden. Be-- tracht.t dieses Bild, es gilt vorzüglich Euren Nachkommen, Euren Söhnen. Diese sollen für die neue Acra der Zukunft gerüstet werden, damit sie der Zeit gewachsen sind und sie nicht als schlecht anklagen, während sie Neicbthümcr mit vollen Händen auswirst, die aber nur diejenigen sehen und finden, welche die neue Münze der Zeit kennen und von ihrem breiten Strome ein Bächlein in ihren Säckel leiten.
Alles dieß kann nur durch eine tüchtige Vorbildung in GcwerbSschulen erreicht werden, darum trachtet darnach, selbige den Kindern und Pflegbefoh- lcnen angedeihen zu lassen. Dies bleibt leider aber hier in Gießen so häufig von Ckkkrn und jungen Gewerbsleuten unbeachtet, indem sich ihnen doch hier die beste Gelegenheit darbietet. Denn ohne dieß werten sie die Zeit nicht begreifen und zu ihrem Vortheile lenken, und an das rollende Rad der Zeit ihr Gespann nicht befestigen — mit ihr forteilcnd, gleichen Schritt halten können. Sie werden dadurch befähigt werden, nicht dieß oder das — sondern, nach Forderniß der Zeit, Alles zu treiben, was Gewinn abwirft und ihre Familien ernähren kann.
Der Bastard von Gemappe.
Historische Erzählung von F Menk.
(Fortsetzung )
„Fasse Dich, Ludwig!" nahm feierlich Jeoffroy das Wort. „Ich habe männlich ertragen, Unerhörtes erduldet , denn es blieb mir eine Hoffnung — die Ver-


