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geltung! Kann der Ewige dulden, was über uns verhängt wurde; sendet er nicht seine Blitze herab, die Scheusale, die sich Menschen nennen, zu zerschmettern — wohl, so rächen wir uns selbst. ^ch habe nicht den Tod gescheut, um mich Dir zu nahen, ich fand Dich und Du wirst den Schwur, den ich Deiner beklagenswerthen Mutter leistete, in Erfüllung bringen."
„Was beschließt Ihr?" fragte erschrocken Paseal. „Ich verstehe Euch nicht." .
„Glaubst Du, mein Sphn," nahm der Alte finster das Wort, ich habe Dich umsonst so lange in Deiner Unwissenheit gelassen? wähnst Du, ich habe umsonst unzählige Leiden für Dich erduldet? ich verlang- Vergeltung, ich geize um Lohn, und Du darfst ihn mir nicht versagen. Bist Du nicht der Nächste dem Thron, ruht nicht in Deinen Händen das Schichal von Tausenden? Nun wohl, ich begehre nichts weiter, als daß Du Deine "Macht gebrauchest, um Dich, mich und Deine. unglückliche Mutter zu rächen. Der König weiß nicht, wie nahe Du ihm verwandt bist; aber er kann und wird Dich vernichten, wenn er Dich nicht mehr zu fürchten braucht. Wehe Dir, wenn ihm kund würde, du seiest der Sohn Jeanette Goupilicrs; keine Macht der Erde würde Dich dann vor seinem Argwohn schützen, Du würdest das Schicksal Deiner bcjammerns- werthen Mutter theilen!"
„O warum müßt Ihr mich daran erinnern!" klagte Pascal. „Der König ist so liebevoll, so offen gegen mich."
„Traust Du der Schlange, die sich unter Blumen windet?" unterbrach ihn heftig Jeoffroy. „Thörichter Jüngling, wenn Du diesem Ludwig glaubst, so werde ich nach Kurzem an Deiner Leiche weinen müssen!"
„Ihr täuscht Euch!" rief der junge Mann. „Was soll ich thun? Und haltet Ihr meinen Einfluß für so gewaltig, daß ich dem Beherrscher Frankreichs entge-
aus und das Entsetzen wird seine Thaten lähmen. Er ist nicht mehr der alte Löwe, der er einst war, das Gewissen ist in ihm erwacht und sieht er sich verlassen von seinen Schergen, daun gibt er sich selbst zu erst auf."
Der Jüngling versank in ernstes Schweigen.
„Ludwig ist ein Ungeheuer!" sprach er dann fest, „ich werde ihn fliehen, aber ich darf nicht die Hand gegen den Baker heben. Bedenkt, Jeoffroy, bedenkt das Gräßliche und fügt nicht neue Unthaten zu den bereits vollzogenen. Ueberlaßt dem, der über den Sterne» thront, die ewige Vergeltung; idi, ein schwacher Sterblicher, darf nicht diesem Urtheilsspruch vorgreifen!"
„Schwacher Knabe!" zürnte der Greis. „Ließest Du Dich freiwillig kuorden, wenn jener Rabenvater Dir den Dolch auf die Brust setzte? Geh, das Hofleben hat Dein besseres Selbst erstickt, Deine Kraft gelähmt. Ich beklage Deine Verblendung, beklage Frankreich, das in Dir seinen Befreier finden würde, wenn Du nicht feig vor der Gefahr zurückbebtest!"
„Ihr verkennt mich!" entgegnete stolz der junge Mann. „Begehrt von mir , was Ihr wollt, aber gegen ein unnatürliches Verbrechen sträubt sich mein Inneres. Jeoffroy, ich beschwöre Euch, laßt Euch nicht von blindem Wahnsinn fortreißen: der König ist mächtig und gewaltig. Welch Loos erwartete Euch, wenn er entdeckte, daß Ihr lebtet! Flieht, flieht nach Englands oder' Deutschlands fernen Grenzen und betretet nie den französischen Boden, so lange noch der elfte Ludwig über ihn herrscht."
Jeoffrov schwieg lange; ein unheilbringender Entschluß schwebte auf seinen Zügen. „Zitterst Du vor Deinem Henker?" fragte er endlich, höhnisch lächelnd. „Geh, geh, mein Sohn, ich begehre nichts von Dir — aber ich werde allein vollbringen, wozu Du Deinen Arm versagst."
Kalt wandte er sich, ohne Abschiedsgruß, um und verschwand in den Ruinen. Pascal sah ihm schmerzlich bewegt nach, dann schwang er sich auf sein Roß und langte noch vor vollem Tagesanbruch zu Plessis- les-Tours an. (Forts, folgt.)
gentreten könnte ,
„Du wirst es, wc?n Du nur vertraust," fiel schnell der" Alte ein. „Ich kenne den Haß des Adels und des französischen Volkes gegen den Tyrannen; ein Stein aus ihn geworfen, und er wird unter der Last erliegen. Wir breiten das Geheimniß Deiner Geburt
General-Versammlung.
Diejenigen Interessenten, welche sich an der hiesigen Gesellschafts- Bäckerei betheiligen wollen, werden ersucht, in der nächsten, auf
Freitag den 13. August, Abends 8 W,
bestimmten Generäl-Versammlung anzugebcn, wie groß der wöchentliche Brodbedarf für ihre Familie, und wer feilte eignen Fruchte oder Mehl in natura ui liefern gesonnen ist.
Gießen den 10. August 1847.
Pas provisonsche Lomrte -er Actren-Dackerer.
—-------"Drück"ünd Verlag der G. D. Brühl'schm Buch- und Steindruckerei in Gießen.


