wenigstens Hoffnung. Als er schied, drückte sie ihm die Hand leise wieder, und bat ihn, bald wieder zu kommen, welche Bitte er gern erfüllte.
Bald waren die Beiven jetzt im Stillen c i n Herz und eine Seele, Pauline konnte schon längst de» ihr bestimmten Bräutigam nicht leiden. Und jetzt wollte ^ie vollends Niemand, als den Jägersmann.
3.
Noch halte Pauljnens Verlobung mit Bär nicht stattgefunden, aber sic sollte in den nächsten Tagen vor sich gehen. Je näher der entscheidende Moment heranrückte ,desto stiller und 'trübsinniger wurde Pauline. Das Roth entschwand von ihren Wangen, das Feuer ihrer Augen erlosch — sie schien ganz umgewandelt.
„Was hast Du denn nur, Mädchen?" fragte sie ihre Mutter, als sie Paul in en eines Tages mit verweinten Augen antraff „Du bist Deinem Glück« so nah, und weinst? Was soll das bedeuten?"
„Ach liebe Mutter," versetzte Paul i n e, „ich kann nicht länger schweigen; der Gram drückt mir das Herz ab!"
„Der Gram?" fragte die Mutter erstaunt. „Worüber denn?"
„Mögt Ihr mit mir machen, waö Ihr wollt," er- wicderte Pauline, „ich erkläre cS jetzt rund heraus, daß ich den mir bestimmten Bräutigam nun und nim- mermehr heirathen kann!"
„Ei, seht" mir doch !" entgegnete die Mutter Anna, „Du willst den wohlbedachten Plan Deiner Eltern vereiteln? Und warum kannst Du ihn denn nicht hci- rathen?"
„Weil ich ihn nicht liebe!" sagte Pauline.
„Und warum liebst Du ihn denn nicht?" fragte A n 11 a weiter fort.
„Betrachte ihn doch nur einmal!" versetzte Pau- I i n e. „Führt dieser Bär nicht seinen Namen mit der That? Wer könnte diesen rohen, einfälligen, gclr- stolzeu und gefühllosen Menschen mit seinen Glotzaugen und aufgeworfenen Lippen lieben? Und dann sein Betragen! Entweder setzt er sich an die Tafel und pfeift oder trommelt auf dem Tisch, oder wenn er spricht, so schreit er, daß Einem die Ohren weh thun! Auch sucht er ,oft Händel mit anständigen Leuten. Was kann eine Frau von einem solchen Menschen zu erwarten haben?"
„Aber er ist reich!"
„Lieber will ich den Aermsten nehmen, der mir gefällt," sagte Pau l i ne.
„Es ist aber längst unwiderruflich beschlossen: Paul und Pa ul ine müssen ein Paar werden," versetzte die Mutter. „Gesteh' es nur einmal, Du hast Dich gewiß in einen Andern vergafft!"
„Allerdings," versetzte Pauline, „habe ich mir einen Andern auserkoren, von dem mich keine Macht der Erde scheiden soll!"
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„Und wer wäre denn dieser Andere?" fragte Anna.
„Dieser Andere ist der Förstersohn Carl <Keh- bold. Ich heirathe entweder diesen oder Keinen auf der Erde!"
Jetzt gerieth die Mutter,in Feuer.
„Nun, ich muß in der That gestehen," sagte sie, „Du hast vortrefflich Comödie gespielt! Erst stelltest Du Dich, als ob Du gegen Bär gar nichts einzuwendcn hättest; Du sprichst mit ihm freundlich, wenn er in's Haus kommt; Du ziehst ihn allen andern Gästen vor und siehst dem Förstersohn gar nicht an, und dabei hast Du im Stillen Deine Eltern und den Dir bestimmten Bräutigam zum Beßten!"
„O, nicht doch, liebe Mutter," erwiederte Pauline. „Wie könnte ich doch meine guten Eltern zum Beßten haben? Aber wenn Ihr von einem mir bestimmten Bräutigam sprecht, so habe ich denn doch wohl auch ein Wort darein zu reden. Meinem Gefühl nach kann man einem Mädchen gar nicht einen Bräutigam bestimmen , sondern sie muß sich ihn selber wählen. Denn wenn das Her; nicht dabei ist, so gibt es lauter Unglück. Und zwingt Ihr mich mit dem verhaßten Bär zusammen, so werdet Ihr einmal sehen, was Ihr erlebt!"
„Ja, das muß wahr sehn, daß die Kinder den Eltern jetzt über den Kopf wachsen, entgegnete Anna. „Das war zu meiner Zeit ganz anders. Ich wurde nicht erst lange gefragt, wen ich heirathen wollte; ich mußte Deinen Vater nehmen und wurde mit ihm glücklich. Die Liebe findet ffch schon in der Ehe. Und ich sage Dir kurz, Du störriges, ungehorsames Kind, wenn Du nicht willst, so mußt Du!"
Pauline weinte. Der Vater kam dazu. Anna sagte ihm, daß Pauline nichts mehr von Bär wissen wolle, und jetzt brach ein neues Donnerwetter los. Koch, ein harter, geiziger und kurzangebundener Mann erklärte Pantinen, daß er sie aus dem Hause jagen werde, wenn sie gegen die Verheirathung mit V ä r die geringste Einwendung machte. Er drohte ihr sogar mit Schlägen.
Als Pauline sah, daß alle ihre Vorstellungen nichts fruchteten und daß sie nach der Gewohnheit nur auf Geld und gutes Auskommen sehender Eltern völlig wie eine Waarc verhandelt werden sollte, machte sie keine weiteren Einwendungen, sondern versprach sich am nächsten Dienstag mit dem verhaßten Bär zu veiloben.
Als spät Abends auch Sechb old noch erschien, verabredete sie mit ihm für morgen eine Zusammenkunft außerhalb der Stadt am Neckar, ohne ihm für heute von dem mit ihren Eltern gepflogenen Gespräch etwas zu sagen.
4. -
Am Abend des nächsten Tages ging Pauline, unter dem Vorwande, ihre gute Freundin Julie, die


