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«(sobald ging er hin und bewog, als ein wohlhabender Danziger Kaufmann, sofort einen Schiffer dazu, daß er den geängstigten Schupp aufnahm. Er selbst, aber setzte gch mit in das Boot und begleitete seinen Schützling nach detn Schiffe. Als sie nun hinüber fuhren erzählte der Danziger dem Hessen, wie er vor vierzehn Jahren unweit Gießen rein ausgeplündert worden-, wie er hungrig und durstig., todtrnüde und bekümmert zum Thor hinein gegangen und bis auf den Markt gekommen seh, wie ihn der dicke Mann tut rothen Hause erquickt und beschenkt und ihm ein- und ein andermal von dem rothen Wein zu trinken gegeben habe. Er wisse es noch wie heute und er werde es sein Lebetag nicht vergessen: es sep eben im heißesten Sommer zwischen zwei und drei Uhr Nachmittags gewesen und' er habe den ganzen Tag nichts zu essen gehabt. Allein der Durst habe ihn noch mehr gequält, als der Hunger und es dünke ihm, es habe ihm in seinem ganzen Leben kein Trunk besser geschmeckt, als der im rothen Eckhaus am Marktplatz zu Gießen. Da sie an das Schiff kamen, wollte Schnpp den Eigenthümer des Boots bezahlen, allein der Danziger gab es durchaus nicht zu, schlug auch die Bitte Schupp's, einen Trunk spanischen Weins, mit dem sich dieser auf der Reise versehen halte, von ihm anzuuehmen, ab. „Ihr werdet," sprach er, „bis in den Sund Euren Wein wohl selbst brauchen. Wenn ich wieder nach Danzig komme, will ich Eure und Eures BaterS Gesundheit trinken. Gott geleite Euch, daß Ihr zu ihm glücklich wieder in die Heimath nach Gießen kommt." Damit hieß der Danziger seinen Bootsmann eiligst zurückrudern und winkte noch einmal aus der Ferne nach dem Schiffe zurück. Da erst fiel es Schuppen ein, daß der Danziger zwar seinen Namen, er aber nicht des Danzigers Namen erfahren habe, und es reuete ihn sehr, daß er nicht gefragt hatte; auf dem Schiffe kannte ihn Niemand oder hatte wenigstens Niemand auf ihn gemerkt. Auch hat Schupp den Namen, ungeachtet späterer mehrfacher Erkundigung, niemals erfahren; aber noch mehr als dreißig Jahre später erzählte er dankbar und gerührt seinen Kindern diese Geschichte von dem wackern Danziger und dem Freunde in der Noth.
Schupp betrat eine glänzende Laufbahn. Er lvurde zum Professor der Geschichte und Beredsamkeit an der damals Hessen Darmstädtischen Universität Marburg bestellt, darauf wurde er Dort, der Theologie und Prediger an der Elisabethenkirche. Landgraf Johann berief ihn 1646 als Hofprediger und Jnspeetor der Kirchen und Schulen nach Braubach, und sendete ihn -als Abgeordneten zu den Westphälischen Friedensver- handluugen nach Osnabrück. Hier und in Münster hielt er, auf Anordnung des ersten Schwedischen Botschafters Grafen Johann Orenstierna, die feierliche Friedenspredigt, Bald darauf folgte er dem Rufe als
Hauptpastor an der Jakobskirche nach Hamburg. Er fand hier so großen Beifall, daß man die Kirche erweitern mußte, damit sie mehr Zuhörer fassen konnte. Einst bemerkte ein reicher Hamburger, nachdem er ihn auf der Straße ehrerbietig begrüßt hatte: da gehet ein Mann, -der ist so viele Rosenobel werth, als er Haare auf seinem Kopfe hat. Ein anderer äußerte, das ist ein Mmin, der -einem die Thränen aus den Augen predigen kann.
S ch u p p' s Werke, unter dem Titel „Lehrreiche Schriften" mehrmals gedruckt, behaupten in der Geschichte der deutschen Literatur eine ehrenvolle Stelle.
Das röche Eckhaus am Markt, in welchem Schupp geboren wurde, steht nicht mehr. An dessen Stelle lies Lirentiat Schukius, wtlcher sich in Holland ein beträchtliches Vermögen erworben hatte, 1701 ein großartiges Haus im alterthümlichen Geschmack ausführen und, zum Andenken an Holland, auf der" Firste, unter dem Erkerdach einen großen holländischen Käse, aus Holz geformt, einsetzen. Es ist die nachherige Scipiv'sche, gegenwärtig Witte'sche Apotheke.
Die Rose von Eßlingen.
(Fortsetzung.)
Auch der bereits erwähnte Sohn, des reichen Son- nenwirthS B ä r aus Stuttgart fand sich häufig ein. Unser Jägersmann hatte ihnen gegenüber gerade nicht das leichteste Spiel. Denn Paul — so hieß „der Sohn der Sonne," war eigentlich schon seit Jahren von den beiderseitigen Eltern nn ,t>ie „R ose v o u E ß l i n g e n" verakkordirt, und der „fahrende Schüler" der auch in der Sonne in Stuttgart eine Zeitlang gewohnt, sekuudirte dem in Liebesbewerbungen ziemlich ungeschickten Paul bei fehlen Bemühungen um die schöne Pauline.
Trotzdem verlor unser junger Jägersmann den Muth nicht. Er dachte bei sich selbst: „Beharrung führt zum Ziel!"
DaS Haus war zwar immer sehr besucht, aber doch kamen bei der häufigen Einkehr deS Jägersmannes auch Stunden, wo er sich mit P auli n e n allein befand.
ES war eineS Nachmittags, wo gerade der einzige anwesende Gast gegangen war, als ihn Pauline zum erstenmal wieder anredete und eine gleichgültige Frage an ihn richtete. Da er sehr freundlich antwortete, spann sich das Gespräch weiter fort. Als er noch etwas Wein getrunken hatte, ging ihm das Herz über. Er sprach ihr heute AlleS aus, was er so lange still in sich verdrückt hatte, und erklärte Pauline n seine feurige Liebe.
Mit Entzücken bemerkte er,, ivic sich auch Pauline gegen ihn nicht so gleichgültig benahm, als sie sich bisher -den Anschein gegeben halte. Sie ließ ihm


