333
Hiesiges.
Ein erprobtes Mittel die Raupen auf leichte Weise zu vertilgen.
(Eingesendet.) Bezugnehmend aus den Artikel in ^V6 45 des Anzeigeblattö „die Raupenver- tilgung betreffend," und zugleich ebenfalls dringend anempfehlend, diesen Gegenstand ja so schnell als möglich zu betreiben, erlaube ich mir ein sehr leichtes Mittel anzugcben, um zum Zweck zu gelangen.
Man lege wollene Tuchlappen des Abends auf die Bäume in die Gabeläste, auf diesen versammeln sich die Raupen nach Sonnenuntergang und besonders in kühlen Nächten sehr gerne. Des Morgens bei Sonnenaufgang findet man die Lappen mit Raupen bedeckt und man kann dadurch viele derselben mit leichter Mühe tödtcn.
Ein Gartenbesitzer.
Unterhaltendes.
Der Freund in der Noth.
Erzählung.
Es war an einem heißen Sommertag des Jahres 1617, als in Gießen in dem rothen Eckhanse am Markt, welches dem Krämer und Rathschöffen Johann Eberhard Schupp gehörte, gegen Abend vier Freunde in dem Hausern beisammen saßen, um sich durch einen Krug rothen Landweins zu erfrischen. Der silberne Becher, ein Kleinod des Hauses, kreiste mehrmals herum und man besprach die Neuigkeiten des Tages. ES war eine bewegte Zeit: Kaiser Matthias hatte den Spaniern ein Hülfsheer gegen die Niederländer zugeschickt, die Völker lagen zwei Tage im Buscckerthal still und begingen grobe Räubereien und Gewaltthätigkeiten, so daß ein engerer Landtagsausschuß nach Gießen zusammen berufen werden mußte, um die Schäden auszumitteln und zu vergüten. Hierzu kamen die bedenklichen Rüstungen der Böhmen gegen die Religionsbedrückungen des Römischen Königs Ferdinand II. In dem Hause erschien ein Reisender, welcher von einer Streisparthie ausgeplündert worden war und seineNoth klagte. Schupp erkannte, daß der Fremde kein gewöhnlicher Bettler war, er sprach ihm freundlich zu, reichte dem zum Tode Ermüdeten etliche Becher des rothen Weines unt> veranlaßte, daß jeder der vier Anwesenden ihm ein halbes Kopfstück als Beisteuer verehrte.
Zwölf Jahre nachher unternahm Schuppes Sohn, Johann Balthasar, Studiosus der Philosophie und Theologie, seine gelehrte Wanderschaft. Er besuchte die vorzüglichsten Städte und Universitäten und durchwanderte Sachsen, Brandenburg, Pommern, Preußen, Liefland, Polen und Lithauen. Von Danzig begab er sich zu Schiff nach Kopenhagen und Svroe, von
da nach Holland. Er legte dritthalbhundert Meilen zu Fuß zurück und war bei den Kriegen Gustav Adolphs in Pommern und Mecklenburg, veranlaßt, sich in einen Soldatenrock zu hüllen, um gegen die Plünderung der Croaten geschützt zu seyn. Von Rostock reiste er über die Hansestädte in seine Vaterstadt zurück. Eine weitere Wanderung durch Frankreich und Italien gestattete sein Vater nicht.
Bei der Abreise Schupp'S von Danzig befand sich das nach Kopenhagen abgehende Schiff segelfertig in der Danziger Münde, der junge Reisende hatte sich bei dem Abschiednehmen von etlichen Königsberger Freunden, welche ihm bis Danzig das Geleit gegeben hatten, verspätet, und als er in die Danziger Münde kam, lag das Schiff schon eine Meile von der Münde, zwar vor Anker, aber jeden Augenblick im Begriffe abzusegeln. Da war nun guter Rath theuer: daS Gepäck des jungen unvorsichtigen Reisenden war schon auf dem Schiffe, ja er hatte dem Schiffer die Ueberfahrt zum Voraus bezahlen niüffcn: das Geld war gewiß, das Gepäck wahrscheinlich verloren, und bis wieder eine Gelegenheit nach Kopenhagen ging, hätte er Wochen, ja Monate lang warten müssen, denn zu jenen Zeiten gingen noch nicht die Woche mehrmals Dampfschiffe hin und wieder über die Ostsee. Voller Angst lief der junge Mann am Ufer hin und her und suchte nach einem Boote, welches ihn noch zu rechter Zeit nach dem Schiffe hinüber bringen sollte. Aber die Angst wurde noch größer, als er Niemanden fand, der ihn überfahren konnte und wollte, denn die Boote, welche da lagen, waren eben im Begriff, wieder nach Danzig zurückzukehren, um dort Güter zu lade». Schupp bat, flehte, bot Geld, soviel er bieten konnte; aber es half nichts, Niemand wollte ihn überfahren. Als er eben in der höchsten Noth war, kam ein wohlgekleideter Mann daher, sah unser» Schupp an und sagte: „Herr ich höre an eurer Sprache, daß Ihr ein Hochdeutscher sepd: aus was für einer Stadt scpd Ihr?" Schupp, der den Kopf voll sorglicher ängstigender Gedanken hatte, bezeigte keine Lust, auf neugierige unnütze Fragen zu antworten, die ihm wie eitel Hohn vorkanien; er antwortete deshalb kurz angebunden: „mein Herr, es gilt gleichviel, es ist Euch wenig damit gedient, daß Ihr wisset, wo ich herkomme. Aber mir wäre damit gedient, wenn Ihr mir sagen wolltet, wie ich in das Schiff dort hinkommen soll." Der Frager entgegnete: „verzeihet meiner Neugier, ich habe Jemanden gehört, der eben eine solche Art zu reden hatte, wie Ihr. Sagt mir doch, was seyd Ihr für ein Landsmann?" Da sagte ihm Schupp, er sey aus der Stadt Gießen im Hessenland gebürtig. Und der Andere fragte weiter: „kennt Ihr wohl den dicken Mann, der daselbst wohnt in dem rothen Eckhaus auf dem Markt?" „Den kenne ich wohl," antwortete Schupp, „das ist mein Vater." „Nun wohlan," sprach der Danziger, „so will ich Euch selbst auf das Schiff bringen." Und


