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beschloß in seinen alten Tagen, gegen seinen Lehnsherrn, den König von Frankreich, zu ziehen und Ludwig schürte das glimmende Feuer, daß es zu Hellem Braud aufloderte. Bei allen politischen Stürmen aber vergaß er die schöne Jeanette in der Straße du tour doch nicht. Das Mädchen hing mit unendlicher Liebe an dem unschönen Prinzen, es sah in ihm sein Ideals Schwärmerisch wie cs war, ließ es sich durch die glatten Worte des Dauphin beihören und bald hatte es ihm in seiner Unschuld Alles geopfert, was das lie-^ bende Weib dem bittenden Manne nur gewähren konnte. Ludwig war von finsterem Ernst ergriffen, als ihm das Mädchen schüchtern und verschämt gestand, sie ahne die' Folgen ihres Umgangs. Eine unerklärliche innere Angst ergriff ihn, die Bilder einer hassenswerthen Vergangenheit traten vor seine Seele. Er fragte seine Sterne und- ein böser Zufall ließ es geschehen, daß ihm diese symbolisch andeuteten: Gleiches erzeuge Gleiches, Rache um Rache und Blut um Älut. Wie er dem Vater gethan, würde ihm dereinst der Sohn thun — und wenn jenes Kind, welches das Mädchen seiner verbotenen Liebe noch unter dem Herzen trug, ei» Knabe wäre! ? Alle bleichen Schrecken des Gewissens faßten ihn, der Schlaf floh seine Augen, und wenn sich einmal Ruhe ans den ermatteten Körper herabgescnkt' hatte, dann umgaukelken ihn böse Träume, seine Phantasie malte ihm blutige Bilder und entsetzt sprang er vom Lager auf, das grasse Gespenst des Wahnglaubens von sich abwehrend.
(Fortsetzung folgt.) -
Hans und Michels Ansichten über . Amerika.
Ein 2/ i a l o g von Theodo r Drobisch.
Michel. Das Sprichwort sagt aber: „Bleib int Lande und nähre Dich redlich."
Hanns. Redensarten! Es bleibt dabei, ich wandere aus. Es geht nach Amerika und kein Mensch soll mich halten, denn Amerika ist das gelobte Land.
Michel. Wie so?
HannS. Erstens gibt's keine Steuern und Abgaben. Ein Chausscchaus ist dorr eine Rarität, die man für Geld sehen läßt.
Michel. Was Du nicht sagst. Wie steht's denn aber mit der Wintersaat?
Hanns. Wintersaat? In Amerika gibt es gar keinen Winter. Nichts wie Sommer und des Jahres dreimal Ernte.
M i ch e I. Dreimal?
Hann s. Ja! Feldarbeit ist gar nicht nothig. Alles kommt von selbst aus der Erde heraus.
L Michel. Gibt's denn in Amcika Wein?
Hann s. Und "w as für Sorten. Rothen, weißen, violetten und Beeren, so groß wie die Hosenknöpfe. Ich sage Dir, dort wächst der Elfer wild.
Michel. Aber Eins fehlt gewiß; ich glaube, in Amerika gibts keinen Jahrmarkt.
Hanns. Ist gar nicht nöthig! Wenn Deiner Marthe ihr Geburtstage ist und Du willst ihr ein Present, machen, so gehst Du heraus in Deine Diamantgrube und bröckelst Dir so ein Paar nach Gefallen los. . ,
M.i ch e l. Wie steht's denn aber mit Kattun und Leinewaud?
H a n n s. Spottbillig! Da brauchst Du gar nicht ' in den Laden zu gehen, denn die Baumwollcnstauden wachsen Dir zum Zaune herein.
Michel. Wunderdinge hör' ich von Dir. Aber Michel in Amerika soll die Sonne stark auf den Pelz brennen und Du weißt, ich stehe nicht gern vor'm Backofen.
Hanns. Backofen? Du Schaafkopf! in Amerika stehen die Brodbäume da, wie hier bei uns die Pappeln auf der Chaussee/ Da darfst Du nur schütteln und die Vicrgroschcnbrode purzeln herunter wie die Maikäfer. ,
Akiche l. Sapperment, Hanns! Du machst mir Lust nach Amerika. Aber ich denke immer: es ist nicht alles Gold, was glänzt.
Hanns. Gold? Was verstehst Du von den Metallen. In Amerika ist selbst das Eisen von Gold,
Michel. Nun meiner Sir! das Amerika muß doch ein gesegnetes Ländchen sevn. In welchen Preisen stehn denn die Fleischwaaren?
Hanns. Ein Fleischer? der würde dort schlechte Geschäfte machen. Hast Du Appetit zu Geflügel, so nimmst Du Deine Flinte, gehst vor die Thüre, und — Puff! liegt ein Goldfasan oder ein Paradiesvogel unten.
Michel. Sapperment! wie wollte ich da hinrennen und den Fasan beim Schwänze nehmen.
Hanns. Du selbst? Pfui schäme Dich! das müssen dort Deine Sclaven thun?
Michel. Sclaven mit schwarzen Gesichtern?
Han n s. Versteht sich; wir rühren keinen Finger. Solche kaust man dort spottbillig; für fünf bis sechs Thaler kriegst Du ein paar ganz ramassirte Kerle. Im Rummel bekommst Du sie noch billiger.
Bkichel. Wenn aber die Sclaven nicht arbeiten wollen, wenn sic mir die Zähne weisen?
Hanno. Das wollen wir ihnen schon austreiben. Jeder Pflanzer hat dort eine Peitsche und die Schwarzen kriegen Wichse nach Noten.
Michel. Wenn aber so ein gewichster Schwarzer auf die Gerichisstube geht und mich verklagt, wie denn da?
Hanns. In Amerika einen Gerichtsdirector? Ne,


