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Michel, die Art gedeiht in Amerika nicht. Da ist Freiheit und Gleichheit! Alles einig, darum heißt cs auch: die vereinigten Staaten.
Michel. Nur e i n Bedenken hab' ich: die Sprache; Wir können ja nicht Amerikanisch?
Hanns. Wir nehmen zu Sclaven ein paar deutsche Wilde. '
Michel. Richtig! daran hab' ich nicht gedacht. Aber noch Eins: wie steht's mit der Viehzucht?
Hanns. Ganz stattlich! denn seit so viele Deutsche ansgewandert, soll's in Amerika eine Menge Rindvieh geben. Besonders Ochsen, und wie mir einmal unsers Pastors Sohn sagte, der immer über den Büchern lag, vorzüglich Büffelochsen.
Michel. Element! da muß guter Dünger zu finden seyn.
Hanns. Dünger? der wird dort gar nicht benutzt , das übernimmt die liebe Sonne.
Michel. Wirklich? Ewig Schade, wenn wir den hier Hütten.
Hanns. I, Deutschland hat genug Mist. — Dann guter Michel erst die Pferde. Lauter Stutzschwänze von achter arabischer Ra^e, die in der Wild- niß herumlaufen.
Michel. Die Pferde kriegt mgn auch umsonst?
Hanns. Versteht sich. Wenn Dir so ein Rappe oder so eine Schäcke gefällt, so sprichst Du zu einem von Deinen Sclaven: höre du, Mufti! fang' mir einmal dort den Gaul! so nimmt der Kerl eine Schlinge und eine Stunde darauf steht er im Stalle.
Michel. Hanns! ich gehe mit-nach Amerika.
Hanns. Wirklich? Das ist schön von Dir.
Michel. Aber noch' Eins, Du weißt, wir sind doch nicht so wie die Heiden aufgewachsen und ich gehe alle 8 Wochen zu Gottes Tische, gibt's denn in Amerika auch einen Pastor?
Hanns. Natürlich, und ganz andere wie hier, nobel durch und durch; Da brauchst Du keinen Beichtgroschen zu zahlen, da gibt's Missionäre, die sich ein Vergnügen daraus machen.
Michel. Kein Psarrlehen, keinen Zehnten und keinen B ei cht grosch en? Hanns! ich gehe mit nach Amerika! Die Scheune wird zugeschlvssen, Hof und Feld verkauft, denn — kannst mir's glauben — hier hab ich's dicke.
Hanns. Ich auch! Freiheit und Gleichheit!
Michel Ich gehe mit! Hand darauf!
Beide. Hurrah! nach Amerika.
Michel. Aber ich muß einen Paß haben.
Hanns. Was? einen Reisepaß?
Michel Natürlich! wenn uns der Gensdarme in Amerika erwischt, da werden wir ja ausgewiesen?
Hanns. Schaafkopf! Denkst Du deun, eS ist wie in Deutschland, wo sie sogar mit Pässen ausgewiesen werden? Nein, Freiheit und Gleichheit!
Michel. Wo lassen wir uns denn nieder?
Hanns. In Brasilien.
Michel. Das ist wohl aber weit?
Hanns. Wenn wir nur erst in Neu-Uork sind, das Stückchen latschen wir schon noch hin.
Ueb' immer Treu' und Redlichkeit —
Es will die Welt betrpgen sepn Ein altes Sprichwort ist, Zu aller Zeit hat sich'S bewährt Und auch zu dieser Frist.
Ein Achtel kneipt der Krämer oft
Von jeder Elle ab;
Ueb' immer Treu' und Redlichkeit Bis an Dein kühles Grab.
Zm Wein, worin doch Wahrheit liegt, Mischt man oft Wasser d'rein;
Die Semmeln, so der Bäcker wiegt, Sind oft entsetzlich klein.
Statt Moccakaffee speist man uns
Mit Möhrentunke ab;
Ueb' immer Treu' und Redlichkeit Bis an Dein kühles Grab.
Auf dem Comödienzettel steht: Das Ende ist um Zehn;
Indessen Alle nm halb Neun Schon aus dem Schauspiel gehn;
Beim Schneider fällt von jedem Rock
Ein kleines Westchen ab:
Ueb' immer Treu und Redlichkeit' Bis an Dein kühles Grab.
Dreisilbige Charade.
Die erste Silbe. Meine erste Silbe wird erzeuget Aus manchem Stoff in der Natur, Sie schwingt sich aufwärts hin, und fchweiget Und niemals sichst Du ihre Spur.
Die beiden letzten Silben. Sobald des Frühlings Sonn' sich zeiget, Zeigt sie in unferm Lande sich. Der Landmann sieht auf sie und freuet, Sich ihrer Ankunft königlich.
Das Ganze.
Ein Thierchen ist's, das Nutzen zeiget Für manch' Geschöpf in der Natur, Sobald des Herbstes Nebel steiget, Sv zieht es weg van unsrer Flur,
Auflösung der dreisilbigen Charade in »AS 53. Buchstabe.
Auflösung des Quadrat-Räthsels in »AS 53.
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Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei in Gießen.


