Pflegen und so wie der Sultan in Constantinopel vom Divan aus regieren.
Als der Wagen sich an dem Bäckerhause befand, donnerte der Fürst dem Kutscher ein Mark und Bein erschütterndes „Halt!" zu.
Der Wagen hielt, und mit den Worten: „Komm Er ein wenig zu mir bereiii!" redete der alte Leopold den verblüfften Bäcker an, der bei dem Anblick des Martialischen fast zusammenhauchte und vom Scheitel bis zur Sohle sich in ein stereotypes Kompliment verwandelte. Er faßte sich jedoch ein Herz und rief: Durchlaucht! barfuß und in Hemdsärmeln, ich will erst meinen Rock . . ."
Nichts da! herein in den Karren und keine Fisse- matenie gemacht." — Damit schwang er seinen Stock und der Bäckermeister kroch zum Entsetzen all der Umstehenden in den fürstlichen Wagen.
Jetzt ging es fort in Galopp. Bäckers Gesicht war blaß wie Mittelmehl, seine Beine hatte er heraufgezogen wie ein Laubfrosch, damit der Stachel des großen Stockes sie nicht berühre, den der Alte hin und her stampfte.
Als sie die Stadt Hinterm Rücken hatten, lenkte der Fürst das Gespräch auf die Bittschrift und erklärte dem Barfüßler, daß er diesen Antrag rundweg abschlagen müsse, zumal er ungnädig vermerkte, wie die Bäcker in letzterer Zeit gar so kleines Brod gebacken und so Mancher sich ein Vermögen zusammengescharrt, während andere Handwerker zu schwimmen und zu waden hätten, um sich ehrlich durchzuschlagen.
Der Bäcker wollte den Durchlauchtigsten mit philosophischen Gründen schlagen, aber da kam er schön an.
„Hand vor's Maul!" rief er ihm schon nach den ersten Worten zu. — „Mir soll Er keine Kinkerlitzchen vormachen. Wie ich gehört, ist Er gerade der Rechte. Will sein Haus noch um ein paar Stockwerke erhöhen und dem Nachbar die Aussicht versperren, daraus wird Nichts, so wahr ich Leopold heiße. Hübsch in den Schranken geblieben und nicht gleich zur Feueresse hinausgefahren, wenn ein paar harte Thaler im Sacke klimpern. Hochmuth kommt vor'm Fall und Wohlschmecken macht Bettelsäcke. Sage er dieß auch den Bäckerweibchen, die sich brüsten wie ein Pfau und einhergehcn wie die Hofdamen. Diable m’einporte! sie brauchen keine Edelsteine in’8 Ohrläppchen zu bammeln und in Reifröcken einherzugehen. Immer hübsch bedacht wo man hcrstammt, rückwärts und nicht vorwärts gesehen, damit der Hvchmuthstcufel nicht so sehr in die Wirthschaft guckt und am Ende noch den Küchenmeister Schmalhans ins Haus führt."
Eine solche Lection hatte sich der Bäcker nicht träumen lassen. Er, der sonst Hochmüthige mußte still sitzen und durfte bei all den bitteren Pillen nicht mucksen. Er wünschte sich tausend Meilen weit hinweg, denn der alte Dessauer hatte ihm in seinem
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Innern eingeheizt, als wenn er ganze Kiepen voll Hollundersaft ausgelöffelt hätte.
„Dann habe ich noch mit den Müllern ein Ei zu schälen," begann der Fürst. Da ich weiß, daß Ihr manchmal mit diesen unter einer Decke steckt, so könnt Jhr's ihnen bei nächster Gelegenheit mit beibringen Sagt diesen Wasserpvlaken, sie sollen sich nicht wieder unterstehen und mir den Kopf warm machen mit Prozessen und andern verdammten Streitigkeiten, bei denen weiter Niemand fett wird als die Advokaten. Sie denken, es kommt Jeder so gut weg, wie die in Jeßnitz und Ragune, aber da backen sie Schliff. Sie denken: Gelv regiert die Welt! Prost Mahlzeit, da sind wir auch noch da und hier der Backel, wenn sie die Schnautzen nicht halten können. Jetzt also wißt Ihr, wie ich's halte. Wo nach zu achten. Wenn ich auch manchmal mit einem Juden oder einem Bauer eine Raupe mache, mit Euch spasse ich nicht und wenn's einmal losbricht, so kommts hahnebiegen. Steigt aus und merkt Euch das!"
Der Bäcker rückwärt'ste zum Wagen hinaus und der Fürst fuhr in Galopp davon. Da stand denn der Schmeerbauch auf der Haide, zwei Stunden von Dessau entfernt. Der Wind blies in seine Hemdsärmel und der Regen fiel herab. Er stand da, wie Peter in der Fremde, als der Kreuzweg kommt, hatte nicht einmal Geld bei sich, um im nächsten Wirthshause einzukehren. Es half Nichts, er mußte in einen säuern Apfel beißen, und erst spät, in tiefster Dunkelheit, langte er in Dessau an.
Di- Geschichte ging von Mund zu Mund. Das hochfahrende Wesen des Bäckers und Collegen war trefflich curirt, nur Etwas wurde größer und vollwichtiger — das Brod und die Semmeln.
„ Die schöne Philippine Welser. Romantisch Historische Erzählung aus der Mitte des löten Jahrhunderts von F. Bernhardt.
(Fortsetzung )
S-e ging mit sich zu Rathe, wie sie sich gegen den jungen Fürsten benehmen sollte und eine innere Stimme sagte ihr, es sey am besten, ihn zu meiden um nicht einer Leidenschaft Nahrung zu geben, die bei dem hohen Range desselben zu keiner Verbindung führen könnte. In diesem Vorsatze verließ sie, ein Unwohl,eyn vorschützend, den Ball, und die alte Gertrude, Philippinens frühere Wartfrau und jetzige mit großen Vorrecht, n versehene Dienerin, war nicht wenig erstaunt, i)ie|e nach Hause kommen zu sehen. Philippine war zu sehr gewöhnt, ihr Herz gegen die alte Gertrude auszuschütten, als daß sie dieses Mal hätte zurückhaltend seyn können. Gertrude, welche Phi- lippinens Dienerin, Freundin, Vertraute unw Hof- meisterin zugleich war, wollte sich erlauben, nähere Betrachtungen über des Prinzen Liebe anzustellen und


