Ausgabe 
6.10.1847
 
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fand es nicht so ungereimt, daß ein junger Mann fürstlichen Geblütes dem schönsten Mädchen von Augs­burg seine Hulrigung darbringe, und sie, wie ja schon so Viele thatcn, in allen rechtlichen Formen ehelichte. Ja, wir müssen es nur gestehen, die Liebe und Ver­ehrung des Prinzen schmeichelte der Alten selbst, da ste den bescheidenen Glauben hatte, durch ihre sorg­same Pflege das Meiste für des Mädchens so voll­kommene Ausbildung gethan zu haben.

Ah was," sprach Frau Gertrude, wie sie.sich gerne von der übrigen Dienerschaft des Hauses nennen hörte,ah was, liebes Kind, wenn uns ein Mann in Ehren liebt, so darf er auch ein Prinz seyn."

j,Spreche mir nicht mehr vom Prinzen," gab eben Philippine zurück, während sie sich zu Bette legte; denn ich muß jeden Gedanken an ihn aus meinem Herzen verbannen."

III.

Am zweiten Morgen nach dieser Nacht, als die ehrsame Gertrude in die Frühmesse ging, wurde sie von einem jungen Männe angesprochen, welchen sic, ob er gleich ganz schlickt gekleidet war, dennoch schnell für Prinz Ferdinand erkannte. Angeblich sich nach der Wohnung eines Goldschmieds erkundigend, fing er ein Gespräch mit der geschwätzigen Alten an und ehe sie an die Kirche kam, hatte er sie inständig gebeten, an Philippine ein Briefchen zu bestellen.

Sie machte große Schwierigkeiten unv erklärte ge­rade, sie dürfe nicht einmal seinen Namen nennen, geschweige denn einen Brief übergeben. Deut Prinzen gelang es aber, indem er der Alten Eitelkeit wegen ihres Einflusses schmeichelte, diese für seinen Plan geneigt zu machen, und als er ihr vollends gar eine Börse aufdrang, um sich ein neues Sonntagskleid kaufen zu können, da war an keinen Widerstand mehr zu denken.

Erst gegen Abend konnte es Frau Gertrude gelin­gen, mit ihrem Auftrage herauszurücken. Sie holte weit aus, indem ste erzählte, bestimmt zu wissen, daß der Prinz trotz der schnöden Behandlung nicht auf- gchört habe, ste anzubeten. Als sich Philippine un­gläubig stellte, zog ste den fraglicken Brief aus der Tasche, erzählte ihr Abenteuer vom Morgen und sagte :

Hier nehmet, er kommt von dem schönsten jungen Manne, den ich je sah."

Bei diesen Worten veränderte Philippine die Farbe und sprach :..

Wollt ihr mich zu Grunde richten, Gertrude? Soll ich vergessen, was ich meinem Vater schuldig bin? Bedenket nur, welchen Unannehmlichkeiten ich mich aussetzen würde, wenn ich auf das einginge, ivaS Ihr mir vorschlaget. Nein! ich will mir selbst nichts vor- zuwcrfen haben. Sprecht mir nie mehr vom Prinzen" und jetzt rollten Thräneu über ihre Wangendenn mein Herz spricht nur zu laut. . ."

Wie!" rief die Alte ausIhr weiset den Brief zurück ?..."

Ja, ich weise ihn zurück. Gebt ihn dem, von welchem Ihr ihn erhieltet, mit dem Anfügen zurück, er Möge mich nie mit solchen Zumuthungen mehr be­helligen."

Die alte Gertrude war sehr erstaunt über die Festig­keit ihres vermeintlichen Kindes und sprach:

Ihr werdet die Ursache an dem Tode des Prinzen seyn, oder ihn sonst zu einem Schritte bewegen, was Euch später gereuen könnte."

Lasse mich, Gertrude," antwortete Philippine. Glaube mir und ich thue mir selbst eine Gewalt an, die mich fast zu Boden drückt. Aber ich kenne meine Pflicht und ich will sie erfüllen."

Bei diesen Worten senkten sich ihre Augen nieder und sie füllten sich mit Thräneu. Gertrude glaubte, daß es ein günstiger Moment seh, den Brief zu öffne» und sprach:

Philippiuchen, verweigert es nicht, diesen Brief, zu lesen. Der Prinz muß ja glauben, daß Ihr ihn hasset und verachtet, und so weil muß man doch die Sache nicht treiben."

Lasse mich!" rief das Mädchen scheinbar erzürnt; ick mag nichts mehr davon hören."

Mit diesen Worten verließ sie das Gemach und ging in ihr Arbeitszimmer. Gertrude aber,' welche sich nun einmal Von dem Gedanken nicht trennen konnte, daß ihre Philippine, wie sie diese nannte, zu einer Prinzessin geboren sch, öffnete den Brief uud legte ihn zwischen Zeichnungen, welche jene zu einer Stickerei gebrauchte. Als Philippine bald darauf ihre Arbeit fvrtsetzen wollte, fand sie den Brief und sey cs aus Ncugierde oder aus irgend einem andern Grunde las denselben. Zu einer Beantwortung verstand sie stch jedoch nicht; ja ste drohte, dem Vater (die Mutter lebte nicht mehr) Alles zu entdecken, wenn man ihr noch fernere Zumuthungen machen würde.

(Fortsetzung folgt.)

Feuilleton.

Die Schatteurisse haben den Namen Silhouet- t e n einem Generalkontroleur mit Namen Silhouette in Paris zu danken.

Dieser Mann traf am Ende seiner Administration sehr kärgliche nnV oft ins Kleinliche gehende Finanz­operationen; daher nannte inan alles in Paris, was armselig und unvollständig wär, nach seinem Namen.

Die äußern Umriffe der Gesichter nach dem Schat­ten wurden deshalb Portraits a la Silhouette genannt und enge Beinkleider ohne Taschen hießen Culottes a la Silhouette.

Auflösung dos Räthsels in ^45 79: Hebe l.

Druck und Verlag der G. D. Brühl' scheu Buch- und Steindruckerei.