Ausgabe 
2.10.1847
 
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Nante. Liebe haben die Dissidenten alleene genug. Rouge liebt, Rupp liefet, Uhlig liefet. Sie lieben ihre Gegner, ihre Gegner lieben se wieder. Sie möchten sich uffressen vor lauter Liebe.

Brennecke. Da möchten se sich doch den Magen verderben.

Nante. I nee, et is lauter leichte Speise. - Lange mir mal de Pulle.

Brenn ecke. (Zeigt ihm die leere Flasche.) Die Geduld is alle geworren, un Vie Schonung wird von de Kühe weggefressen. Et is Zeit, det wir gehen. Den Hirten iss et schon lange nich recht, des wir hier in die Schonung Sitzung halten, un det Amuelsche Geläute von de Kühe verstimmen.

Nante. Na, denn wollen wir gehen: Herrjehs, da kommen ooch schon de Esel rangeloofen; am Ende haben die noch wat gehört: wat die wohl den­ken mögen!

Unb. zieht der Herbst auch in die stillen Auen Mit seinem ernsten, büst'ren Walten ein, Läßt er den Reiz der Fluren und nicht schauen. Die Krone dock muß ich ihm freudig weih'n! Er giebt und reichen, ungemefs'nen Segen Nach langem Leiden und nach langer Noth; Wem sollt' ed mächtig nicht das Herz bewegen? Er giebt und. Früchte, giebt und reichlich Brod.

Aus unsrem Busen zieht das bange Klagen, Und jubelnd naht der fruchtgefnllte Wagen!

Froh hört man in des Tempels heil'gen Hallen, Froh höret man in jeder Hütte klein, Den Dank empor zum lieben Vater schallen, Den Dank dem Geber alles Guten weih'n. O eile, Mensch! o eil' hinaus in'd Freie, Der Tempel der Natur sep dein Altar, Bring' deine Opfer, rein wie Himmelsbläue, Der Baterliebe über Sternen dar!

Das Kind schon will den lieben Geber preise», Es fingt den Dank in kindlich frommen Weisen.

D'rum sep willkommen, Herbst! mit deiner Gabe, Theil' Jedem deine reichen Fruchte ans;

Des Lenzes Kinder schlummern all' im Grabe, ifl Um wieder frisch zu blüh'n zum bunten Strauß. Und kehrt der Frühling zu den Fluren wieder, Schmückt er das Thal mit seinen Blüthen viel: Dir schallen fort, o Herbst! die Lobeslieder, Dir bleibt des Herzens warmes Dankgefühl. ,

Mög' unsrer Tage Herbst uns so begrüßen, An Segen reich einst unser Leben schließen.

Theodor Loos.

Was ist die Liebe?

Liebe ist die höchste Gottheit Liebe ist die höchste Religion Ihr erbaute einen Tempel Einst schon König Salomon.

Und der Himmel ist die Kuppel Hoch das blaue Firmament Und die Sonne ist die Ampel Die im Heiligthume brennt.

Und das Küssen ist die Beichte Wo sich Seel' in Seel' ergießt Wo der Liebe süß Vergehe» Schweigsam von de» Lippen fließt.

Und die Vögel sind Leviten Die im fromme» Sängerchor Lobeslieder Liebeslieder Singe» zu dem Gott empor.

Und die Frauen find die Priester Und die Eh' ist der Altar Und die Männer find die Ochsen Die man bringt zum Opfer dar.

Feuilleton.

Ein Blicker meister, Joseph Bernhard, in Karls­bad erfreut sich einer Nachkommenschaft, die ihres Gleichen suchen durfte. Der gute Mann zählt zwölf lebendige Kinder, 69 Enkel und 34 Urenkel.

R ä t h s e l.

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Doch mach ich auch Charaden.

Am Herbst.

Der Herbst zieht ein! Im großen Schöpfungsraume Senkt die Natur in Trauer still das Haupt, Das falbe Laub am fruchtgeschwellten Baume Sinkt reizlos hin, des frischen Grüns beraubt. Das Thal erglänzt nicht mehr im Blüthmkranze, Aus seinem Schooße all' die Freuden zieh'»;

Der Sturm erbraust im flücht'gen Wellentanze , Treibt er die Blümchen, die verblichnen, hin.

Im Haine tönen keine ftohen Lieder, Und in die Ferne zieht die Schwalbe wieder!

Kein lieblich Wehen küßt beim Morgenglühen Der stolzen Rose glanzumfloff'nes Bild; Den Schäfer seh' ich stille heimwärts ziehen. Verödet steht das trauernde Gefild.

Gestorben ist die Lust im Blüthenkleide, Der Busen klagt'S in namenlosem Schmerz! Das Bächlein murmelt's ernst wie Grabgeläute Dringt tief es ein ins grambewegte Herz.

Die Kränze all', schön von Natur gewoben, Hat schon der herbstlich rauhe Sturm zerstoben!

Kein Vöglein lockt in früher Morgenstunde Das Herz hinaus ind grüne Aehrenseld, Nur grauer Nebel lagert in die Runde, Der starr und kalt die Flur umfangen hält. Wo einst die Jungfrau in dem reinsten Triebe Dem Jüngling froh den ersten Kranz geweiht: Da weilet nun in stummem Schmerz die Liebe Und trauert still ob der Vergänglichkeit.

Heut' schwellt das Herz noch frohe Lust und Wonne, Und morgen, ach, finkt schon die heit're Sonne!

Vergänglichkeit! dein grelles Bild, eS spiegelt Eich wahr und deutlich mir an jedem Ort; Vergänglichkeit! du wirkest ungezügelt Aeonenlang verheerend fort und fort!

Die stolze Burg wird dir zum sichern Raube, DaS Blümchen mordet schnell dein tödtend Gift. In Alles, was da klebt am Erdenstaube, Gräbt sich dein Herrschen ein mit Flammenschrift!

Kein Menschenwerk! kein Weltending bestehet. In Trümmern einst das große All' vergehet!--

Druck und Verlag der G. D. Brühl' schen Buch- und Steindruckerei.