Ausgabe 
2.10.1847
 
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aus den ersten Zeilen ergab, den Durchlauchtigsten Herrn um ein Privilegium ersuchte.

Nichts damit!" entgegnete der Fürst nach An­hörung der ersten Zeilen, ohne das Petitum abzuwarten. Eher Alles in der Welt, als so ein Privilegium, denn es bietet zu allem Schlechten die Hand. Arbeite Jeder, wie es ihm gut dünkt; der die beßten Semmeln backt unv das beßte Brod, der wird am meisten Zu­lauf haben. Cs läuft mir überhaupt der Wurm über die Leber, wenn ich diese Mehlsäcke sehe, die sich da große Häuser bauen und mit Nichts angefangen haben. Neulich hat so ein Schmeerbauch eine Kindtaufe gehal­ten, wo sie gefressen und geschlampampt haben bis zum hellen Morgen. Apropos! wie sehen denn jetzt die Semmeln aus? mochte doch wieder einmal Revue halten und Feuer dahinter machen, denn wenn man den Kerls nicht auf dem Dache sitzt, so kommen sie wieder in den alten Schlendrian. Ein paar Semmeln zur Stelle!"

Der Schloßmeister ging, um dem Befehle Folge zu leisten. Der Fürst wendete sich wieder zu seinem Ad- gutanten und donnerte nun gegen die Müller, denen er auch nicht grün war, denn einige derselben hatten mit der Regierung Protest wegen streitiger Gewässer angefangen.

Sollen mir aber nicht kommen!" ließ sich Leopold Dernehmen.Wenn einmal kleines Wasser ist, schlagen sie mit dem Preise auf und wollen das Volk drücken; da soll ein Donnerwetter d'rein fahren, und wenn es noch einmal geschieht, so soll ihnen der Teufel die Stange halten."

(Schluß folgt.')

Zweite Unterhaltung

zwischen

Nante und Brennecke.

Na nie. Bruder Brennecke, ick globe hier iss et hübscher wie int Paradies. Hier wird Eenen so uhlig ronge ruppig zu Muthe, das heeßt: man möchte vor lauter Liebe die ganze Welt umarmen un an sein Herz drücken.

Brennccke. Ick erlaube mir Deine Aufmerksamkeit darauf hinzulenken, daß wenn man den Erdball um­armen wollte, man een paar Arme von 5400 Meilen Länge haben müßte, un denn bliebe kaum so ville übrig um bie. Pulle festzuhalten.

Nante. Verehrter College, da haste Recht. Un wenn ick bedenke, was de Pulle denn vor 'ne Reise machen müßte, ehr man sie an den Mund kriegte Nee, da will ick mit det Weltballumarmen doch war­ten bis 'ne Eisenbahn rings um de Erdkugel angelegt is f ositum gesetzt der Fall, daß es damit schneller jeht wie mit der von Gießen nach Frankfurt. So'n Ding müßte aber Jeld kosten Herrjehs!

Brennecke. Jeld? det is dazu bald herbeigeschafft. Der Unternehmer darf blos uf de Lokomotive pfeifen, denn kommt det Jeld von'n Himmel geflogen, des kann ick Dir vergarankiren. Da Du aber heute so sente- mental gestimmt bist, so nehme ick gleich Veranlassung,' Dir zu fragen : ob Du den Männern der Liebe immer noch Deine Anerkennung versagen willst.

Nante. Du hast Deinen Antrag formulirt, un ick wer'n begutachten. Ick befinde mir grade in eine weiche Stimmung, aber überrumpeln laß ick mir nich. Die neue Reformatoren haben lange genug in de Welt rin geschrieen, wat se aber eigentlich wollen, des wissen wir unterste Klaffe bis jetzt noch nich. So ville kann ick Dir als Volksstimme versichern.

B renneck e. Aber geehrtes Mitglied, wenn sich doch die Frauens dafür verinteressiren, un Deputationen mit Petitionen abschicken, wie in Magdeburg geschehen is, denn muß et doch jut sind.

Nante. Ick bitte um Schönung un Geduld, det heeßt : reich mir mal de Geduldspulle, un ver­schone mir mit die Schürzenangelegenheit.

Bren n ecke. (Reichl ihm die Flasche.) Denn abstrahire von de Weiberchens un rickue Deine hohe Gedanken aus den Geist der reinen Menschheit.

Nante. Ick abstrahire un will Dir reenen Wein inschenken.

Brennecke. Wird mir lieb sinn; Spiritus wird so nich mehr geliefert. Aber Du willst woll ab- fesen? Des is nich erlaubt.

Nante. Entschuld'ge, ick bin aus Posen. (Er liest:) Meine Herren! Ick bitte um einige Aufmerksamkeit. (Er wird durch das Brüllen der Kühe unterbrochen.) Brennecke, schmeiß mal'n paar Steencr in die Schonung, un stell die Ruhe her.

Br en n ecke. Laß se doch brüllen. Sie wollen blos hören lassen, daß sie ooch Stimme haben.

Nante. Gut. Siehste, College, tck bin ooch man Mensch, un, wie du weeßl, von Rationalisten gebildet. Aber davor, daß ick Mensch bin, hat mir noch feen Jude keenen Sechser geborgt. In de Lebenslvtterie hab' ick uf mein menschliches Loos ooch noch Nischt gewonnen. Iss et also zu bewundern, wenn Uhlich, Ronge un Rupp uf ihre menschheitliche Größe setzen, un ooch blos Mieten ziehn?

Brennecke. Aber Du mußt die Sache politisch ansehen. Des politische Recht, Nante, is der edelste Besitz des Menschen.

Nante. Dämlack! Du red'st wie so Mancher von politisches Recht und hast keens. Kehre mir die Taschen um un um, stelle mir uffen Kopp un seh, ob ick politische Rechte habe.

(Lärm in der Schonung, der Hirte wacht auf.)

Bren n ecke. Na, denn leg' ick Dir den Wunsch ant Herz, den Liebespunkt, einer feierlichen- Erörterung, zu würdigen.