Ausgabe 
2.10.1847
 
Einzelbild herunterladen

608

Schreck als Ehrfurcht geboten. Was seine militärischen Kenntnisse anbelangte, so war er Meister, doch miß­lich stand eS bei ihm in Ansehung anderer Wissen­schaften. Es gibt Briefe von seiner Hand, wo auf jeder Seite wenigstens ein halbes Schock orthographischer Fehler herauszufinden sind; dabei hatte er noch die sonderbare Mode, in jedes Wort ein paar H zu flicken. So besitzt ein Handschristensammler von ihm einen Brief mit der Ueberschrift:Fhrauh Gehneh- rahlin!"

Im gewöhnlichen Leben, so wie im Briefsthl ge­brauchte er oft nicht die feinsten Redensarten.Him- melkreuzdonnerwetter!" war etwas sehr Gewöhnliches und in obengenanntem Briefe an die Frau Generalin scheut er sich nicht, deren Herrn Bruder, einen Adju­tanten , geradezu und ohne alle Umstände einen Schweinepelz" zu nennen.

Hingegen harte er auch gute Seiten und wo er einem alten gedienten Soldaten helfen konnte, that er'es gern, vorzüglich, wenn derselbe eine hübsche Leibeslänge hatte. Leute von großer Statur waren ihm eine Augenweide, und wenn er so eine Hopfenstange sah, die zum Kamaschendienste paßte, so mußten die Wer­ber Alles aufbielen, ihn unter die Muskete zu bringen, wobei er dann oft behülflich war und zehn bis zwölf Dukaten nicht scheute, den Senker aus dem Riesengeschlecht für sein Regiment zu gewinnen.

Als er in Begleitung sernes Adjutanten Geisau in Dessau angekommen war, wo er sich an diesem Tage nur einige Stunden aufhielt, indem er nach Berubnrg reisen wollte, mußte augenblicklich sein Hausmeister herbei und von Allem Rapport erstatten, was während seiner Abwesenheit in der Stadt und im Hause ge­schehen.

Wiewohl nun der alte Leopold so zu sagen immer gestiefelt und gespornt war, so hatte er sich's doch heute bequem gemacht, das heißt, er ging im bloßen blanken Hemde im Zimmer herum, was sich gar son­derbar ausnahm, wenn man bedenkt, daß der Adjutant und der Schloßmeister, steif, wie ein paar preußische Haarzöpfe vor ihm standen und jede Frage mit einer gewissen Kürze und Pünktlichkeit beantworteten.

Nachdem so manche Frage erledigt worden, nachdem der Alte so manchesKreuzsakerment" hervorgemurmelt als er vernahm, daß die Bauern über die Jagdfrvhn- dienste gemurrt und über Wildschaden geklagt, brachte der Schloßmeister eine Bitte an, welche darin bestand, daß Durchlaucht bei Besetzung der Stubenheizerstelle hochgeneigtest und in Gnaden auf einen armen ehr­lichen Mann Rücksicht nehmen möge, der Zeit seines Lebens immer fein ehrbar und gottesfürchtig gewesen.

Wie lange hat er gedient?" raunte ihn der alte Kriegsheld an.

Gedient? Durchlaucht. . ."

Himmeldonnerwetter! ich frage, wie lange der Kerl Soldat gewesen."

Halten zu Gnaden! er hat nicht das Glück gehabt, dem Militär anzugehören."

Nicht? dann mag er sich zum Teufel scheeren!"

Ich bitte nochmals, Durchlaucht! der Mann hat vier Kinder, die kleine Stelle würde den armen Mann von mancher Nahrungssorge befreien."

Damit Er sieht, daß der alte Leopold für die Ar- muth noch ein Herz hat und es gern sieht, wenn es seinen Untertanen wohl geht, so kann Er den Kerl einmal herbestellen; ich will sehen was sich thun läßt."

Der Mann ist hier, wenn er noch heute Gewißheit haben könnte."

Soll er, aber erst muß ich ihn sehen. Herein mit ihm!" Der Schloßmeister ging eiligzur Thür hinaus und der Fürst unterhielt sich mit seinem Adju­tanten von militairischen Angelegenheiten. Das war nun freilich ein Kapitel, auf weichem er gern herum­ritt , denn das Militär ging ihm über Alles und in seinem Herzen wohnte die Armee.

Während nun über neue Einrichtungen gesprochen wurde und der alte Haudegen mit Begeisterung von seinem erhabenen Freunde und König sprach, den Gott segnen wolle, war der Schloßmeister unbemerkt mit dem Bittsteller zur Thür hereingetreten.

Plötzlich drehte sich der Fürst um. Mit den Wor­ten :Wer ist Er?" donnerte er den Supplicanten an, daß der Arme in allen seinen Grundvesten er» schlittert wurde und kaum fähig war, seinen Namen zu stammeln.

Er will Stubenheizer werden und hat nicht ge­dient ? Er kann den Dienst nickt kriegen und damit Punktum. Abgemacht! Sela! Arm an Leib! links um! kehrt! vorwärts, Marsch!"

Zusammengehaucht wie ein böses Gewissen und mit möglichster Geschwindigkeit stolperte der Bittsteller zur Thür hinaus, denn einen solchen Empfang, eine solche Resolution hatte er nicht erwartet.

Der Schloßmeister, dessen Wort sonst immer etwas galt, versuchte jetzt den Fürsten an sein Versprechen zu erinnern.

Einen Quark hab' ich versprochen!" brüllte der Alte, indem er seinen Schnurrbart durch die flache Hand zog.Wie kann ich so einen Knirps, anstellen, der kaum drei Käse hoch ist. Selbst ein Slubenheizer muß eine stattliche Figur haben. 'S geht nicht! so gern ich dem Kerl dienen will, er mag's wo anders versuchen, denn Ihr wißt, daß ich gern große Leute sehe und nicht solchen Mißwachs, den der liebe Herr­gott leider so tausendfältig in die Welt setzt!"

Da öffnete sich die Thür, ein Kammerdiener trat herein und überbrachte dem Fürsten ein Schreiben.

Lest einmal den Wisch!" rief der Fürst seinem Adjutanten zu,'s ist doch wieder so eine Bettelei.

Der Adjutant gehorchte. Es war ein Schreiben von der gesammten Bäcker-Innung, welche wie sich