Benehmen des Jägersmannes zog sie an. Er verlangte noch einen zweiten Schoppen Wein, den er langsamer trank. Anfangs ganz in düstere Gedanken vertieft, hatte er Pauline» kaum angesehen; erst jetzt ruhte einigemal sein Auge auf ihr. Er ärgerte sich selbst, daß er wider Willen Wohlgefallen an ihr fand, und dachte bei sich: „Das fehlte mir noch, daß ich mich in die allbekannte Kokette vergaffte! Nein, daraus wird nichts!"
Und doch konnte er es nicht lassen, sich immer wieder nach ihr umzuschen. Eine so edle schlanke Gestalt, so schönes schwarzes Lockenhaar, so blühende Wangen, solche feuersprübende Augen, eine so runde, volle Brust, so lieblich gewölbte Formen, ein so graziöser Gang, eine so edle Haltung und eine so melodische, ächt jungfräuliche Sprache waren ihm selten vorgekommen. Wenn er in Gedanken seine Caroline mit ihr verglich, so trat diese gegen Pauli neu völlig in Schatten.
Doch ließ er sich von diesen stillen Betrachtungen nichts merken, blieb stumm,.trank seinen Wein aus, bezahlte seine Zeche, nahm seine Jagdtasche und Flinte von der Wand und ging von dannen.
2.
Am folgenden Tage befand sich der junge Jägersmann wieder in der Nähe deS Gasthauses zum Schwanen. Er hatte cs sich zwar bei seinem gestrigen Fortgehen fest vorgenommcn, nie wieder dort einznkch- ren. Aber unwillkührlich trat ihm Pauline» s Bild immer wieder vor die Auge», ja, es verfolgte ihn des Nachts in seinen Träumen. Es ist oft der Fall, daß der Anblick eines Mädchens erst nachwirkt. So geschah eS auch unserem Jägersmann mit Pauli ne n.
Als er an den Schwanen kam wollte er umkehren ; aber es zog ihn mit unwiderstehlicher Gewalt; er konnte nicht anders, er mußte hineingehen. Heute traf er dort viele Gesellschaft und darunter so manche Bekannte, zu denen er sich gesellte. Es dauerte ziem- lich lange, ehe sich die in der Küche beschäftigte Pauline zeigte. Als sie endlich erschien, eilte sie sogleich zu einem einzeln sitzenden, nichts weniger als schönen, jungen Mann aus Stuttgart, mit dem sie sich anscheinend freundlich unterhielt.
Als der Jägersmann dies bemerkte, verspürte er bald in sich unverkennbare Regungen einer Eifersucht, über die er.sich selbst tadelte , die er aber doch trotz aller Bemühung nicht los werden konnte. Er fragte einen seiner Bekannten nach jenem so offenbar von P n u l i n e n bevorzugten Menschen, und da hieß cs, es sei . der Sohn des reichen Soniienwirths B ä r von Stuttgart, der mit Paulin en, wie man sage, bald Hochzeit halten werde.
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gleichgültig sei. Vergeblich ließ er heute seine Blicke nach Pauli n en schweifen ; sie sah sich nicht ein ein. ziges Mal nach ihm um. Auch dieser Umstand steigerte seine jetzt erwachte und zusehends wachsende Leidenschaft. Trotzdem ging er heute ab.rmals mit dem festen Entschluß fort, den Schwanen nie wieder zu betreten, welchem Vorsatz er jedoch abermals nicht nur schon am Nächsten, sondern auch in den folgenden Tagen untreu wurde. Wie leid that es ihm jetzt, Pa ul inen durch sein ernstes abstoßendes Benehmen so ganz von sich zurückgeschreckt zu haben! Und was hätte er darum gegeben, wenn er seinen ersten Besuch aus ihrem Gedächtnisse hätte vertilgen können! Aber der Fehler war nun einmal begangen; es ließ sich weiter nichts thun, als ihn wo möglich wieder gut machen.
Er versuchte dies eine Zeitlang auf eine ganz eigene Art. Wenn sie im Zimmer anwesend war, sprach er nicht leicht ein Wort, sondern verhielt sich ganz still. Es kamen öfters auch norddeutsche Gäste, die Pauli- neu gegenüber ihrer Zungenfertigkeit den vollen Lauf ließen.
Unter den Letzteren befand sich auch ein sogenannter „fahrender Scho last," worunter man ungefähr einen heutigen Literaten zu verstehen hat, der eine Zeitlang im Schwanen logirte und die „Rose von Eßlingen" wohl hier und dadurch seine lebhafte Unterhaliung zu amüsiren wußte. Denn darin sind alle Frauenzimmer gleich; ein Mann der ihnen recht viel vorschwätzt und sich dabei ein wenig auf Schmeichelei versteht, ist ihnen in der Regel lieber, als Einer, der ein gesetztes Wesen behauptet und wenig Worte macht.
(Fn-tsctzinz folgt.)
Schweren und fein Champagner- Regiment.
2(111 4. Juni 1845 feierte das 2. Kürassier-Regiment (ter Königin,) ehemals Aiispach-Baireuth-Drago- »er genannt, den hundertsten Jahrestag der Schlicht von Hohcnfriedbecg, in welcher sich das Regiment einen unsterblichen Namen errang: Dieser Tag ruft eine Thatsache in’g Andenken zurück, die Ref. als Knabe
Die letztere Nachricht machte auf unfern Jägersmann einen gewaltigen Eindruck; sie brachte cs ihm auf einmal zum Bewußtsein, daß ihm Pauline nicht
öfters von dem Küster und Schullehrer seines väterlichen Gutes hörte, der noch selbst bei Hohenfriedbcrg in dem Regiment Anspach-Baireuth mitgcfochtcn hatte und als Augenzeuge sprach. Das Regiment war 10 Schwadronen stark, welche in. verschiedenen kleinen Städten in Pommern zerstreut in Garnison standen. Nur zur Erercierzeit kam das Regiment zunr Stabe nach Pasewalk zusammen, und cs war natürlich, daß sich die wieder vereinigten Regiments-Kameraden' alsdann durch heitern Lebensgenuß für die Entbehrungen entschädigten, welche sie in dem traurigen Aufenthalt


