Ausgabe 
2.6.1847
 
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der kleinen Garnisonen das ganze Jahr hindurch er­duldeten. Pasewalk mochte damals auch wohl nicht geräumige Säle haben, welche mit Bequemlichkeit das zahlreiche Offizier-Corps eines Regiments, welches 10 Schwadronen zählte, also zwei und ein halb Mal so groß war, wie jetzt unsere Kavallerie-Regimenter, aufnehmen konnte; genug, es war Sitte, daß man oft mitten auf dem schönen Marktplätze der Stadt eine Tafel deckt», an welcher das ganze Offizier-Corps gemeinschaftlich, ihren braven Oberst von Schwerin an der Spitze, dem Bachus beim Schmettern der Trompe­ten öffentliche reichliche Libationen brachte.

Friedrich dem Einzigen war solches hinterbracht worden^ er hatte sich hierüber sehr mißfällig geäußert und das Regiment hatte sich hierdurch seine ganze Gunst verscherzt.

Friedrich der Große mußte seinen zweiten schlesischen Krieg beginnen. Cs kam zur Schlacht von Hohen- fliedberg. Der große Feldherr wollte diesmal den. .Tag durch die Kavallerie entscheiden lassen, und griff daher mit dieser den Feind stufenweise (en echellon) an. Diese Art des Angriffs hat den Zweck, durch immer neue wiederholte Attaken von frischen Trup­pen den Feind zu ermüden, bis er endlich wankt und unterliegt.

Der Angriff von drei Echellons preußischer Kaval­lerie war von der standhaften österreichischen Infanterie bereits zurückgewiesen worden, der König war höchst unzu­frieden, seinen Zweck noch nicht erreicht zu haben, als das Regiment Anspach-Baireuth-Dragoner, zwei Echellons bilvend, anrückle. Da sprengte der König dem Regiment entgegen und rief ihm aus der Ferne zu:Nun das Champagner- und Burgunder-Regi­ment aus Pasewalk wird es wahrhaftig auch nicht thun!"Det wolle wy sehn!" antwortete ihm der alte Schwerin, der die Gewohnheit hatte, stets Vorpommersch-Plattdeutsch zu sprechen, und commandirte Marsch! Dem gewaltigen Angriff dieser Pom- merschen Bären konnten die Oesterreicher nicht wider­stehen, sie warfen die Quarres in beiden Treffen nieder und als sie sich so durchgeschlagen hatten, kehrten sie hinter der österreichischen Armee wieder um, und hieben sich von hinten zum zweiten Male durch die. nahestehenden Oesterreicher durch, indem gegen ihren Ungestüm kein Widerstand möglich war, bis sie wieder hei ihrem Könige ankamen. Die Schlacht war ent­schieden, der Sieg war errungen und eine große Menge von Trophäen der Lohn der Sieger.

Als nun v. Schwerin mit seinen Reitern beim Könige ankam, so ritt er demselben mit der Frage entgegen:Js dat noch ein Champagner- und Bur­gunder-Regiment?"Nein Kinder!" erwiederte der König,Ihr habt Alles wieder gut gemacht, Ihr habt Wunder gethan!"Recht goot, dat wull ich man weeten (wiffen,) aberst een H......tt, der noch

für E. Majestäten wedder den Degen treckt!" (zieht) und somit steckte er das Schwert klirrend in die Scheide, rief seinem Reitknecht:Hans, kumm!" und ritt vom Schlachtfeld sofort nach Hause, nämlich nach seinem Stamm-Gute Dargebell bei Anklam.

Friedrich der Große schickte ihm einen Adjutanten nach, um ihn zur Rückkehr zu bewegen, er ließ ihm von mehreren Seiten Anträge machen, um ihn im Dienst zu behalten, aber der eiserne Mann beharrte bei seinem Ausspruch; er batte einmal einen Trumpf darauf gesetzt und diesen konnte und wollte er nicht zurücknehmen. Er hatte sogar in späteren Jahren noch das Unglück, von den Schweden auf seinem Gute ge- plündert und selbst gemißhandelt zu werden, welches nicht geschehen wäre, wenn er sich bei dem Heere be­funden. v. Schwerin in der Schlacht von Hohen­friedberg ist in Dargebell in einem schönen Gemälde zu schauen. Dem Regiment verlieh der König das Recht, die vielen eroberten Fahnen, Kanonen und Pauken zum ewigen Anvenken seiner That in seinem Regiments-Siegel führen zu dürfen. Es ist eine große Zahl, wenn ich nicht irre, 27 Fahnen, 20 Ka­nonen und 2 Paar Pauken, doch weiß ich eS nicht ganz genau, cs können auch noch mehr sein. Dieses war die Geschichte jeneS merkwürdigen Tages, welchen das Regiment vor Kurzem gefeiert hat, so wie ich Sic aus der mündlichen Ucberlieferung eines Augenzeugen erfahren habe.

Feuilleton.

Ein Bäcker begegnete einem Metzger.Grüß Gott, lieber Freund, wo kommst denn du her?'Ich komme soeben von deinem Laden, wo ich mir einen Wecken gekauft habe," antwortete der Metzger. Einen Wecken?" fragte der Bäcker verwundert wei­ter ;wo hast Du ihn denn?"In der Westen­tasche," sagte lachend der Metzger, und ging seiner Wege. Der Bäcker ärgerte sich ungemein, daß sich dee Fleischer über seine als anerkannt kleinsten Wecken lustig machte und beschloß sich zu rächen. Kürzlich begegnete er dem Metzger wieder. Er geht auf ihn zu und sagt ganz freundlich:Weißt Du auch, wo ich jetzt herkomme?"Nein!"Von deiner Fleisch­bank , wo ich mir einen Ochsenkopf gekauft habe." Und wo hast du ihn denn?" fragte der Metzger. Unter meiner Kappe," antwortete der Bäcker, und lachte dann über die Maaßen, daß er dem Metzger so Eins wieder versetzt hatte.

Frieren Sic denn? fragte eine Dame einen am Ofen lehnenden jungen Offizier.Ach nein," ant­wortete ein Anderer,er sucht sich nur ans Feuer zu gewöhnen."

Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei in Gießen.