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Valentin's von dem herrlichen Anblicke des italischen Landes überschmelllNdes Herz und des Fremden unbefangene Heiterkeit brachten schnell Beide sich näher, und ehe sie Mailand's Thürme und seinen herrlichen Dom erblickten, hatten die jugendlichen Gemüther sich gegenseitig erschlossen und gar Manches des Freundes verschwiegener Brust anvertraut.
(Fortsetzung folgt.)
Die zwee Birebeem.
(Pfälzisch)
Schön Hannche un der Vater sitze Im Garte vor'm Hans, Es is a schöner Summerobed, Die Katz' guckt obe 'raus.
Do sächt der Vater: „liebes Kind, Ich bitt' Dich, loß den Fritz, Dann Du huscht nir un er Hot nir, Un wo nir is, do werd aach nir, Drum loß Du mir de Fritz.» Schön Hannche fangt zu weine an. Sie Hot den Fritz so gern, „Ach Vater kann ich vor die Lieb' ? I bin jo kee Latern;
Was in mir brennt, des bloost mar nit Als wie a Lichtche aus. Und derf der Fritz nimmer zu mir, So laaf ich aus'm Haus » Der Alte brummelt in de Bart: „Der Fritz wär' jo schun recht, Doch sich, mei Kind, wo gar nir is. Geht jedes Metier schlecht.» — Wasch' aber weiß an schwarze Mohr, Do gebt ken Wasser aus: Die Lehr' ging nei bei'm eene Ohr, Bei'm annre Widder 'raus.
A mol bei ihr'm Fritzche sitzt Des Hannche gar bequeem, Im Garte war's so schön und kühl Zwische zwee Birebeem
Sie wechsle manches Küßche do. Wie halt Verliebte sin, Do guckt des Kind vun ungefähr Zum Gartethiirche hin:
Der Vater kummt! — Der Fritz nit lahm Springt wie ä jungt Katz' G'schwind uf dm eene Birebaam, Do is a sich'rer Platz — Der Vater Hai a schweri Hack, Und sächt zu seinem Kind: „Mir Hot a großer Schatz getraamt. Vielleicht daß ich 'n find';
An Eng'lche, des sprach zu mir: Geh zu^de Birebeem, Den große hackscht da um, geb Acht, Du bringkcht a Sümmche heem. Unner dem Baam sei'm Worzlwerk Hebscht da a großi Kischt, Kee Großmog'l war je so reich, Als Du dernacher bischt.» »Ach Gott, der schöne Birebaam,» Sächt Hannche, „'s kann nit sepn, Die Großmutter hat'n geplauzt, Wie käm a Kischt do 'nein?»
Der kleene aber, alt und dick, Macht a verdächtichis G'ficht. „Geh' Vater, hack' den kleene um, War weeß, was d'runner liecht!» „Des is schun wohr,„ der Alte sächt. Der groß' oder der klee, Des weeß ich selber nimmer recht.» „Ach Vater, 's is. der klee!» Und wie der Vater hackt und hackt, Do werd des Hannche roth, „Ach heil'cher Chrischtof,» bett' se jctz', „Ach Helf' mar aus der Roth, Ach mach' a bische nor Miraak'l, Dann sunscht git's heut' an Wcltspetaak'l.» Un hipp un hipp, un bim un bum, Un hipp un bim un bum, Uf eemol laaft's un springt un hipt: Dukate um und um.
Gott's Blitz un Jub'l un kee End', Des war a Herrlichkeit, Do klimmt aach glei der Fritz gerennt, Un-guckt als wie nit g'scheut! — „Was thuscht dann Du da,» sächt der Alt, »Dich sah'ich nit im Traam,» Do sächt sei Kind: »des ist der Schatz Bum große Birebaam.» Do merkt der Alte wohl den Piff, Un nohmt sie bei der Hand: A Pärche werre se wie eens Zm siböne Pälzerland. — Blieskascht l heeßt der Ort, do steht Noch heut der eene Baam;
Un Enk'lcher verzähle sich Den Alte gute Traam.
Feuilleton.
Ein Engländer hat in diesen Tagen eine Flugschrift unter dem Titel herausgegebcn: „Das Rasircn, eine unnatürliche, unverständige, unmännliche, gottlose und verderbliche Sitte unter den Christen," und in dieser beweiset er sonnenklar, daß wir in den Wonnen des tausendjährigen Reiches schwimmen, nicht aber mit Noch und Theuerung zu kämpfen haben würden, wenn — die Rasirmesser nicht wären, denn diese dreimal verfluchte Waffe und keine andere habe das irdische Paradies zerstört und mit der Mode des glattgeschorenen Kinnes zugleich die sieben Todsünden in die Welt gebracht. Dann läßt der Verfasser eine endlose Reihe geschichtlicher Notizen über Kehlabschneiden mit dem Rasirmesser, über David, Priamus, Jesaias, Alexander, Peter den Großen u. s. w., über Türken und Perser folgen, in denen er darihut, daß das Bartabschneiden sündhaft und schädlich sey und die Ordnung im Staate wie die Moral der Staatsbürger untergrabe, ja er meint, der erste Barbier und das große Thier in der Offenbarung Johannis wären, wenn nicht eine und dieselbe Person, doch gewiß sehr nahe verwandt gewesen. Wer nun noch mit einem glatlgeschorenen Kinne einhergeht, ist ein unverbesserlicher und dem Teufel verfallener Sünder. —
und Berlag der G- D. Brühl'scheu Buch- und Steindruckerei.


