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Sire, über die Rechte muß ich lachen. Pascal hat Euch durch -einen Zufall das Leben gerettet und er trachtet Euch jetzt vielleicht wieder nach demselben- wer steht verächtlicher da? Ich verlange auch nicht den Tod dieses jungen Mannes,' aber die Staatsklugheit erheischt es, ihn den Unwerth alles Vergänglichen 'empfinden zu lassen.'/

Tristan!" rief der König, von Ahnungen erfüllt, und die Vergangenheit zog an ihm vorüber,Tristan, ich habe während den zwanzig Sobren , daß ich auf Frankreichs Throne gesessen, einsehen gelernt, daß daS Treiben der Menschew eitel Trug und Hinterlist ist. Denk an den Cardinal Balue, denk an den Conne- table Saint-Pol, denk an viele andere, die ich erhob und die mich betrogen. Tristan, Du warntest mich vor allen und ich folgte dir nicht. Wohlan Pas- ra l sey das Sühnopfer ihrer Verrätherei, ich will der Kirche unserer lieben Frauen zu Clery," er ent­blößte dabei fein Haupt und bekreuzte sich andächtig, große Güter schenken, ich will Alles thun, wenn der Knabe unschuldig ist, aber ich folge Dir diesmal, weil ich so oft Deinen Rath verworfen. Verhafte den Geheimschreiber, aber," setzte er beinahe besorgt hinzu, gehe mir glimpflich mit dem Knaben um und thue es ohne Aufsehen erst in der kommenden Rächt.

<$r wandte sich rasch aber Tristan stürzte wie ein Pfeil zum Gemach hinaus, denn et fürchtete nicht mit Unrecht den Wankelmuth des Königs. Sein Gang war Triumph, als er zu Leokadia eintrat; er sprach das eine Wort:g e st ü r z t!" und jauch­zend umarmte die Gefallene den blutdürstigen Tiger.

8.

Eine unfreundliche Nacht hatte sich auf die Fluten von Plessis-les-Tours herabgesenkt. Grollend fegte der Sturmwind übet die öde Fläche und nur selten drang der Mond durch die finstern Wolken, um die düstere Landschaft zu erhellen Pascal hatte sich unausgekleidet auf das Lager geworfen er konnte nicht schlum­mern , so oft er auch die Augen schloß. Die Ereig­nisse der letzten Wochen erregten ihn allzu sehr. Jeoffroy's geheime Pläne, der entsetzliche Tod feiner Mutter und Ludwig XL fein Vater! Er konnte das Ungb- heure kaum fassen. Fürwahr, an dem jungen Mann waren wunderbare Schicksale, bewegt von wilden Stürmen, votübetgezogen, und versöhnend trat nur Clotilve aus der Mitte dieser seltsamen Wechselfälle. Et sprang hastig auf, ging einigemal im Zimmer auf und. ab und stieß endlich das Fenster auf. Tiefes Schweigen ringsum, kein Laut unterbrach die nächt­liche Stille, nur selten tönte der Rus der Wachen aus den ferneren Theilen des Schlosses zu ihm herüber. Die Fenster seines Gemachs ragten gerade übet den Wall des Schlosses und wgten nicht allzuhöch von dem trockenen Graben entfernt. Eine geraume Zeit mochte der junge Mann schon aus der Brüstung ge­

legen haben, da dünkte es ihm, als dränge Geräusch von Männerfichritten aus der Tiefe zu ihm herauf. Einen Augenblick war Alles still, aber bald unterschied er wieder deutlich Laute, Stimmen erschallten halblaut, und beinahe wollt es ihm bedünken, als suche man den Wall zu erklimmen. Pas.cal's Herz schlug ängst­lich , eine entsetzliche Ahnung überfiel ihn. Sollte Jeoffroy es wagen wollen, den eingefangenen Genossen- aus feinem Kerker zu befreien, oder sollte das nächt­liche Wagniß ihm gelten? Im ersten Augenblick stürzte er nach der Thür, die Wachen zu rufen, aber zugleich erinnerte er sich auch wieder, wie unvorsichtig er sich dadurch in Gefahr stützen könne. Unschlüfsig blieb er stehen, da drang plötzlich Lichtschimmer dutck die Ritzen seiner Thüre; über den langen Cotridor hörte er die klirrenden Fußtritte Bewaffneter erschallen Ungestüm klopfte es, und als et öffnete, trat der Oberhofrichter, Tristan l'Hermite, gefolgt von demUnterbefehlshaber, feiner Trabanten, in das Gemach.

Zu fo später Stunde?" fragte Pascal, weniger er­schrocken als erstaunt.Ihr seht mich verwundert, Herr Oberhofrichter!"

Berräther müssen auf Alles gefaßt seyn," entgeg­nete schneidend der Profoß Ludwigs des Elften.Im Namen des Königs verhafte ich Euch als solchen."

Ihr scherzt, Tristan," unterbrach ihn der junge Mann, der die ungeheuere Wahrheit nicht glauben konnte. Geht, geht, legt Euch auf8 Ohr und schlaft auS."

Uebermüthiger Knabe!" rief l'Hermite,ich bin nicht gewohnt, mit den Befehlen meines Herrn Spott treiben, zu lassen. Da seht den eigenhändig unterschrie­benen Verhäftsbefehl Sr. Majestät."

Entsetzlich!" stieß der Jüngling aus, nachdem er einen Blick auf das Papier geworfen.Entfetzlich! Wegen Hochverrat!), und ich bin unschuldig! Tristan, Tristan, Ihr ladet schwere Verantwortlichkeit auf Euch, denn nur Ihr sepd cs, der mich beim Könige verleumdet."

Ich bin Euch keine Rechenschaft über meine Hand­lungen schuldig," sprach kalt der Profoß.Gebt Euch willig oder ich brauche Gewalt."

Pascal stand lange in tiefes Brüten versunken, schon wurde Tristan ungeduldig, da fand der Jüng­ling wieder Worte.Und welches Loos erwartet mich unter Eurer Obhut? werde ich den König wieder spre­chen ?" fragte er düster. -

Cs soll Euch kein Leids geschehen," erroiebertc l'Hermite.Der König wird Euch selbst mehr denn einmal verhören!..."

Wird er das?" unterbrach ihn der junge Mann hastig, und seine Stimme nahm einen triumphirenden Ausdruck an.Ja, er wird es, er muß es, und daun, Tristan l'Hermite, sepd Ihr mit mir verloren."

Der Profoß schrack sichtlich zusammen; der unge­heure Ernst, mit welchem der Jüngling diese Worte