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Handwerks, für die, welche es trieben und für die Art, wie es getrieben wurde, verloren gegangen war, kam es dahin, daß man von nichts als von niedrigem Eigennutz wissen konnte und wollte.
Mit dem Adel, den alle Stände — jeder nach seiner Weise — hatten, verirret ihr auch nach und nach das anstellige Handwerkstalcut. Dahin gelangtet ihr durch einen Rangstreit tiefer Erniedrigung, in welchem ihr einander zu übertreffen und der Eine den Andern zu überwinden suchtet, an Erfindsamkeit der Mittel zu diesem zerstörenden Zwecke. Alle Künste des Betrugs und des mühsamsten Nachdenkens wurden angewandt, um den Fabrikaten etwas an innerem Werthe zu nehmen und dagegen an äußerem Scheine zuzusetzen. Wie hier gespannt, gereckt und gestreckt wurde, um die äußere und scheinbare Größe beizubehalten, wenn der innere Gehalt vermindert und Gold in Senülor verwandelt war! Alle, welche das deutsche Fabrik- und Handwerks- wesen kennen, werden wissen, welche oft trüglichen Mittel sich ein Handwerksmann neben den andern erlaubte, um sich einen bedeutenden Absatz zu verschaffen, oder die Abkäufer eines Andern an sich zu lecken. . (Forts, folgt.)
Der Bastard von Gemappe.
Historische Erzählung von F Mcnk.
(Fortsetzung )
„Ihr ftpd im Forst von Fordere von meiner Leibwache ergriffen worden," begann endlich der König, den GefaUgeucn scharf in's Auge fassend.
„Ist das ein Verbrechen, Sire?" erwicderte dieser unerschrocken. „Ich bin ein armer Waldbauer aus dem Lothringischen und habe mich hierher g flüchtet. Die königlichen Soldaten ergriffen mich, als ich gerade einen Platz zu meiner Wohnung aushauen wollte."
„Ihr seht nicht aus wie ein Bauerunterbrach ihn heftig Ludwig XI. „Hütet Euch, die Unwahrheit zu sagen, eine Lüge und Ihr seyd um den Hals. Ihr führtet Waffen bei Euch!"
„Nur ein Beil und ein altes Schlachtschwert."
„Wußtet ihr nicht, daß eS streng verboten ist, sich in der Nähe von Plessis-Ies-Tours anzusiedeln?'
„Nein, Sire!"
„Habt Ihr Niemand sonst int Wald getroffen?"
Der Bauer entfärbte sich ein wenig, dann warf er einen Blick zu dem gelassen dasitzenden Pascal hinüber, „Dennoch," sagte er daun, „den Herrn da!" „Pascal!" rief der König und sprang heftig auf. „Es" äst so," nahm der junge Mann ruhig das Wort, aber seine Stimme zitterte- „Ich traf diesen Mann und sprach lange mit ihm, er erzählte mir dasselbe, was er vor Ew. Majestät bekannte.
„Warum hast Du mir nicht gleich Meldung davon gethan?" fragte finster Ludwig XI.
„Ich hielt die Sache für zu unbedeutend, mein königlicher Herr!"
„Ich will Dir glauben, Bauer" wandte sich der König wieder an diesen, „aber Du wirst acht Tage auf dem Schloß in Haft bleiben, bis der Wald durchsucht seyn wird."
Er winkte — die Wachen führten den Gefangenen wieder fort.
Tristan trat wieder ein.
„Die. Abtheilung hat den Befehl erhalten," sagte er; „wie iffs mit dem Gefangenen, Sire, der so eben wieder fortgeführt wurde?"
„Ich glaube, der Kerl ist unschuldig, nach acht Jagen laß ihn laufen," warf der König hin.
„Laufen lassen, Majestät? fragte wie empört der Profosi, der nichts unlieber that, als Gefangene wieder frei geben. „Ich wette meinen Degenknopf gegen das Herzogthum Burgund, der Kerl ist ein Gauner und Verrather. Nehmt ihn noch einmal in's Verhör.
„Der Bauer kann keins von beiden sevn!" unterbrach ihn heftig Pascal. „Ich habe lang mit ihm gesprochen."
„Ei seht doch, Herr Gcheimschreiber!" rief höhnisch der Oberhofbichter. „Ihr auch da? Nun wer weiß, zu was es gut ist, daß ich an Euch erinnert werde. Ihr habt also mit dem Bauer gesprochen, er hat mir das erzählt; wißt Ihr Euch des Orrs vielleicht noch zu erinnern?"
„Gar wohl, es war an der großen Eiche, die mitten auf einer kleinen Wiese steht," antwortete unbefangen unser junger Freund, der keine Arglist ahnte.
L'Hermite warf ihm einen vernichtenden Blick zu und trat zu dem König, der sich in eine Vertiefung des Fensters zurückgezogen hatte. Er sprach wieder heimlich mit ihm und Ludwig gab Pascal den Befehl, im Archiv einige Papiere zu suchen.
„Ihr habt es also aus dem eigenen Munde Eures Geheinischrcibers vernommen," begann Tristan, als er sich mit dem König allein sah; „Ihr habt es vernommen, daß er den Bauer an einer Eiche gesprochen; ich aber sage Euch, der Bauer behauptet, dieß wäre an den Ruinen einer al en Kapelle geschehen. Ahnet Ihr noch nicht geheime Perrätherei? Nun wohl, dann weiß ich nichts weiter mehr zu sagen und beklage die Verblendung meines weisen Königs."
„Noch nie ist mir ein Urtheil schwerer, als dicfes gefallen," stöhnte der König. „Würde dem Staat mit dem Leben dieses Jünglings eilt Opfer gebracht — ich dürfte nicht zaudern, aber immer ruft mir eine innere Stimme zu: halt ein, Du begehst ein Verbrechen, und es ist mir nicht möglich, die Rechte der Dankbarkeit zu verletzen."
„Der Dankbarkeit?" lachte höhnisch der Profoß.


