Ausgabe 
5.11.1845
 
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eigenthümlichen Form aufbewahren, so laßt sich dies durch Behandlung mit Chlor oder mit Schwe­fel nact> sicheren Erfahrungen recht gut bwerkstelligen. Bei der Behandlung nut Chlor werden die kranken wie die gefunden Kartoffeln während einer halben Stunde in Wasser gelegt, worin aus je 25 Maas 1 Pfund Chlorkalk aufgelöst ist; hierauf bringt man dieselben während 20 Minuten in Wasser, worin auf 25 Maas 1 Pfund Soda aufgelöst ist. Die nun hcrausgenommenen Kartoffeln werden mit kaltem Wasser abgespült, an der Luft getrocknet und auf gewöhnliche Weise aufbewabrt. Ein Pfund Cblorkalk (10 fr. kostend) und 1 Pfund Soda (kostet 9 fr.) reichen hin, um 500 Pfund (circa 21/ Malter) Kartoffeln auf diese Art zu behandeln.

Will man die Kartoffeln mit Schwefel behandeln, was sich auch schon bei uns, nach Versuchen des Herrn Weinhändlers Heckler zu Bensheim, bewährt hat, so geschieht es entweder im Freien, oder m Fässern. Im letzteren Falle nimmt man ein nicht zu fleines gesundes Weinfaß (da die kleinen keine Thürchen haben), kehrt es um, so daß der Spunden nach unten kommt, schüttet die Karloffeln durch das dann oben befindliche Thürchen ein und verbrennt dann den Gewürzschwefel hart unter dem Spun­den, so daß der ganze Schweftidampf in das Faß kommt und durch die sämmrlichen Zwischenräume der Kartoffeln dringt.

Beim Schwefeln im Freien verfährt man auf folgende Weise: Der Boden, auf den der Kartoffel- Haufen zu liegen kommen soll, wird gut zusammengetreten ; dann nimmt man zwei starke Bord, (teilt solche schräg gegen einander, so daß sie eine Rinne bilden. In diese legt man einen Schwefelspahn nach dem andern der Länge nach dmch, befestigt die Bord mit Latten und legt Kartoffelkraut darüber; auf dieses läßt man nun die Kartoffeln schütten, steckt den Schwefel an und läßt ihn so verschlosien unter dem Kartoffelkraut durchbrennen. Die Kartoffeln werden hierbei vollkommen trocken und zeigen sich im Frühjahre noch schöner, als andere nicht so behandelte. Bei Kartoffeln, welche schon Fäulniß angesetzt hatten, war sogar bei diesem Verfahren die Wunde ausgetrocknet und der übrige Thcil ganz gesund.

Sind die Kartoffeln bereits in einen Grad von Fäulniß übergegangen, daß ihre Benutzung zum menschlichen Gebrauch (was vor Allem das Wünschenswertheste bleibt) nicht mehr möglich gemacht werden kann, daun lassen sie sich immer noch als Viehfutter benützen. Pferde, Schaafe, Rindvieh und Schweine fressen sie, zumal mit Salzwasser übergossen, so gerne wie sonsten. Ist der Vorrath zu groß, um sie auf diese Weise schnell genug verbrauchen zu können, so ist das Einsalzen derselben ein ganz entsprechendes, längst bewährtes Auskunftsmittel. Zu dem Ende läßt man die Kartoffeln so viel wie möglich reinigen, dann zerkleinern, und ihre wässerigen Theile ausdrücken, worauf das Einsalzen der­selben in Kufen, Ervgruben mit festen Wänden rc. |o vorgenommen wird, daß das Salz schichtweise darüber hergestreut, das Ganze mit einem Deckel oder mit Brettstucken bedeckt und beschwert wird.

Den letzten Ausweg, der aber immer nur im größten Rothfalle betreten werden sollte, damit die Kartoffeln zur menschlichen Nahrung so viel als thnnlich erhalten werden waö auf dem oben angc- deuteten Wege auch ganz leicht möglich ist bietet die Verarbeitung der Kartoffeln auf Brandwein, Stärkemehl und Hefe; denn der Stärkemehlgehalt selbst der angefaulten Kartoffeln ist, wie im Eingang gesagt, nur ganz wenig verändert. Wenn sie daher für diesen Zweck nicht zu entsprechenden Preisen verwerthet werden können, so wird man immerhin noch besser lhun, sie auf eine der oben beschriebenen Arten selbst zu verwenden.

II. Aufbewahrung der gesunden Kartoffeln.

Indem man sich in dieser Beziehung lediglich auf die Bekanntmachung der Großh. Centralbehörde der landw. Vereine vom 19. Octover beziehen zu können glaubt, fügt man nur über die Aufbewahrung der Kartoffeln in Gruben noch Folgendes bei.

Zn einigen Riedorten (Kreis Großgerau) beobachtete man beim Eingruben der Kartoffeln das Ver­fahren, diese Gruben nur auf die Hälfte ihrer Länge mit Kartoffeln aiizufülleu und Letztere vorerst nur hanvhoch mit Sand oder leichter Erde zu bedecken, die zweite Hälfte der Grube hat die Bestimmung, um circa 8 14 Tage später, nach erfolgtem Schwitzen der Kartoffeln, zum Auslesen derselben be­nutzt zu werden. Erst nach dieser Vorarbeit ging man an das endliche Eindcckeu der Gruben. Die­jenigen, welche ihre Kartoffeln nicht so behandelten, sieht man sie bereits wieder ans den Gruben neh­men und gleicher Behandlung unterwerfen. Uebrigens empfiehlt sich die Aufbewahrung der Kartof­feln im Freien über der Erde, statt in dieser, diesmal ganz besonders.

Roch ist hier nachzutragen, daß Kartoffeln, die nur von der Trockenfäule ergriffen, bei ganz dün­nem Ausbrciten in Zugluft meistens in sich selbst wieder austrocknen.

III, Reservirung der Kartoffeln zum nächstjährigen Saatbedarf.

Es bedarf wohl feiner näheren Begründung, daß Vieser Punkt von der höchsten Wichtigkeit erscheint. Bei dem sorgsamen Landwirthe wird er auch um so gewisser alle Aufmerksamkeit finden, als dadurch die wirthschaftliche Eristenz der kommenden Jahre so wesentlich bedingt ist, Um des Saatbedarfs für das nächste Jahr sich zu versichern, empfiehlt sich vor Allem dessen Absonderung von den übrigen Kar-