Ausgabe 
20.4.1799
 
Einzelbild herunterladen

) 6L (

»usgepfiffen wird, werde ich mich, sobald ich meine Meinungen ausgeplaudert habe, ganz bescheiden und mit einer tiefen Ver­beugung hinter den Vorhang zurükziehen, und im Stillen denjenigen verehren, wel- eher mit tiefem Kenntnissen und Einsich­ten sich um den Schaden Josephs ju be­kümmern entschliefen kann.

E- ist jedem unter uns aus der Er­fahrung bekannt, daß wenn die Fluth der aus ihren Ufern getrettenen Wieset zu fal. len beginnt, und oftmals schon wirklich ge­fallen ist, alsdenn erstlich der Lahnstrohm sich zum Schwellen erhebt.

Ich nenne daher die Fluthen oder das AuStretten der Wiesek, welche das mehre- stemal dem angehenden Schnee im Vo­gelsberg und Züdrang der kleineren Bächen aus dem Buftkerthal ihre Existenz zu ver­danken haben , und mehrere Tage vor dem Anschwellen der Lahn sich in unfern Wie- sengründen sistiren: vorwasser.

Es kommt hauptsächlich darauf an, daß, nach der fast durchgängig angenom­menen Meinung, dem Abgang' dieser Vorwasser, bevor die Lahn sich leicht, keine Hindernisse in den Weg gelegt wer, den, damit nicht Lahn - und Wiesekfiuth sich vereinigen sohin eine so ungeheure Wassermasse die Stadt mit ihrem Eindrin­gen nicht in Gefahr setzen könne.

Daß aber dergleichen Hindernisse wirk­lich bestehen, welche dem Abzug der Wie- fek, vor dem Anschwellen der Lahn, sich entgegen stemmen, bin ich Willens, erst­lich darzulegen und nachher die Mittel zu zei­gen, wie denselben mit geringfügigen Ko­sten, jedoch mit Beibehaltung der Willfah. rigkeit und Bereitwilligkeit unserer biederen Bürgerschaft in derlei Angelegenheiten, be­gegnet werden könne.

Bevor ich aber hierzu schreite, kann ich nicht umhin, zu bemerken, daß wir die

Veremigung der Fluthen beider Flüsse schon mehr-und oftmals erlebt haben, ohne daß solche zum Nachtheil des Inneren der Stadt sich geartet habe. Geschähe das Eindringen der kombinirten Fluth ja ein­mal, wie im Jahr 1764. ohngefähr, so beruhet auch dieser Fall, wie alle übrige, in der Notorität, daß dieses Eindringen der Fluth durch die Uebersteigung der Neu- weger Schoor bezwekt wurde. Da wir nun den Fehler in dieser ihrer Niedrigkeit ken­nen und eingesehen haben, warum erhöht man nicht dieselbe, oder legtden schon längst von höchsten Orts verordneten Sommers dämm darauf an? Wenn ein Brand ent. steht, bemüht sich der Kluge, oder auch der, dessen Gebäude davon angegriffen wor­den , solchen zu löschen.- Weislich,r aber handelt der, welcher vorher solche Anstal­ten trifft, die ihn vor der durch Unvorsich­tigkeit entstehenden Feuersbrünsten sichern. Denn wo mich es juff, da muß i$, nach der Rezeptverschreibung eines grofen Arz­tes an eine ihn konsulirende Dame in un­serer Nachbarschaft, kratzen. Der Ein­wand: wie die Fluthen beider Flüsse sich fonjunyirten und doch nicht in die Stadt drangen, hatte die erhöhet, Chauss,, ihre Existenz noch in der Idee, hält nichtStich. Denn waren die damalig-n Strassen, jezt Chausseen, schon niedriger, so erreichten doch die gewöhnlich, Fluthen ihre Höhe. Und so ist es gleichviel, wenn beide Flu­then ihre Höhe erreicht haben, ob die Chaus. sie vor dem Wallthor dazwischen hin ,m- porragt, oder nicht. Die letztere am 23. Februar am höchsten gestandene Ueber- schwemmung bietet das sicherste Beispiel hiervon dar. Die Lahn stunde, das Maas auf der Wallpförter Chaussee genommen, 2Fus hoher als di, Wiesek , und letztere bedurfte noch 1 1/2 Fus höheres Steigen, wenn sie bei dem Stand des gefährlichsten Ploks zwischen dem Dörrhaupt und ter Nkmveger Bastion über das Glacis in den

Stadt-