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werden, so müssen sie, der Schalen halber, im gekochten Zustande durch einen Durchschlag (Seihe) gerieben werden.
Hat man nun aber versäumt, die gefronten Kartoffeln auf die angegebene Weise aufzuthauen, und sind sie bei gelindem Wetter selbst aufgethaut, so breite man sie vor allen Dingen so schleunig, wie möglich, an einem kühlen und luftigen Orte, selbst bei Frost oder Thauwetter, dünn aus, damit die Fäulnist derselben ver- hmdert werde, sucke die besten, noch nicht weich gewordenen (die bloß süßen, noch nicht in Gährunz getretenen Kartoffeln) schnell aus> wasche und schäle sie, schneide sie in Hälften ooer Viertel, und trockne sie an einem »Lärmen Orte aus Horden oder Brettern. Sie geben dabei viel Wasser von sich und verlieren % von ihrem Gewicht. Getrocknet sehen sie schwärzlich aus, und sind ganz eingeschrumpft. Man stößt sie alsdann zu Mehl oder Grütze und kocht die gestoßene Masse entweder in Fleischbrühe, oder in Milch, oder mit Wasser und Essig zu Suppen mit Salz, Fett und etwas Gewürz.
Sowohl die weniger guten, künstlich aufgethauten Kartoffeln, als auch die noch nicht in die faule Gährung übergegangcnen kann man endlich zu Viehfutter zerstampfen und in Fässer einschlagen, wobei man auf ähnliche Weise, wie bei'm Ein- »nachen des Weißkrauts verfährt.
Die bereits weich gewordenen Kartoffeln werden dagegen, nachdem sie zuvor gewaschen sind, auf einer Presse oder Kelter von ihrem überflüssigen Wasser befreit. Die hierbei gewonnene weiße und mehlige Kartoffelmasse aber wird an der Luft auf Luftdarren oder Horden, oder auch in Backöfen, nachdem das Brod her- , ausgenommen ist, getrocknet und zu Mehl benutzt; die ausgepreßte Feuchtigkeit kann man auf Fässer füllen und sic an warmen Orten gährenund zu Essig werden lassen, der aber freilich einigen Kartoffelgeschmack behält.
Diese crfrornen und von selbst wieder aufgethauten Kartoffeln trocknen, aus- gebrcitet an.der Luft, oft schon in 8 Tagen so sehr aus, daß die Masse gemahlen werden kann, wenn man ihnen die Schale und daS Wasser vorher genommen hat. Oft gehört aber auch zum völligen Austrocknen eine Zeit von 4 bis 6 Wochen.
, Sollten die Kartoffeln während des Trocknens auch breiig werden und unangenehm riechen, so gebe man ihnen nur die zum Austrvcknen erforderliche Zeit und lasse sic ruhig an der freien Luft liegen. Sie verlieren diese schlechten Eigenschaften nach einiger Zeit gänzlich. Sind die Kartoffeln der Art, daß sie in kurzer Zeit an ver Luft gehörig trocken werden, so braucht man ihnen die Schale auch nicht abzunch- men, sondern man zerstampft sie und schüttet sie so auf den Mahlstein. Das Bichl beutelt sich leicht, und die Hülse fällt als Kleie durch. Man hat durch angc- stcllte Versuche gefunden, daß' 100 Pfo. gefronte'Kartoffeln noch 28 bis 33 Pfv« Mehl gab eck, indem der Frost nur das Wasser, bett Schleim und die Fasern, auch einen Thcil des Eywciössoffes ver Kartoffeln ausscheioe't, weßhalb dann auch große


