170 Messische wöchentlich - zemeinnütztze Anzeigen auszugeben. Er hat Recht, wenn man den Endzweck betrachtet, welcher durch em gutes Kameralwesen erlanget werden soll. Allem wie viel Hindernisse giebt es nicht, diesen Endzweck zu erhalten? Wenn an Seitendes Kameralisten nichts fehlet: so Lieget es manchmal an der Verfassung des Hofes, ander Gesinnung der Landesherrschast. Ein vollkommener Kameralist muß verstehen, auch die Hindernisse aus dem Wege zu raumen. Er muß Verstand, Muth und Lebensart genug besitzen , in düs Herz des Landesherrn zu dringen, solches zu lenken und den ganzen Hof zu reformiren.
Ein Kameralist muß also nicht allein für die Vermehrung der Einnahmen, sondern auch für die Verminderung der Ausgaben Sorge tragen. Das Vermögen des Unterthans ist eine Quelle, die endlich vertrocknen, wenigstens sehr schwach werden kan. Ein verschwrndmscher Hof ist ein Schlund, der alles, was um ihn ist, verschlingt und zu Boden reißt. Em spahrsamer Hof ist ein größerer Schatz für die Kammer, als taufend neue Auflagen auf dem armen Unterthan.
Indessen muß ein rechtschaffener Kameralist die Vermehrung derEm- nahmen nicht äusser Acht lassen. Sie muß vielmehr sein Hauptaugenmerk seyn. Allein hierbey verdienen noch einige wichtige Anmerkungen gemacht zu werden.
Das Vermögen der Unterthanen ist die Quelle der Kammercinnah- men. Diese müssen also mit jenem in einem gewissen Vechaltniß stehen. Wenn dies Verhültniß überschritten wird: so vertrocknet die Quelle. Wenn demnach die Kammereinnahmen vermehret werden sollen: so muß nothwendig auch das Vermögen der Unterthanen vermehret werden. Dies ist ein Grundsatz, welchen die wenigsten Kameralisten beobachten. Man pflegt ihn der Polieey zuzuschieben. Es ist wahr, daß die eigentliche Erhaltung und Vermehrung des Vermögens der Unterthanen ein WerkderPo- licey sey. Allein die Policey ist mit dem Kameralwesen so genau verbunden, als die Einsaat mit der Ernte; und je kleiner das Land'ist, desto genauer müssen beyde Wissenschaften in einer Person mit emander verknüpfet seyn.
Sie werden sagen, geehrtesier Gönner l daß es auf diese Art schwer seyn würde, einen vollkommenen Kameralisten zu finden. Sie haben ganz Reckt. Sie werden mir aber den Einwurf machen, daß man ja z. E. im Preußischen, einen Ueberfiuß von vortreflichen Kameralisten wahrneh- me. Nichts weniger, als dass Friedrich und einige wenige seiner Rathe sind


