mrö Nachrichten. »6-

Ein wahrer Kameralist muß ein Mann von gutem natürlichen Ver­stände seyn; er muß die Welt kennen; er muß em Gelehrter seyn, und da- bey ein rechtschaffenes Herz haben.

Ein dummer Kameralist weiß so wenig die eigentlichen Mittel zur Verbesserung anzugeben, als auszuführen. Er mag die mechanische Rechen- - kunst so gut verstehen, wie er will; er.mag auch durch seinen Reichthum alle übrigen Fehler verdecken, so bleibt er doch dumm und ein schlechter Kameralist.

Ein Kameralist, der die Welt nicht kennt, ist in Vorurtheilen er­soffen. Er wird es allezeit beym Alten lassen, und keine Neuerung anfan­gen, so grosen Nutzen solche auch in den benachbarten Ländern geschafft ha­ben mag. Die Vorurtheile ersticken alle seine übrigen guten Eigenschaften. Er wird ein Zwerg bleiben, indeß daß andere zu Riesen hinanwachsen.

Die Gelehrsamkeit! wird denn die auch zu einem Kameralisten erfor­dert? Allerdings. Ein Kameralrst muß die Geschichte kennen, um aus dm Ursachen des Falles und Wachsthurns anderer Länder Folgen herzuleiten und zum Besten seines Landes anzuwenden. Er muß die Naturlehrr ver­stehen, um die Produkte seines Landes zu kennen, zu erweitern und zu ver­bessern. Die ganze praktische Weltweisheit muß «hm nicht unbekannt seyn, um den Zusammenhang des Kameralwesens, mit den Sitten der Einwoh­ner und mit der politischen Verfassung seines und andrer Länder einzusehen und zu nutzen. Die Mathematik ist, so zu sagen , des Kameralisten Hauptstudium. Rechenkunst, Feldmessung, Baukunst, Wasserkunst rc. alles muß er aus dem Grunde verstehen. Und endlich muß er auch in der Rechtsgelehrsamkeit kein Fremdling seyn. Er muß die Gerechtsame feines Landesherrn so gut als der Unterthanen kennen; er muß solche selbst zu ver- rheidigen wissen. Er muß bey Schließung allerley Arten von Contrakten die aus den Gesetzen fließenden Cautelen inne haben und Gebrauch davon machen. Ja, er übet in Cameralsachen manchmal eine Art einer Gerichts­barkeit aus.

Ein Kameralist, der kein gutes Herz hat, wird mehr für die Berei­cherung seines Beutels, als der Kammer sorgen, mehr das Verderbender Unterthanen, als die Wohlfahrt des Landes befördern. Jener Kameralist eines kleinen Landes fragte einen Kameralisten eines benachbarten großen Landes, dessen Kameralverfassung eine allgemeine Bewunderung erlanget hatte, worin diese so vorkrefiiche Einrichtung bestehe? Unser Kameralwe- ftn, antwortete derselbe, bestehet in der Kunst, mehr einzunehmev, als

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