Ausgabe 
23.2.1768
 
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58 Gr'esilscye wöchentlich ^gemekttttgtzige Anzeigen

Geheimnis haben, und mit einem harten Eyd verbunden werden, solches beständig zu verschweigen.

Aber wie ist es möglich, daß dieses Geheimnis bisher noch nicht hat entdeckt werden können, da nichts so tief verborgen ist, das man nicht endlich an daS Licht bringen kann , zumahl wenn so eine grosse Menge von Leuten , als auS welchen die Freymäurergesellschaft besieht, davon Wissenschaft hat? Sollte vielleicht die Natur deS Geheimnisses von der Art seyn, daß die Entdeckung desselbigen nothwendig fürchterliche Folgen nach sich ziehen müsse? Man trägt sich mit allerlei) Erzehkungen, wodurch manerweisen will, daß allen denjenigen die etwas ausgeschwätzt haben, ein grosses Unglück begegnet sey. Dieses ist in der That einfältig, wofern insonderheit, ihrem eigenen Vorgeben nach, Leute genug unter ihnen sind, die vermöge ihres hohen Standes über alle Verfolgungen ihrer Gesell­schaft weit erhaben smd : und niemand wird wohl so thöricht seyn zu be­haupten, daß die Freymäurer die Verräther ihres Geheimnisses auch in der Ferne bestrafen, und ihnen, wie sich manchmal angebliche Zauberer gerühmt haben, die Augen ausstechen, oder einen plötzlichen Todt verur- facherr könnten, wenn die Personen die es betreffen sollte,' gleich abwesend» ftyem '-Niemand hat auch bisher das geringste, das von Erheblichkeit wä­re,^ausgeplaudert: und selbst Leute die sich aus bloser Neugierde in die Gesellschaft begeben haben, sind doch hernach nicht zu vermögen gewesen, ttwas von demjenigen was den Orden betrift, zu entdecken.

Man hat verschiedne Mittel die Geheimnisse zu entdecken. Hieher gehört eine genaue Bekantschaft, ein langer Umgang, und eine besonder Freundschaft. Da man einem Freunde, den man wenigstens durch die Länge der Zeit hinlänglich hat kennen lernen, zuletzt nichts mehr zu ver­schweigen pflegt, so sollte man glauben, daß durch diesen Weg die Sache endlich hätte entdeckt, und weil die Menschen gar zu gerne ein mit Mühe ausgeforschtes Geheimnis verrathen, der Welt offenbahrt werden müssen. Aber dieser Weg den unstreitig viele eingeschlagen haben, ist bisher vergeb, sich gewesen. Ein anders Mittel das auch fruchtlos geblieben ist, ist der Wem. Ich habe aber Leute gesehen, die vermöge des übermäßigen Wems allerlei) Schandtaten ungefragt bekannt haben, und dennoch den diesem Punkt so sehr man sich aller möglichen Umwege und List bedient habe, beständig stumm geblieben sind. Das dritte Mittel ist die Liebe jedermann weis, wre sehr ein Frauenzimmer das Hertz desjenigen, der in sie vttucht ist, m Händen hat, und tausend Gelegenheiten findet, ihren Lieb'.

Haber