Ausgabe 
21.6.1768
 
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vnd Nachrichten, ' r >

rung, oder eines abzustellenden Misbrauchs auf das deutlichste ein , und quält sich eine lange Zeit die gehörige Mittel dazu zu finden , und schlagt nach langem Nachdenken doch wohl eins ein, das entweder die gehörige Wmckung nicht thut, oder gar das Gegentheil hervorbringt, / welches man nicht nöthig gehabt Hütte, wenn man Leute Hütte .fragen wollen, die genau genug von der Sache und den Umstünden unterrichtet sind, und de­nen ihre Erfahrung ein bewahrtes Mittel ohne Mühe an die Hand giebt, das der Gelehrte ost mit dem schärfsten Nachdenken nicht httausbringtk

Fragment von der Geschichte des Zadrg, aus dem Französischen.

Aadig/ ein junger Babylonischer Philosoph, gieng an den UferndeS Euphrats und klagte, voll Verzweifilüng, die Vorsehung, die ihn stetS verfolgt-, heimlich an. Indem begegne« ihm ein Einsiedler, dessen weif- ser und ehrwürdiger Bart bis auf den Gürtel herabhieng. Er hielt eia Buch in der Hand, worinn er sehr aufmerksam las. Zadig blieb stehen, und machte ihm eine riefe Verbeugung. Der Einsiedler grüßte ihn mit ei­ner so edlen und sanften Miene, daß Zadig begierig wurde, sich mit ihm zu unterhalten. Er fragte ihn, was er für ein Buch lest ? Das Buch veö Schicksals, antwortete der Einsiedler; wollt ihr auch etwas darinnen lesen? Er gab das Buch Zadigen in die Hande, welcher, so erfahren er auch in vielen Sprachen war, reinen einzigen Buchstaben in demselben er- rathen konnte. Dieß vergröfferte noch seine Neugierde. Ihr kommt mit fthr verdrüßlich vor, sagte der gute Vater. Ach! riefZadrg, ich habe Ursache dazu. Wenn ihr mir erlaubet, daß ich euch begleite, erwiederte der Alte, so werde ich euch vielleicht nützlich seyn. Ich habe schon oft in den Seelen der Unglücklichen Empfindungen des Trostes ausgebreittL. Zadrg empfand in sich gegen das Ansehen, gegen den Bart, und das Buch des Einsiedlers viele Ehrerbietung. Er fand in seinem Umgang e, daß er erhabene Einsichten hatte. Der Einsiedler sprach vom Schicksale, von der Gerechtigkeit, von der Moral, von dem höchsten Gute, von der menschlichen Schwachheit, von den Tugenden und den Lastern m'vt einer

lebhaften und einnehmenden Beredsamkeit, daß sich Zadig dur O einen Unwiderstehlichen Reitz gegen ihn hingerissen fühlte. Er bat ihn instan-

B b - digst,