Ausgabe 
21.6.1768
 
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svv Giesfische wöchentlich - gemeittttützr'ge Anzeigen

von allen Kleinigkeiten des Landes einziehen, und insonderheit andre Leute, die dergleichen Kenntniße haben, fleißig anhören. Gemeiniglich fordert man nur einen Bericht von dem Landbeamten, ohne zu bedencken, daß dieser ost zwantzig bis dreyßig Dörfer unter sich, und eben dadurch so viele andre Geschäfte hat, daß dieser Sache unmöglich mit gehörigem Flerß abgewar- Ut werden kan. Wenn aber das Policey- Collegium , wofern dicß die Umstände in einem Staat verstärken, sich selbst mit dieser Sache abgeben wollte, so könnte weit mehr Gutes gestiftet werden. Man könnte nicht nur einen jeden Schultheiß eines Dorfes, sondern auch den Pfarrer, der oft mehr Einsichten hat, als die Bauren eines gantzen Dorfes, anweisen, daß ein jeder jährlich einmahl oder zweymal berichtete, was er in seine» .Gegenden zur Verbesserung und Aufnahme des Landes wahrgenommen, was er vor Misbräuche und Unordnungen bemerckt hätte, und was er vor Mittel am dienlichsten erachtete, dieselbige abzustellen , als worauf mehr als auf das bloße Verbott ankommt. Wenn dieses m einem gan- tzen Land einige Jahre über fortgesetzt worden , so würde das Policey-Col- tegium eine recht ausgebreikete Kentniß des Landes bekommen, neue sich auf jede Gegend schickende Verordnungen machen,, und in der Folge der Zeit, nachdem sich etwa die Umstände änderten, auch Aenderungsn in den Verordnungen treffen können, und zu einer jeden Zeit auf das genaueste von allen Kleinigkeiten des Landes, davon viele oft sehr große Folgen ha­ben, benachrichtigt seyn. ES ist nicht zu leugnen, daß das Collegmm nuf diese Art manche abgeschmackte Aufsätze, unverdaute Einfälle, und chimärische Projekten zu lesen bekommen würde. Allein unter der Menge derselbigen würde doch auch manches Gute seyn , das man herausnehmen und einsühren könnte. Auf diese Art könnte ein Land auch in vielen andern Stücken zur Aufnahme gebracht, insonderheit das Cameralwesen verbessert werd en. Es fehlt Gottlob l an Leuten die redliche Absichten haben, und alles gern gut sehen möchten, noch nicht so sehr, als sich manche schwepnrck thige einbilden. Es fehlt auch nicht an Leuten die Einsichten und Ver­stand genug zur Einrichtung eines Staats im allgemeinen haben. Allein es fehlt gemeiniglich an einer genauen Kentniß aller kleinen Umstände des Landes, welche Leute, deren Geschäfte sie allzusehr in der Studirstube hal­ten , auf keine sichrere und leichtere Art erhalten können, als wenn man andrer Leute Nachrichten, die sie aus der Quelle, bey der sie gegenwärtig sind, selbst schöpfen können, sich vorlegen läßt, und dieselbige so gut als Möglich ist, benutzet, Mn steht ost die Notwendigkeit einer Verbesse­

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