Ausgabe 
19.7.1768
 
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und Nachrichten« -zr

terstadt aufhielt, vott un gefahr bekannt und hat u Gelegenheit ihn fast alleTa- ge, wenn ich wollte, in einer Gesellschaft anzutreffen, in die es mireben fi> oft zu gehen erlaubt war. Wenn ich aufrichtig seyn will, so muß ich ge­stehn, daß ich etwas gegen ihn empfand, das ganz von dem unterschieden war, was ich vorher gegen Mannspersonen empfunden hatte,. dieß war die Ursache, warum ich nunmehr die Gesellschaft, worinn ich ihn antraf, mehr als alle übrigen besuchte. Und da ich ihn auch allezeit fand, so über* redte ich mich, daß er auch nicht gleichgültig gegen ^mich wäre, und ich irrte mich gar nicht. - Fürchten Sie sich nicht mein Herr, Sie sol­len keine Liebesgeschichte hören, sondern ich will ihnen kurz sagen-,; daß er um mich förmlich anhielt, daß mir meine Eltern allerhand Gegenvorstel- .lungen und ihm viele Einwendungen machten , warum sie mich noch nicht verheyrathen könnten; daß ich mich aber durch nichts abhalten ließ, und daß meine Eltern endlich einwiüigten, aber auch mit der Bedingung, daß ich alle üble Folgen einer übereilten Wahl mir selbst zuzuschreiben hatte. Er wurde also mein Mann und ich seine Frau. Ich liebte ihn sehr, und es kam mir damals vor, als wenn er mich nicht weniger liebte. Er be­kam gleich ein Amt in seiner Vaterstadt, einem kleinen Städtchen, inhie- siger Gegend , wohin ich ihm folgte, und wo ich gegenwärtig bin. - Wollte GOkt, daß ich das garstige Nest in meinem Leben nicht mit ei­nem Auge gesehn hätte. -

Sie werden nicht wissen , was ich will; weil ich dasjenige noch nicht gesagt habe, was ich eigentlich sagen wollte. Sie sollen es gleich er­fahren. Die Geschwätzigkeit ist nicht so wohl das , was unsre Erzehlun- gen lang macht, als das Unvermögen, sich kurz zu fassen, und doch nichts wichtiges zu vergessen; es ist wahr, die Mannspersonen haben da­rinn Vie! zum voraus. Nunmehr komme ich denn zur Hauptsache.

Ich habe ihnen gesagt, mein Herr, wie vergnügt und nach Wunsche ich zu Hause lebte; ich stellte mir nichts gm'ngers vor, als nunmehr bey mei­nem Manne wenigstens noch zehnmal vergnügter zu leben. Allein ich war kaum ein Viertheiljahr da, so wünscht ich mich schon wieder nach Hauß, und dieß war kein blosser Wunsch , den ich etwa aus Humeur gethan hätte, sondern er ist durch erschreckliche Ursachen veranlasset worden. - Ich muß Ihnen im vorbeygehen sagen , daß ich erst 20. Jahr alt bin; um de­sto empfindlicher war ich gegen Sachen, die mir noch nicht begegnet wa­ren. - Mein Mann hatte noch seine Mutter, eine Schwester, eine alte Baase und eine alte Magd, die aller ihrer abscheulichen Laster halben doch nicht durste abgeschast werden, weil man sich an ihr zu versündigen glaubte,

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