Ausgabe 
13.12.1768
 
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Uttd Nachrichten-

Glückseligkeit hatten, das Original zu hcyrathen, und daß sie der Tugend mcb£ den Muth benehmen, indem sie demjenigen Charakter, den sie vor- ziehen, das Lasier ganz nothwendig machen.

Allem sie handeln gar oft nach einem andern Grundsätze, welcher, wenn er auch gleich nicht eben so unglücklich und abgeschmackt isi, doch groses Elend nach sich ziehen kann.

Wenn der 2Hs schweifende ausgeschlossen wird , so kann man ge­wiß schliessen, daß höhere Versiandesfahigkclten zur Wahl bestimmen sol­len» Em Mann von feinem und grosem Verstände,/ ist in der That ein sehr würdiger Charakter; und man hat den Frauenzimmern allezeit gera- lhen, denselben allen übrigen vorzuziehen, indem er die Fähigkeit in sich enthalt/ uns diejenige reine, erhabne, und beständig daurende Glücksebg- leit zu schenken, welche allem eines vernünftigen Wesens würdig ist. Al­lein ich halte es für sehr wahrscheinlich, daß dieser Rath, so vielen guten Anschein er auch hat, oft aus keinem andern Grund isi gegeben worden, als deßwegen, weil er der Eitelkeit des Schriftstellers sehr schmeichelte, Der alsdenn eitel und in sich verliebt genug war, sich zu überreden , er schildere seinen eignen Charakter, und errege dadurch den Neid und die Be­wunderung seiner Leser. Indessen scheinen aber die Frauenzimmer durch­gängig diesen Rath zu billigen, und vermuthlich geschieht dieses aus einem ähnlichen Grunde; denn jedes Frauenzimmer bildet sich alsdenn ein, daß, die Gröse und die Vorzüge des Geistes über alles andere schätzen und ver­ehren , nichts weniger sagen wollte, als selbst einen solchen Geist be­sitzen.

Da derjenige, welcher überreden will, sich mit aller Gewissenhaftig­keit in acht nehmen soll, nicht zu beleidigen; so will ich nicht sagen, daß eS Frauenzimmer gebe, bey denen die vorzüglichen Schönheiten eines erhab­nen Verstandes sich nicht zeigen sollten, und welche eben deßwegen nicht im Stande wären, das Vergnügen auf ihrer Seite zu leisten, das der seine Verstand gewähren kann. Und dennoch glaube ich, daß es noch ei­ne andere zum ehelichen Glücke noch weit wesentlichere vortrefliche Eigen­schaft siebt, nemlich das gute Herz.

Ich weis daß das gute Herz / sehr oft in dem Gewand der Thor-- heit ist verächtlich gemacht worden; und daß die Thdrheir mit demNamen des guten Herzens isi beehrt, und bezeichnet worden.

Unter dem guten Herzen verstehe ich nicht jene biegsame Schwach­heit des Geistes, welche kemer Bitte widerstehn kann, und einen Mann

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