Ausgabe 
11.10.1768
 
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und Nachricht«».

Dott AräutcrsäDtt.

Aus den Braunschw. Gelehrten Bevträgen.

Da mich meine Beschäftigung, die ich als Arzt habe, täglich durch die Gaffen unserer Stadt und in viele Hauser führt, so habe ich nicht selten Gelegenheit, verschiedenes zu hören , welches mir zu manchen Betrach­tungen Anlaß giebk, und nichts ist meinen Ohren vcrnemlicher, als wenn von Krankheiten geredet wird. Ich halte nicht davor, daß ich in diesem Stücke etwas vor andern Aerzten zum voraus habe, sondern glaube viel­mehr daß die Worte krank fän eine besondere Tension oder zitternde Bewegung der Gehörnerven aller Aerzte mache. Der Beweis hiervon soll­te mir nicht schwer werden. Ich finde unter andern bet) meinen Anmer­kungen , die am mehresten gegründet und als eine ewige Wahrheit bestäti­get sind, daß es in keiner Wissenschaft mehrere Pfuscher gicbt, als eben in der ArzueygUahttheit, und man wird selten eine Straße gehen, daß man nicht eimge Paar bei) einander antrift, welche ihre kränkliche Umstän­de sich erzählen, und sich Raths bey einander erholen. Selten wird man finden, daß nicht eine oder Die andere einige Mittel anpreiset, welche dieser Frau Gevatterinn, oder jener Bekanntmn die vortreßichsten Dienste gelei­stet haben Men. Jetzt geht es über die Krautersafte her, jedermann prei­set sie ohne Rücksicht auf die Beschaffenheit des Körpers und des kränkli­chen Zustandes desselben dem andern an, und wir sind hier viel zu geneigt, alles für eine UmveMarzeney anzunehmen. Auf diese Art kommt eS, daß oft die herrlichsten Mittel die widrigsten Mürkungen bcmrbringen> Da sie unter gehörigen Umstanden, und nach vorhergegangenem Rath ei­nes vernünftigen Arztes nicht anders als heilsam hätten ftyn können. Die m- hreste Zeit wird dieseraber ganz undgar vernachläßiget, undder Arzt Muß sich es oft gefallen lassen, daß eine alte Tante oder Großmama beyUnpaß- lichkeiwn M einsprechm darf, und daß Der Rath der Personen , welche in der Familie wie Orakel verehret werden, mehr gilt, und weit eher befol­get werde, als der, den er giebet, und Der Arzt würde schlecht habey fah­ren, wenn er so unbescheiden wäre, diesen zu widersprechen. Viele be­fragen den Arzt gar nicht, ob Die Krautersäfte Ihnen zuträglich sind oder nicht, eben so wenig man ihn fragt, ob es nöthig fey sich zur Ader zu las­sen, oder ein Laxsirrnittes einzunchmen. Diesen zu Gefallen will rch einig- Regeln geben, von deren Befolgung sich diejenigen, welche sich dieser Lüp bedienen, eine erwünschtere Würküng virsprechen können.

Vorher wird man mir aber erlauben^ Daß ich einige AmnerkunW Mache, welche ich nicht gut weglaffen kann.

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