Ausgabe 
11.10.1768
 
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Ich glaube, dB die Kleiderpracht an manche -Orte, wo vorher wirk- lich wilde und grobe Sitten geherrscht haben, eine poiirte Lebensart em- aeführthat. Wenn Sie mich (ragen, rperpieft manche -Orte sind, so werde Ich Ihnen gleich sagen : Unsre Universitäten l Aus den meisten herrschte vor dreyssig, und auf erni^nnoch vor wenig Jahren eine solche Nngebundenheik und wahre, pöbelhaste'Gmbhcit, daß Leute Die. sich sonsten um Universitäten im geringen nichts bekümmern, davon zu ixpen, und sich darüber lustig zu machen wußten. Dieses hat sich gegenwärtig auf Den meisten Academien gröstentheils verlohren, undichLlauoe Die Kleiderpracht ist Schuld daran, wenigstens hat sie den Anfang zur Verfeinerung der Sitten gemacht. Jene grobe viehische Lebensart herrschte nur so lange, als die grosen dreyeckigten schwartzcn Fedcrhüte, und die kurzen Röckchen, die beyderseits von keiner Dresse was wußten, noch Mode waren. Und sich so tragen, und nach damaliger Art leben, schien und tpar vielleicht un­zertrennlich. Durch Studenten von fremden Academien,, oder durch Edel­leute, die von Hause, oder von Hose den Putz auf Die Universität mit- brachten, ist endlrch die ckte Tracht und mit ihr auch die alle Lebensart ab- geschast worden. Denn da ein muthiger Student den galanten Entschluß faßte, seinen vorher wüsten Kopf zu frifiren, und zu pudern, feinen neuen Hut mit weissen Federn zu schmücken, und sein Kleid mit Gold zu besetzen, so gieng auch in seiner Seele eine merkliche Veränderung vor. Er fand, daß sich zu dreser rieueff Tracht die alten Säten gar nicht mehr schickten ; er kam nun, weil man sich vor dem wilden Thier nicht mehr fürchtete, in : andre gute Gesenschasten,1 nach deren Sitten er sich zu bilden anfieng. Er "bekam Nachahmer in dieser Sache, wie man sie in andern gehabt hatte. Die Alten der wüsten Tracht treugebliebene Studenten zogen nach und "nach unwillig ab; die Neuen wüsten es nicht besser, sie machten es mit, wie sie es antraffen; .und so wurde die Galanterie Der herrschende Ge­schmack. Die Kleiderprachr hat also sreylich den Studenten keine grose Vortheile gebracht, und kann sie auch nicht bringen. Ihr Aufwand -wurde vielmehr ungleich gröser. Allein wenn sie doch Schuld war , daß das-tolle--Leben, und besonders die Schlcigereyen durch sie aufgehört haben, so ziehen sie immer noch Vortheil von ihr. Das kostbarste ^Kleid läßt sich- noch eher anschaffen, als eine Handvoll Finger, die man «n Duell, verlohren hat. - *

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