Ausgabe 
11.10.1768
 
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Mesflsche wöchentlich- WWW Knzeigen unö Nachrichtm Ein und Vierzigstes Stück

Dienstags den nun Octvbr. r?6S.

MttHochfürstl. Hessen- Darmstädtisther gnädigsten Erlaubnis.

Mein Herr!

K^hr letzter Brief war mir sehr angenehm. Die Gedanken von der Kleiderpracht haben mir ausserordentlich gefallen, und ich glaube, jtiäl) nichts so richtiges und schönes darüber gelesen zu haben. Die Kleiderpracht taugt unstreitig im Grunde nichts , ist dem Staate weit mehr schädlich, als zuträglich, und der erste Schritt, den der Luxus in eia ihm vorher unbekanntes Land thut. Es ist gleichfalls schr wahr, daß eS nie bey diesem ersten Schritt bleibt, sondern tausend folgen unaufhaltsam nach. Und wenn einmal dieses erste Bollwerck der alten Einfalt niederge- rissen ist, so öfnec man dem Luxus auch alle übrige Eingänge. Dieses htt alles seine gute Richtigkeit, und die Erfahrung beweist es täglich. Ich unterstehe mich auch im geringsten nicht, Ihnen, mein Herr , zu widerspre­chen; allein Sre werden mir erlauben, etwas von dieser Materie noch zu sagen, das beynahe wie em Widerspruch für Sie, und wie ein Lob für die Kleiderpracht aussieht/ aber im Grunde es nur halb oder gar mcht ist.

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