Ausgabe 
8.11.1768
 
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Zl8 Gl'efflMe wochntlich--genwmnötzige Anzeigen

in sich enthielte. Bald habe ich Abwechselungen, bald Erquickungen- thig, bald seufze ich unter der Last des Unglücks, die ich ohne fremde Hülfe nicht vertragen kann, bald sitze ich im Glücke das mir eckelhast werden würde, wenn ich niemand hatte, der es NN mir theiit.

. Dieses alles macht mir den Umgang mit andern unentbehrlich. Al­lem eben'diese Nothwendigkeit lernt mich sehr behutsam seyn. Es entsteht Wr -die wichtige Frage, welche Leute sott ich mir t» meinem Umgang wählend

Ich weis schon auS vielen traurigen Erfahrungen, wie sehr viel auf die Wahl des Umgangs ankömmt. Ich weis , wie viele sich schon in dieser Wahl übereilt haben und dadurch unglücklich geworden sind. Wenn ich mit lasterhaften Leuten umgehen wollte, so würde ich mich in eine au­genscheinliche Gefahr begeben, mit ihnen lasterhaft zu werden. Ich wür­de ihr Veyspiel beständig vor Augen haben und ihrs Artju denken nnd zu handeln nach und nach zu der meinigen wachem Und wollte ich mir un­wissende und ungesittete Leute zu meinen Gesellschaftern wählen; so würde ich ebenfalls die schlimmsten Folgen davon zu befürchten haben. Ich wür­de von ihnen weder Weisheit, noch gute Sitten, weder gut denken noch gut leben lernen.

Der Endzweck also, warum ich die Gesellschaft andrer Leute suche, muß sich nicht aus mein Unglück und meinen Schaden gründen; sondern auf gewisse Vortheile, deren ich dadurch auf eine erlaubte und rechtmäsige Art theilhaftigiwerden kann. Dieses entscheidet auf. einmal alles, was ich bey der Wahl deiner Gesellschaften, zu beobachten habe.

iw Mein Umgang seh deswegen immer mit vernünftigen, mit rechtschaf- . <nen und tugendhaften Leuten, bey diesen wird mir kein Augenblick unbe­nutzt und unbelohnt dahin fliehen. Sie werden mich weiser und verständi­ger machen und mich unterrichten, wie ich als ein Geschöpf leben müsse, das auf dem Wege nach der Ewigkeit wandelt. Durch ihr schönes Bey- spiel aufgcmuntert, werde ich die Tugend lieben lernen und selbst tugend­haft werden. Sie werden mich für Thorheit und Laster schützen und mich nur zu guten und rechtfchafnen Thaten anführen , wodurch ich nur allein den Endzweck meines Lebens erreichen kann. Wie gut muß es mit sol-

,,chen Menschen umgehen seyn, von denen man nichts böseS, nichts schädli­ches zu befürchten hat, deren Reden eben so unschuldig und lehrreich als ih­re Handlungen sind? Ich werde es mir demnach , so lang ich lebe, z« einem unverbrüchlichen Gesetze machen, nur den Umgang derjenigen zu su­chen,