Ausgabe 
7.6.1768
 
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184 Siesstsche wSchentlich * xeMeinnötzige Anzetzen

Diente. Ich selbst habe die Beängstigungen, welche bey anhaltenden Ge­schafften mich ost befielen, und viele andere Beschwerden von der Zeit an jn viel geringeren Masse empfunden, da ich den Kaffe mit dem Rockenge- tränke verwechselt. Man würde mir und vielen Familien, die meinem Rathe gefolgte siyd, einen wirklichen Tort thun, wenn man uns nüthigen wollte, den Kaffe in unfern Hausern wieder in seine alten Rechte ju setzen. Die böse Gewohnheit, den Magen der Kinder täglich zweymal mit Kaffe zu füllen und zur Verdauung unfähig zu machen, kann nun in den Häu- fem keine traurige Folgen mehr haben, wo man den Rocken eben so schmack­haft findet alS den Kaffe, welchen nur das Vorurtheil zu einer besondern Panacee gemacht hat. Den Kindern schmeckt der Rockcntrank durchgän­gig so angenehm, alS er ihnen in der That heilsam ist.

. ES ist ausgemacht, daß dieses Getränke nicht unter die neuesten Er­findungen gehöre, und daß der Versuch damit schon vor vielen Jahren ge­macht worden. Nur Schade, daß man sich damals nicht bemühet, den Nutzen desselben weiter auszubreiten. Wir wünschen zum Besten des Menschlichen Geschlechts von ganzem Herzen , daß die neuern Versuche Mehrern Eindruck machen, sich länger erhalten und alle Vorurtheile gegen ein so angenehmes und nützliches Getränke gänzlich vertilgen mögen.

Das r ste Vorurtheil baß der warme Rockentrank der Ge­sundheit schädlich seyn sollte, ist im Vorhergehenden sattsam wi­derlegt.

K Das 2tc/ baß er Dvrchstlle verursache/ ist eben so ungegrün- det. Ich habe zwar diesen Erfolg anfänglich selbst in meiner Familie be­merket, und von andern ein gleiches erzählen hören. Allein diese Wir­kung ist mehr der Veränderung deö Getränkes überhaupt, als den Eigen­schaften des Rockens zuzuschreiben. Sie verliert sich beym fortgesetzten Gebrauch gemeiniglich schon vor dem dritten Tage. Man kann dem Ro­cken um so viel weniger eine abführende Kraft deylegen , da die Hülse, welche ihn umgiebt, und mit dem darinn enthaltenen Mehl gebrannt wird, etwas Stärkendes an sich hat, undgeröstete Sachen überhaupt ehe Durch­fälle heben, als verursachen.

Das ne Vorurtheil ist lächerlich, aber desto schwerer zu heben, irfan glaubt, einem Gast seine gebührende Ehre zu schmälern, wenn man ihm einen andern, als Rassetrank , vorfttzet. Und wer seine Ehre im hohen Preiß der gcnvßnen Nahrunqsmlttel suchet, muß arrch schlechterdings eine Bewachung mit Rocken sm höchst beleidigend anse-