Ausgabe 
7.6.1768
 
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ansehen. Ist denn aber mehr Ehre darinn zu suchen, wenn ich die üble Eaune eines MiWchtigen, oder eines mit Vapeurs gequälttn Frauenzim­mers, durch den Kaffe verstärke, als wenn ich das Uedel meiner Gaste durch einen gesundem und eben so schmackhaften, nur nicht eben so kostba­ren Trank vermindere? Wir haben von den Türken die Gewohnheit an­genommen, unfern Gasten Kaffe vorzusetzen; warum folgen wir ihnen aber nicht auch darinn, daß wir bey Besuchen die Produkte unserS eignen Vaterlandes zum Genuß anbiethen? Warum müssen wir die Materialien tu unfern warmen Getränken erst aus andern Reichen und Wetttheilen zu­sammen holen, da unS die Vorsehung in unferm Vaterlande eben so reich­lich mit schmackhaften Nahrungsmitteln versorget hat? Ist eS etwan noch eine zweifelhafte Sache, daß die einheimischen Produkte jedes Landes den Cmwohnern desselben am meisten zuträglich und ihrer Natur am allerge- maffesten sind?

Ohne unS bey Vorurtheilen länger aufzuhalten, wollen wir kürzlich daS nothwendigste von der Zubereitung des Rockens zu dieser Ab­sicht anführen. ES wird darzu der beste Rocken gewählt, und der zum Brennen bestimmte Vorrath rein gelesen, mit lauwarmem Wasser so lange gewaschen, bis dieses trübe wird , damit alle Unreinigkeit herauskomme. Hierauf wird er mit heißem Wasser ein wenig abgcbrühet, wodurch er al­les Unangenehme verlieret. Nachdem er völlig wieder getrocknet ist, wird er mit Vorsicht bis zu einer dunkeln Braune gebrannt, und alßdann, wie der Kaffe, gemahlen und gekocht. Weil ich diese Vörtheile bey den ersten Versuchen vernachläßiget hatte, war mein erster Rockentrank für verwöhnte Zungen sehr abschmeckend gerathen. Ich merkte bald, wor­an der Fehler lag und ließ den künftigen Rocken rein auslesen, und abwa­schen. Der Geschmack verbesserte sich, er that aber noch nicht allen Ge­nüge , die ihn auf diese Art kosteten. Die Ueberzeugung von den vielfäl­tigen Vortheilen, die ich in Absicht der Gesundheit und der Sparsamkeit von der Einführung dieses Getränkes zu erwarten hatte, reizten mich zu al­len Versuchen, die mir von andern vorgeschlagen wurden, oder selbst ein­fielen. Ich vermischte die Hälfte Rocken mit eben so viel Kassebohnen, und fand, daß das auSgeschwitzte Oel der Bohnen den Rocken sehr schmackhaft gemacht hatte. Den Kaffe ließ ich wieder heraussuchen, und nun den Rocken allein kochen. Jedermann trank ihn für Kasse. Dieser aber hakte in Gesellschaft deS Rockens von seinem eigenthümlichen Ge-4 schmack so viel vcrlohren, daß er für sich Mine nicht mehr zu genießen