Ausgabe 
6.12.1768
 
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und Nachrichten. 59 r

Serk; das heißt:' Ist itzt eine von den wichtigen Personen da, «Ederen Gunst er strebt, so wird er vollkommen nach ihren Gesinnungen reden, er wird das ganz und gar seyn, was sie sind. Gleich drauf soll diese Person nicht mehr bey ihm gegenwärtig seyn, sondern eine andere ganz in der Den­kungsart von der vorigen verschiedene aber doch eben so wichtige Person, soll nun zugegenseyn,nun wird manüberdie schnelleVerwandlungerstaunen,diemikihm vörgegangen ist, er ist ganz das Gegentheil von allen, was er eine Minute vorher gewesen, er verlaugnet völlig seine vorher geäußerte Grundsätze,schilt das mit vie­lem Eifer, was er kurz vorher mit so meiern Entzücken gelobt hatte; wenn er vorher tugendhaft war, so ist er itzt lasterhaft. Nicht als wenn sein Herj wirklich so verdorben wäre, daß ihm ein solcher Uebergang so wenig kostete, nein; Lrrcrl hat dabey ein gutes Herz, wenigstens hält er, vielleicht auch nur aus politischen Ursachen, viel auf die äusserliche Ehrbarkeit. Alleinum sich beliebt zu machen, thut er alles. Wenn Leute , um deren Gunst er sich bewirbt, und die doch von verschiedener Denkungsart sind, zugleich da sind, - dann sollte man sehen was ihm seine Politick für Kunstgriffe eingibt, um sich glücklich aus dieser gefährlichen Stellung zu reissen; welche Beredsam- keit, mit welcher er eine Sache empfiehlt und zugleich tadelt um sich mit einemmal bey zwey verschiedenen Köpfen zu insinuiren. Wenn Lucü von einem weiß, daß er nur einigermassen mit einem wichtigen. Mann , an des­sen Gunst ihm gelegen ist, in einiger Verbindung steht, so wird dieses sein aantzes Betragen mit demselben bestimmen. Alles was er in dessen Gegen­wart thut, oder spricht , wird dahin abzielen, daß es allenfalls zu seinem Vortheile jener vornehme Mann wieder erfahren kann. Man trift ihn also niemals in seiner wahren Gestalt an, allein allezeit wird er, wenn wir eint* qermaffm etwas bedeuten sehr gefällig in allen Stücken gegen uns seyn, und uns nicht eher widersprechen, oder uns eines bessern belehren, als wenn wir allenfalls ein schmeichelhaftes Compliment,. das er uns gemacht hat, ablehnen wollten. Ganz vertraut wird er niemals. Wo es sein Vorkheil haben will, da scheint er es zwar zu seyn ; allein seine wirckliche Denkungs­art wird er niemals wagen zu entdecken, sein Herz wird er keinem Menschen entdecken. Auch hat er keinen wahren Freund. 1 Denn wenn jemand auf irgend eine Art in der Situation wäre , ihm entweder schaden oder nu- fcen zu könnet so wird er nicht anders, als auf seine gewöhnliche Art mit ihm umgehn; und ist er nicht in diesem Zustande,, so wird er sich auch aus seiner Bekanntschaft nichts machen. So viel Zwang sich auchLucilanthun muß-beständig sich nach.- den verschiedenen Charakteren der Menschen,

CccL z denen