Ausgabe 
3.5.1768
 
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i4i Giessifch^ wöchentlich gemeinnützige Anzeigen

gemacht hatte, ohne seiner Gemahlin, die diese ganze Woche über krank war, etwas davon wissen zu lassen, kam ein Befehl, daß man die Sache so genau als möglich untersuchen, und alsdann diejenigen Mittel ergreifen sollte, die man für die sichersten hielte, hinter die Wahrheit zu kommen. Zu gleicher Zeit wurden alle hohe Collegia versammelt: die Prinzen, die Herzoge, die Pairs und dir Baronen fanden sich ein. Noch niemals war die Gesellschaft so schön gewesen, aber noch niemals hatte sich auch eine Sache von so groser Wichtigkeit gezeigt. Der gute Heilige, der dieses al­les vorgehen sah, sagte, daß piuto folgende Rede an die Versammlung gehalten hätte: ,, Meine Theuerste und Vielgeliebteste! Ich besitze zwar mein Königreich nach dem Decrete des Himmels und des unvermeidlichen Schicksals, welches ehedem die Regierung über dasselbe hatte; und dieses Decket ist zwar unwiederrufiich, Kraft dessen ich weder dem Urtheil der Götter noch der Menschen unterworfen bin; weil aber diejenigen, die sich den Gesetzen unterwerfen können, und ein fremdes Urtheil höher zu schätzen wissen, als ihr eignes, allezeit am klügsten verfahren: so habe-auch ich be­schlossen-, eure Meynung zu veröehrjren, damit ich weiß, wie ich mich in ei­ner Sache zu verhalten habe, die unserm Reiche mit der Zeit einen nach­theiligen Ruf verursachen körüite. Alle Seelen der Männer, die in unsren Staaten ankommen, sagen, daß ihre Weiber die Ursachen davon waren. Und da mir dieses unmöglich vorkömmt, so befürchte ich sehr, man möchte, wenn wir ihnen sogleich auf ihre Aussagen glaubten, hernach von uns als von allzu grausamen Göttern reden; und wenn wir ihnen nicht glaubten, so befürchte ich wieder, man möchte überall sagen, daß die Liebe zur Ge­rechtigkeit dasjenige nicht seye, was uns am meisten rührte. Es ist unstrei­tig viel Leichtsinn, auf die blose Erzählung dieser Seelen einen Ausspruch zu thun; und auch viel Ungerechtigkeit, die Sache nicht mit Sorgfalt zu untersuchen. Nachdem ich nun dem Uebek, welches entweder die Ueberei- lung, oder die Nachläßigkeit verursachen könnte, zuvor zu kommen gesucht, und kein Mittel, welches dazu leicht genug gewesen wäre, gefunden: so habe ich euch hier versammlen wollen, damit ihr mir mit eurem Rathe bey- pehn möchtet, und damit meine Regierungauch in Zukunft allen Vor­wurf vermeide, so wie man bisher wider meine Aufführung nichts einzu- wenden hatte. Niemand war zugegen, der nicht gestehen muste, daß die Sache von der äussersten Wichtigkeit wäre, und genau betrachtet zu wer­den verdiente. Das Resultat der Versammlung war zwar, daß man die Wahrheit durch alle «sinnlichr Mrelmtdeckenmüßte, allem man fand

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