Ausgabe 
31.3.1767
 
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F-rtfttzMg her Gedanken über einige sehrgemeine Fehler geistig ^er Redner.

4) Würcklich ist eS ein sehr gemeiner Fchler, daß die Prediger in ihren Reden fast durchgängig einerley Art des Vortrags, einerley Methode beobachten, und alles, wie man zu reden pflegt, über einerley Leisten schlagen. Eine Methode, die an und für sich gut ist, verliehet viel von ihrem Werth , wenn man sich beständig an sie bindet. Die Sachen, die man vorträgt, und die Umstande, darunter sich Redner und Zuhörer be­finden, müssen die besondre Einrichtung der Rede bestimmen. Alle Ein­förmigkeit wird zuletzt verdrieslich. Im allgemeinen sind freylich die Re­geln die man befolgen muß, immer einerley. Man muß in einer jeden Rede deutlich, zusamenhängend, gründlich, lebhaft und anständig sprechen: aber die Form und die äuserliche Gestalt der Rede muß nicht immer einerley seyn. Bald nimmt man zum Eingang eine biblische Stelle, bald einen gewissen Satz, bald mit dem Text zusammenhängende Worte. Bald macht man zwey, bald drey, bald gar keine Theile. Bald erklärt man alle Worte seines Hauptsatzes, oder Textes, bald nur die vornehmsten, bald gar keine, wenn sie nämlich deutlich genug sind. Zuweilen unter­läßt man den Beweis ganz, zuweilen nimmt man Beweise aus der Ver­nunft mit zu Hülfe, zuweilen bedient man sich bloser Exempel, auf ein andermal führt man den Beweis aus der Sache selbst, wiederum auf ein andermal aus klaren Schriftstellen. Ost widerlegt man falsche Meynun- gen und Jrrthümer, noch öfter aber unterläßt man dieses. Zuweilen schaltet man hin und wieder eine gute, aber ungezwungene Lehre mit ein, zuweilen verspürt man das practische gant; bis zu Ende, zuweilen macht man gar keine Anwendung, zumal wenn die ganze Rede durchaus mora­lisch ist. Oft hangt man die Anwendung so gleich an einen jeden Thcil der Rede, oft läßt man dieselbe nur aus zwey oder drey Perioden beste­hen, oft nimmt man auch wohl die Helste der Rede dazu. Bald wendet man sich an die Frommen allein, bald allein an die Gottlosen, bald an beyde nacheinander. Zuweilen, aber nicht immer läßt man eine Art von Drohung an die Gottlosen ergehen, zuweilen aber sucht man die From­men zu ermuntern und zu trösten. Alles dieses muß abwechselnd geschehen,nicht alles in einer jeden Predigt, nicht alles immer in der nämlichen Ordnung Denn in dieser Absicht kann man sagen, daß keine Methode die beste Methode sey. Gewöhnlicher maßen aber bestehen die meisten Predigten in einer gewissen Art von Schlendrian. Es ist nur eine Form / darinnen alles gegossen

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