Ausgabe 
1.9.1767
 
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Fünf und Dreyssigstes Stück.

Dienstags den ittn September 1767.

MitHochfürstl. Hessens Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis.

Einzelne Gedanken.

^M eiches find die glücklichsten Leute? diejenige, welche weder lehren müssen, noch etwas zu befehlen haben. Wer lehren muß, muß sich auf den ungereimtesten Tadel eines jeden, auch des Un­wissendsten gefaßt machen : und wer viel zu befehlen hat, der hat un­endlich viele Gelegenheiten, sich zu ärgern, sich Feinde zu machen und sich Verdruß zuzuziehcn: und dennoch will jedermann lehren und jeder­mann befehlen.

Man kan mit vielen Leuten keine Freundschaft halten, weil sie zu unbeständig und wankelmüthig find. Man kan ihnen nichts recht machen, indem sie gleich dem Wetter im April zmanzigmal in einem Tage andrer Gesinnung sind und nicht selten dasjenige tadeln, was sie wenig Augen­blicke vorher bis an den Himmel erhoben haben. Andre sind zu eigen­sinnig zur Freundschaft, weitste nicht vertragen können, daß man mit andern Leuten, welchen sie eben nicht sehr gewogen sind, umgehen soll. Eine unbillige, aber sehr gewöhnliche Forderung, welche einen der vor­nehmsten Gründe enthalt, warum so viele Freundschaften zerrissen werden. Wiederum andre sind überlästig und unverschämt. Sie bedienen sich un-

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