vrrö klachrichterl. 4M
man wohl M ein Recht-hätte, über einen armem und hülfbedürstigen Menschen zu zürnen oder ihm mit Schimpfwörtern zu begegnen, wenn er ..... jemanden um Erbarmung anffeht. Warum sagt man ihm dann nicht mit freundlichen Worten, daß man ihm nichts geben wolle ? Ich für mein Theii glaube nicht, daß nur ein Mensch mehr ^Ehre erzeigen kann , als wenn er ein Allmosen von mir fordert und mir ssHt: ich sehe dich für allzu mitleidig und gütig an, als daß du dich über mein Elend nicht erbarmen und mir etwas zur Lindrung desselben schenken solltest. Würde es also nicht eme doppelte Unbarmherzigkeit und der allerunverschamteste Hochmuth siyn, wenn ich Pie Last dieses Armen, die gewis schon gros genug ist, noch durch die empfindlichsten Vorwürfe vergröffern wollte? Ich erkenne eS mit dem allerdemüthigsten Danke, daß mich mein gütiger Schöpfer nicht mit einem gleichen Elende und Kummer bisher hat kämpfen lassen,ich wür» de sonst vielleicht oft in Versuchung gerathen feyn, denjenigen, an meine Stelle zu wünschen, derunter einem weichen und kostbaren Kleide, wovon v der geringste Theil meinen Hunger stillen und meine Noth eme zeitlang lindern könnte, ein so hartes und unempfindliches Hci-z verbirgt, daß er mich kaum eines Anblicks würdigt, ja, ich würde ihn vielleicht oft an meine Stelle gewünscht haben, damit er nur aus eigner Erfahrung lernen möchte, wie kränkend und schmerzhaft es sey, wenn jemand , ohne von seinem Elende gerührt und durch seine Seufzer zu einem thätigen Mitleiden bewegt zu werden, an ihm und wohl gar, wie es oft geschieht mit einer stolzen und triumphirenden Mine vorbey gierige. Würde er es wohl noch für möglich halten, daß ein Geschöpf von seiner Natur so hart und unbarmherzig gegen ihn seyn könnte? O iHv stolzen mitleidslosen Seelen , setzt euch doch erstemmal an die Stelle eines Unglücklichen, und wenn euch alsdenn sein Elend noch nicht rührt» so beklagt diesen Unglücklichen nicht, sondern weint über euch selbst.
Es ist wahr, diese Bewegungsgründe zur Mildthätigkeit sind an und für sich selbst stark, sie sind sehr stark. Allein meine göttliche Religion muntert mich doch durch noch viel stärkere Bewegungsgründe auf diese liebenswürde Pflicht zu erfüllen.
GOtt lehret mich, daß ich ihm durch nichtskönnte ähnlicher werden, als dadurch, wenn ich andern wohlthate und jeder Noch meiner Brüder mit bereitwilliger Hülfe zuvor käme. Soll ich dann diese Aehnlichkeit, in welche ich durch die Ausübung der Menschenliebe mit GOtt trete, für - nichts rechnen? Ueberdies hat mir GOtt die allerhöchsten Belohnungen
E tt 3 ** verheissen,


