Ausgabe 
29.9.1767
 
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ZHS Gressische wöchentliche gemeinnützige Anzeigen

Hier muß dich deine Religion aufrecht erhalten, wenn du nicht sinken sollst, und wenn du diese nicht in diesen Umstanden zur Beschützerin wählest; so bist du in Gefahr, ein nichtswürdiger Soldat zu werden. Ausschwei­fungen und Laster, besonders diejenige, die bey der Armee im Schwange gehen, verderben die Gesundheit, die dem Soldaten zu seinen vielen ermü­denden Arbeiten unentbehrlich ist. Er muß einen ungeschwächten und zur Harte gewohnten Körper haben. Ein Mensch der durch Wollust und Un- mäsigkeit gleichsam auf seine Gesundheit losstürmt und seine Kräfte dadurch schwächt, schickt sich nicht ins Feld, ist verdrossen, ust .allzu bequem und allzu besorgt für seinen kränklichen Körper, fürchtet sich für jeder Ermü­dung und zittert für nahen Gefahren.

In deiner ganzen Aufführung hast du ferner eine ganz besondere Klugheit und Vorsichtigkeit nöthig, um die Duelle zu vermeiden, denen ein Öfsicier so leicht ausgesetzt ist. Es 'ist mir immer als etwas sehr ab­scheuliches vorgekommen, daß man die böse Gewohnheit unter den -Offi- cieren eingeführt hat, eine kleine, am öftersten nichtsbedeutende, Beleidi­gung oder Beschimpfung mit dem Degen oder der Pistole in der Faust zu rächen, gerade als wenn dieses nothwendig geschehen müßte, damit man erführe, ob der Officier muthig und tapfer wäre. Hat denn der Officier sonst keine Gelegenheit, wo er seine Unerschrockenheit bewei­sen kann? Sind denn sonst keine Mittel vorhanden, wie man ei­ne Beschimpfung rächen kann, als auf eine so verbotne Art, die die Vernunft und die allgemeine Menschenliebe nicht einmal billigt, geschwei­ge denn die Religion? Und wer giebt uns das Recht, unser Leben aufei- ne so unedle Weise in Gefahr zu setzen? Können wir es dann nicht aufei- nt weit rühmlichere Art hingeben? In dem Tode eines Duellanten an sich betrachtet finde ich nichts rühmliches, nichts grosmüthiges, nichts tapfe­res und es bleibet noch immer eine gross Frage, ob ein solcher Tod auch ein ehrlicher Tod sey. Auf eine so zweydeutige Weise sterben, das bringt warlich keme Ehre, und ein solcher Tod ist einem Soldaten unanständig, einem Soldaten,der nur zur wahren Tapferkeit und zur Grosmutb berufen ist Und gleichwohl wird es für die allerhöchste Schande gehalten, wenn ein Offiei^ er einen Duell ausschlägt. Niemand will mehr mit ihm dienen, rederman fiieht seine Gesellschaft. Man betrachtet ihn, wie man beydenHandwer- kern einen Menschen ansieht, der die privilegirten Arbeiten eines Henkers verrichtet hat. So bald er einer solchen Arbeit überwiesen worden; darf rr nicht mehr bey den Zusammenkünften erscheinen, wird er mit allen Sol- lenmtäten für unehrlich erklärt und aus der Zunft gestossen. Ich für mein'

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