r-6 Grcstsche wöchentlich - gemeinnützige Anzeigen
thut; sondern daß id) auch unter diejenigen zärtlichsten Ehegatten gehörte, die jedem Wunsche ihrer Weiber mit der größten Wil- ligkeit zu vor zu kommen suchen. Allein meine Frau übertreibt manchmal meine Gütigkeit, und muthet mir Dinge -zu, die id) ihr als ein vernünftiger Mann, der allem Ansehen nod) eine sehr zahlreiche Familie bekommen wird, in Ansehung seiner Vermögens Umständen mehr nichts als ein hinlängliches Auskommen hak, unmöglich bewilligen kann. Wenn nur eine neue Modetracht, sie mag Namen haben, wie sie will, aufkommt, so will sie sie gleich mitmachen. Bald soll ich ihr einen Kopfputz anschaffen, der meine Einnahme von einigen Wochen wegnehmen würde, bald soll id) ihr einen Anzug Spitzen kaufen, der mich eine ganze quartal Besoldung kosten würde, bald verlangt sie einen neumo* dischen Stoff zum Schlender, den die hochwohlgebohrne Frau von . . . nid)t kostbarer trägt. Und wenn ich ihr dagegen tausend vernünftige Vorstellungen mache, wenn ich ihr sage; Mein Kind, ich kann dich, meiner Einnahme nach , nicht als eine Prinzeßin kleiden, ich müßte ungeheure Schulden machen, wenn id) dein Verlangen stillen wollte, unsre Kinder würden dadurch in die größte Armuth gestürzt werden, dergleichen Kleider sind über deinen Stand, du würdest dich dadurch bey allen vernünftigen lächerlich machen und dir nothwendig den Schimpf einer schlechten Mutter, einer verschwenderischen Haushälterin und überhaupt eines eitlen Frauenzimmers zuziehen; wenn.ich ihr.dieses alles sage,, meinen Sie wohl,, meine Herrn, daß id) sie dadurch auf andre Gsdanken bringen und zu ihren mütterlichen Pflichten zurüekführen könnte? Ich darf ihr nur das geringste Abschlägen, das sie gerne haben möchte; so wird sie den Augenblick gleich- gültig gegen mich, macht mir in vier Wochen kein freundliches Gesicht, und wenn ich ihr eine Bitte von Wichtigkeit abschlage; so fallt sie manchmal gar in eine Art von Epilepsie. -Ohnmächten sind etwas allzu gewöhnst* ches bey ihr, als daß id) sie hier anführen sollte.
Urtheilen Sie nunmehro selbst, Meine Herrn , ans dieser noch sehr unvollständigen Erzählung, wie misvergnügt ich wieder meinen Willen, in meinem Ehestand leben muffe. Wenn sie eine Kunst wissen, eine solche eitle Frau auf beßre Wege zu bringen; so hoffe id) von ihrer menschen- freundlichen Denkungsart, daß sie mir und andern, die ein ähnliches LooS betroffen hat, zum Tröste mit nächstem in Ihren Blättern bekannt machen. Ja, Ihre Menschenliebe und Ihre Geschicklichkeit taffen mich als


