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reißt, aber in eiriir kurtzen Zeit wieder vertrocknet. Würcklich sind bey den wenigsten Heurathen welche getroffen werden, die Personen in einander verliebt: sondern bey den meisten herrscht eine gewisse Gleichgültigkeit ge- gen einander, (denn kein Widerwillen darf statt finden) welche blos durch die Vorstellung ein wenig vermindert wird, daß diese oder jene Person sich für uns schicke, und man mit ihr, da man doch überhaupt gesonnen zu Heu- rathen, bequem und vergnügt zu leben hoffen könne. Diese Gleichgültigkeit wird bey verschiednen nach ihrer Vermählung endlich zu einer würcklichen und wahren aber dabey gemäßigten Liebe; so daß man nicht ohne Grund behaupten kan, daß die Liebe sehr oft erst nach der Hochzeit erfolge. Es fff dieses freylich nicht allgemein: denn gar oft artet diese Gleichgültigkeit in einen förmlichen Widerwillen aus. Allein eben dieses findet auch nicht selten bey Personen statt, die vor ihrer Vermahlung wahrhaftig und in dem höchsten Grad in einander verliebt gewesen sind. Man hat Beyspiele genug von misrathenen Ehen, obgleich die Leute einander vorher, und auch einige Zeit in der Ehe bis zum Uebertriebnen geliebt haben. Vey einigen hat die Heftigkeit der Liebe nur einige wenige Tage gedauret, und es ist hn ihrer Stelle nichts als Eckel und Verdruß eingetretten, und so gar sind Mir einige Leute bekannt, die den Tag il>rer Vermählung nicht erlebt haben, ohne vorher auf recht ernstliche Zänckereycn, die wohl gar auf Thät- lichkeiten ausgegangen sind, zu verfallen. Leute die von Jugend auf mit einander, wie man zu reden pflegt, geschätzt haben, werden oft einander am ersten verhaßt, und im Gegenthcil haben andre, die eben nicht gar lange Zeit gehabt haben, sich genau kennen zu lernen, ein vergnügtes und ordentliches Leben geführt. Was ist die Ursache von diesem Unterschied? Die letzten sind bey ihrer Heurath gegeneinander gleichgültig, die erstem aber verliebt gewesen.
Warum beurathen aber Leute die nicht verliebt sind? Man sollte fast glauben, daß diese des Heurathens überhoben seyn könnten. Es ist eine Ursache vorhanden, die die wenigsten sich unterstehen zu bekennen und die unter allen doch die eintzige ist, welche das Vorhaben zu heurathen rechtfertigen kan. Ich meyne den von dem weisen Schöpfer den Menschen durchgängig eingepflanzten natürlichenTrieb zu heurathen. Wenn dieser nicht wäre, so würde man einen jeden, der sich in den Ehestand begiebt, eben deswegen, weil er sich dadurch tausend unvermeidlichen Verdrießlichkeiten aussetzt, schlechterdings für einen sehr großen Thoren erklären müssen. Denn alle übrige Ursachen, die er haben und vorgeben mag, sind entweder
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