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nachlässig sty und daß er weiter nichts alS ein gutes Gedächtnis Has de, das im Stande ist, eine Sponselische, oder Seidelische Dispo- sition in einer Stunde auswendig zu lernen und dann auf der Kanzel herzusagen, ohne anzustossen. Ein wahrer Seeisorger, dem e- nicht blos um ein stundenlanges Geschwätz zu thun ist, braucht aste Stunden in der Woche, um am Sonntage seine anvertrauten Zuhörer rnit schönen Gedanken und wahrhaftig christlichen Gesinnungen zu unterhalten und fängt nicht, auser im höchsten Nothfaü, erst den Samstag an, auf ferne Sonntagspredigten zu studiren.
Einzelne Gedanken.
. . Es ist eine gewöhnliche, aber falsche Politik, .daß man wenn man ermges Ansehen besitzt, bemühet ist, allen andern Leuten den Weg zum Genuß aller Vortheile und Wohkthaten zu verlegen. Zuweilen ist der Neid hieran Schuld, am meisten aber der Eigennutz, welcher sich ein- Vrldet, daß durch eine jede Wohsthat, die einem andern zufiießt, ihm selbst etwas, das er für sich oder die Seinige geniesen könnte, entzogen werde. Melstentheüs erreicht ein solcher Mensch seine Absichten doch nicht, und diejenige, deren Glück er zuwider ist, freuen sich hernach, wenn sie sehen, daß er den gehoften Vortheil nicht erlangt; welches ihm nothwendig keine geringe Aergerms verursachen muß, da er im Gegentheil bey einer andern Aufführung das Vergnügen eines Menschenfreundes und WohlchaterS, das gross Vergnügen, andern in ihrem Glücke behülflich gewesen zu seyn, empfinden würde.' Möchten doch die Leute sich nicht nur mit dem unge- rechten Mammon, sondern auch mit der Gunst der Grosen Freunde machen.
Wenn man immer tüchtige Leute im Staat haben will; so muß man junge Leute nach und nach anziehen. Es giebt sehr viele Aemter , bey welchen dre größte Gelehrsamkeit nicht zureicht, sondern eine Erfahrung von langen Jahren nöthig ist. Bey Aemtern von dieser Gattung sollte man jederzeit, wenn ich nnch so ausdrucken kann, einen Amtssolger haben, der die erledrgte Stelle zu seiner Zeit einnehmen könnte und nicht erst nöthig hatte, m dem Amte selbst zu lernen oder Fehler zu machen.
Wenn wir auch nicht wüßten, daß wir in der verkehrten Wett lebten, so könnte man es doch schon daraus schliessen, daß heutiges Tages so viele junge Leute sich herausnehnrerr, in Gesellschaften den Ton zu geben
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