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vnd ldaS Wsrt allein ju führen, ohne daß Leute, die vermöge ihres Atter-, ihres Standes, ihrer Erfahrung und Einsichten den Vorzug verdienen^ vor ihnen zum Gespräch kommen können. Es ist ja wohl verkehrt genug, daß der Grosvater schweigen muß, wenn der Enkel zu schwätzen anfqngr.
Wenn man jemand Nachrichten bringen will von Sachen, die ihrs angehen; so muß man sehr vorsichtig seyn. Man muß wissen , daß ihm etwas daran gelegen ist, und wenn es böse Nachrichten betrrft, so muß man sie, wenn sie nicht mehr Hintertrieben werden können, so vorbringen, daß wenigstens nicht übel ärger, oder derjenige, dem man sie siebt, nicht deswegen verdrieslich oder wohl gar unser Feind wird. Denn es siebt viele Leute, welche nicht glauben, daß andre von ihren Umstanden wußten, und daher denjenigen aussätzig werden, von denen sie sehen , daß sie wirklich darum wissen. Je vornehmer sie sind, je mehr halten sie eS für einen Vorwitz, daß wir uns um solche Sachen bekümmern, und zuweile» leg n sie es uns wohl gar für eine Schadenfreude aus, wenn wir cd gleich von ungesehr erfahren haben. Ein sehr leichtes Mittel sich selbst haßt zu machen, i|l verhaßte Dinge vorzutragen.
Wenn doch die Menschen die Kunst lernen wollten, mit ihrem Glücke zufrieden zu seyn, wie vieler Mühe, Verdruß und Gefahr würden sie überhoben seyn. Manchen Menschen ist es, wie ehmals den Juden, zu wohl, uud deswegen haben sie keine Ruhe, bis sie einen König haben und sich selbst eine Ruthe aus den Rücken biyden dürfen. Wenn man seine Umstände zu verbessern gedenkt; so muß man sich hüten, daß man nicht solche Wege emschlägt/ auf welchen man sich mehrerem Verdruß auS- setzt, als die Verbesserungen werth sind. Eben so treibt eine unbe'onnene Rachbegierde manche Leute an, daß sie, wie das Füllen m der Fabel, einen Reuter aufsitzen und sich einen Zaum anlegen lassen. Diese beyde Ursachen bringen viele um die so kostbare Freyhest, die sie aber freilich nicht zu besitzen werth sind, weil sie sie nicht zu schätzen wissen.
Wem eS niemals übel gegangen iS, der kennt sich und die Welt höchstens nur zur Helft«. Wer von Jugend auf im U-derfluß 'st erregen worden, der kann von der Noch armer und bedrängter Leute nicht gehönS urtbeilen. Es ist ru wünschen daß all- junge Leute, wo nicht selbst aller, fty Hindernisse ihre« Glücks, oder anderes Elend erfahren, doch wenig.


