Ausgabe 
23.6.1767
 
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PostG die ihnen vorkommt: theils leiden es ihre Umstände nicht viel auf gute Bücher zu wenden, theils sind ihnen dieselbe auch nicht hinlänglich bekannt, khei^ sinv sie nicht geschickt genug einen guten Gebrauch davon -u machen. Sie halten sich an schlechte Muster, schreiben hier etwas aus, dorten etwas, flicken ein paar eigne Gedancken dazwischen. Nichts hängt Mmmen: alles bekommt eine ungefähre Stelle. Vernunftlehre und Re- vekunst rennen sie kaum dem Nahmen nach. Es wüste mit einem Wün- derzugehen wenn solche Leute Sachen die sie nie gelernt haben, in einer anständigen Ordnung, da sie die Regeln zu dencken nicht verstehen, und in bequemen Ausdrücken, da sie nie etwas gelesen Haden, vortragen sollten. Redensarten,die nicht einmahlrein deutsch sind, niederträchtige undgemei- pe Ausdrucke, pöbelhafte Sprüchwörker, übelverdaute Einfälle, schwülsti- ge kriechende und nichts bedeutende Beywörter, übelklingende Wendungen und Falle der Perioden, und dieses alles zu gleicher Zeit und in einem selt­samen Gemisch, sind die Zierrathen womit sie ihre schlechte Sachen überklei- ven, und die Empfehlung, womit sie ihre elende Waaren auslegen. Wenn doch diese Leute die Kunst auf eine feine Art auszüschreiben noch verstünden, w könnten sie sich doch wohl mit fremden Federn schmücken. Allein auch soviel haben sie nicht einmal gelernt. Man gebe ihnen einen Saurin oder Mosheim, einen Jerusalem-oder Cramer, einen Bourdaloue oder Fleshier i sie wissen solche Leute nicht zu gebrauchen. Allein eine magre Postill ist ihrer Gedenckungsart gleichförmiger, oder wenigstens nicht fb yoch über ihren Horizont erhaben, als jene grose Redner. Setzt man hin­zu daß viele von denen die würklich fleißig sind, unrichtige Wege geführt M mit Grillen und Ungereimtheiten aufgehalten werden, und falsche Re­geln und einfältige Muster vor sich bekommen, so wird man leicht begrei­fen, warum kaum der Zchendte unter den Predigern seine Sachen auf ei­ne allenfals noch erträgliche Art vorbringk.

Es wäre zu viel gefordert wenn ein jeder Prediger ein groser Red­ner seyn sollte. Gantze Nationen haben oft kaum einen oder zwey aufzu­weisen. Aber man kan mit Grund vön ihm verlangen, daß er so viel ge­lernt habe, daß er nicht nur seine Sachen gehörig versteht, sondern dieset- bige auch auf eine vernünftige und anständige Art vorbringt, wenn er gleich nicht witzig seyn kann, oder ihm die Natur das Grose und Rednerische versage hat. Kurtz er soll denken und reden wie alle vernünftige und gesittete Leute dencken und reden. Keine Fehler gegen den allgemeinen Menschenverstand, keine gegen eine gesunde Vernunstlehre, keine gegen die von allen Natio­nen erkannte allgemeine Regeln der Beredsamkeit.- Es kann sevn daß feine