und Nachrichten. 405
bestritten, das unter ihnen im Schwange gieng. Das alles hab ich ge- than und ich kann mir., ohne in den geringsten Verdacht der Eigenliebe oder der Ruhmredigkeit zu verfallen, das Zeugnis geben , daß ich nicht Schuld daran bin, wenn unser Wochenblatt nicht die gute Wirkung gehabt hat, daß dadurch unter meinen Landsleuten das Laster lächerlich und vertz-ßt und die Tugend liebenswürdiger geworden ist. Was kann ich dafür, daß Cle-n noch immer ein Thor ist, wenn ich ihm aus das deutlichste gesagt habe: Cleon du mußt dich so und so aufführen, du mußt dein Amt besser verwalten, Mißt mit deinem Nebenmenschen liebreicher undge- rechter umgehen und mußt überhaupt mehr auf die Erfüllung deinerPflich- ten bedacht seyn, wenn du für einen vernünftigen Menschen willst angesehen seyn? Was kann ich dafür, daß Almansor immer noch roh und ungeschliffen, ist, und vonriedermann für einen groben und unbelebten Menschen gehalten wird, wenn ich ihm oft gesagt habe: Almansor, lege doch dein unhöfliches Wesen ab und werde gesitteter. Sey künftig bescheidener und gefälliger gegen diejenige, mit denen du umgehest. Lese öfter schöne Bücher und lerne daraus besser denken und besser leben, als du bisher gewohnt gewesen bist. Was kann ich dafür, daß Amint immer noch faul und trqg ist und seine Zeit mit unnützen Kleinigkeiten verschwendet, wenn ich ihm gesagt habe: Amint werde doch endlich einmal klüger und bedenke daß die Tage deines Lebens mehr werth seyen, als daß du sie aufeine so unverantwortliche Weise überlebest. Was kann ich dafür, daß Elmire immer noch andre Leute verläumdet und sich um die kleinsten und abgeschmacktesten Neuigkeiten in unsrer Stadt bekümmert, wenn ich ihr unter der erdichteten Nachricht von den weiblichen Kirchen-Senioren in China das lächerliche ihrer Neugierde vorgestcllt habe. Was kann ich dafür, deß sich dieser oder jener nicht bessert, wenn ich ihm Mittel dazu en die Hand gebe, und daß er seine Thorheiten und Vorurtheile nicht ablegt, wenn ich ihn daran erinnere.
Ich bin willens, heute wieder ein Vorurtheil zu bestreiten, das schon so lange unter uns geherrscht hat, und daS ich für eine Quelle ansehe, woraus tausend abergläubische Handlungen, und eben so viel falsche Begriffe und lächerliche Vorstellungen herfliesen, die der wahren Vernunft so wohl als unter göttlichen Religion höchst nachtheilig sind. Ich darf meine Leser nur daran erinnern, daß wir in einigen Tagen die Weihnachts- Feyertage erleben werden; so werden sie schon eim'germasen errathen können, waS für eine böse 'Gewohnheit ich gern jetzt ausrotten möchte.
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