Ausgabe 
22.9.1767
 
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und Nachricht^

fahrungen. Nur der Christ, der wahre Christ, der seinen Pflichten getreu ist und sterben gelernt hat, kann allen drohenden Gefahren muthig entge­gen gehen. Er sieht den Ruhm bey den Menschen nur als einen zufälli­gen und sehr ungewissen Lohn für seine Rechtschaffenheit an. Glaube mir, ich bin siebzig Jahr alt geworden, ich habe meinen.Ruhm nie bey der Welt gesucht, und dennoch würde ich mein Leben willig für mein Vaterland ge­lassen haben. Zu dieser Entschliesung kann man nicht gelangen, trenn matt kein Christ ist, wenn man nicht glaubt, daß Rechtschaffenheit und Tugend erst nach diesem Leben hauptsächlich werden belohnt werden. Ich bin sieb­zig Jahr alt geworden, und lch habe mich noch nie geschämt, ein Christ zu seyn, sowie ich mich noch nie gefürchtet habe, zu sterben. Wenn du also ein tapfrer Soldat werden willst; so bemühe dich vor allen Dingen, mein Friedrich, ein wahrer Christ zu bleiben. Nur der Christ kann von heldenmütigen Gesinnungen reden und kein Freygeist , der sich um einen stundenlangen Ruhm todtschiesen läßt. Merke dir dieses wohl bey der Ar­mee, wo du dergleichen Grundsätze viel nüthiger, als sonstwo haben wirst, und erinnere dich oft, daß der Hauptzweck eines Soldaten nicht die Ehre der Weit sondern die Tugend der Tapferkeit und der wahren Liebe für den König und das Vaterland seyn müsse.

Glaube mir, ich bin siebzig Jahr alt geworden und habe schon man­chen Tag in meinem Leben zur Prüfung der Religion angewendet, glaube mir, sie ist kein Hirngespinst, wofür sie von vielen gehalten wird, die noch kaum einige Worte zusammen zu setzen wissen, ldie sie nicht einmal von weitem kennen, und doch so kühn sind, sie zu verwerfen und die Sprache der Spötter zu führen. Welch eine bedauernswürdige Unbesonnenheit! Nie müsse dein Herz ihrer schuldig werden. Je mehr du die Religion lieben nud ihren Lehren getreu nachleben wirst, desto mehr wirst du von ihrer Vortrcflichkeit überzeugt werden. Sie wird dich für tausend Thorhetten bewahren, sie wird dich für'allen Ausschweifungen beschützen und dir die Laster, wodurch sich so viele bey der Armee erniedrigen, unendlich unan- aeöehm machen. Glaube mir, die Religion ist kein Hirngespinst. Ich wüßte nicht, warum ich hätte tapfer seyn sollen, ich wüßte nicht, warum ich mit der Noth der Untertanen meines Königs hätte Mitleiden haben und nicht vielmehr ihre Güter zu meinem Raube hätte machen sollen; wenn ich nicht eine Ewigkeit glaubte, worum alle Untreue und alle Unge­rechtigkeit wird bestraft werden. Die meisten Haffen die Religion, weil sie sie nicht kennen, weil sie- ihre Lehren nie ausgeübt haben und nie aus-